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Caligari ZDF Ein kleiner Nager sticht Claus Kleber aus

Der Film „Abenteuer ZDF“ zeigt das geheime Leben der Tiere auf dem Sender-Gelände.

21.09.2012 01:33
Gerd Blase

Claus Kleber bereitet sich aufs Heute-Journal vor. Im Hintergrund flimmert auf einem großen Bildschirm das laufende Programm. Gleich ist er dran. Er stärkt sich mit Vollmilchschokolade. Dann verlässt er das Büro ...

Und schon tastet sich ein ungebetener Gast vorsichtig aus einem Kabelschacht. Der Gartenschläfer wittert Pralinen. Über ein Kabel entert er den Tisch, huscht am PC vorbei. Mümmelnd sitzt das kleine Tier neben der Computertastatur, während auf dem Bildschirm Kleber moderiert. Wenn der wüsste ...

„Abenteuer Lerchenberg – ein Jahr unter tierischen Kollegen“ heißt der außergewöhnliche Film, der jetzt in den Räumen des ZDF Premiere feierte. Gut 40 Mitarbeiter des Senders hatten sich zusammengetan, um die reiche Natur auf dem Gelände auszuspähen.

Ein ganzes Jahr lang beobachteten sie Feldhasen und Stierkäfer, Dachse und Graureiher. Sie bannten die bunte Tierwelt auf rund 100 Stunden Film, woraus nun ein spektakulärer 52-Minuten-Streifen entstanden ist.

„Wir haben das alles ehrenamtlich gemacht“, berichtet Andreas Ewels. Er hatte die Idee zum Film, führte Regie und schrieb das Drehbuch. Dabei ist der renommierter Naturfilmer bis heute baff, wer sich alles für das Projekt engagierte: eine ganze Reihe Naturfilmerkollegen und Menschen aus den verschiedensten Bereichen des Senders: „Christina Guarracino zum Beispiel arbeitet eigentlich im Gebäudemanagement. Sie wurde das Organisationstalent der Gruppe.“

Eine Spinne tastet sich über das gezeichnete Konterfei der ZDF-Gebäude. Dann ein Rumms: Ein schweres Buch saust hernieder, auf ihm prangt in eleganten Lettern der Filmtitel „Abenteuer Lerchenberg“. Wie von unsichtbarer Hand wird das Buch aufgeschlagen. „Frühling“ steht dort. Der Lauf des Jahres beginnt.

Spektakuläre Bilder zeigen, was so kreucht und fleucht auf dem Gelände des Senders. Eine von Ewels' Lieblingseinstellungen zeigt den Regen, der plötzlich die Insektenwelt durcheinanderbringt. Ein Marienkäfer krabbelt über einen Halm, tastet einen Regentropfen vor ihm ab. Dann fällt ein zweiter und bringt das Tier aus dem Gleichgewicht. Bienen fliegen durch einen Wald von Tropfen, der still zu stehen scheint. Die Bienen wurden 2011 auf dem Sendebetriebsgebäude angesiedelt. Andere Tiere kamen ungebeten. 15 Libellenarten sirren um die Teiche des Lerchenbergs, Dachse buddeln im Erdreich, und eine riesige Kolonie Gartenschläfer tummelt sich in den Zwischenwänden des Redaktionsgebäudes.

Ob der Film ins ZDF-Programm kommt, ist noch nicht ganz klar. „Anfragen gibt es aber schon“, sagt Ewels, „ich bin da optimistisch.“ Immerhin ist das Werk im Mainzer Rathaus, in der Wiesbadener Caligari Filmbühne und in Berlin zu genießen.

Es lohnt sich, die in Zeitlupe blühenden japanischen Kirschen zu sehen, die gemächlich kopulierenden Erdkröten, die hektischen Hasen oder die Waldohreule, deren grellgelbe Krallen nach der Feldmaus greifen. Abenteuer Lerchenberg lockt.

Vorführungen: Heute, 21. September, 20 Uhr, Wiesbadener Caligari Filmbühne. Dazu eine Talkshow mit Regisseur und Kameraleuten. Eintritt 6 Euro. Samstag, 13 Oktober, 20 Uhr, ZDF-Atrium in Berlin. Eintritt frei.

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