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Wirbelschleppen in Flörsheim BI fordert Rücktritt von Fraport-Chef

Ein Gutachter entdeckt erneut schwere Mängel an einem gegen Wirbelschleppen gesicherten Dach in Flörsheim (Main-Taunus). Die Anwohner machen den Flughafenbetreiber Fraport für die Misere verantwortlich.

Flugzeug über Flörsheim
Flugzeug über Flörsheim. Foto: Michael Schick

Der Vorfall Ende Mai hat viele Flörsheimer, deren Häuser in der Einflugschneise der Nordwestlandebahn stehen, aufhorchen lassen. Zwölf Dachziegel waren damals an einem sonnigen Nachmittag in der Rheinallee von einem Dach gestürzt, obwohl dieses im Zuge des Dachsicherungsprogrammes von Fraport gegen Wirbelschleppenschäden gesichert war. Nur um Haaresbreite verfehlten die Dachziegel damals eine Frau, die in ihrem Garten saß. Schnell war klar: Die Handwerker-Kolonne hat schlampig gearbeitet. Flughafenbetreiber Fraport ließ alle 99 Dächer, die von dem Dachdeckerbetrieb verklammert worden waren, überprüfen. Fast überall wurden Mängel festgestellt. Sie werden nun der Reihe nach behoben.

Doch wie sieht es auf den weit mehr als 2000 anderen Dächern in der Einflugschneise aus, deren Ziegel im Zuge des Fraport-Programmes bereits mit Metallklammern vor dem Herabstürzen gesichert wurden. Halten sie wirklich dem Sog einer Wirbelschleppe stand, wie sie landende Flugzeuge erzeugen? Diese Frage hätten sich viele Bürger in der letzten Zeit gestellt, sagt die Sprecherin der BI Flörsheim-Hochheim, Carola Gottas. Darunter war auch ein Hausbesitzer aus Flörsheim, der es genau wissen wollte. Er schickte ein Musterschreiben, das die BI entworfen hatte, an Fraport und bat um schriftliche Bestätigung, „dass die Klammerung meines Daches korrekt ausgeführt wurde, da meine Familie und ich uns bei Ostwind ohne Sorge um Leib und Leben in meinem Hof und Garten aufhalten möchten“. Es gäbe keine Anhaltspunkte, dass bei der Sicherung des betreffenden Daches mangelhaft gearbeitet wurde, antwortete Fraport und lobte das Dachsicherungsprogramm, das auch der hessische Verwaltungsgerichtshof als Mittel anerkannt habe, um wirksam vor Wirbelschleppenschäden zu schützen.

Gutachter stellt gravierende Mängel fest 

Mit dieser Aussage hat sich die Flughafenbetreiberin aber womöglich etwas zu weit vorgewagt. Denn ein Gutachter, den die Bürgerinitiative kurz darauf zu dem Flörsheimer Hausbesitzer schickte, kam zu einem ganz anderen Schluss. Er fand auch an diesem Dach gravierende Mängel bei der Ausführung der Dachklammerung gegen Wirbelschleppen. In dem 20-seitigen Gutachten ist von falschen Holzbohlen und Schrauben die Rede, die verwendet wurden, von fehlenden Montagedokumentationen und einem nicht vorhandenen Abnahmeprotokoll.

Die Dachsicherungsarbeiten seien nicht nach den Regeln der anerkannten Technik durchgeführt, das vorgegebene Klammerschema nicht eingehalten worden. Firstziegel seien nicht ordnungsgemäß befestigt, der Einbau der Sicherheitshaken derart mangelhaft, dass die Dachfläche, die eigentlich einmal pro Jahr inspiziert werden müsse, ohne Gerüst nicht betreten werden könne. Das Vordach des Hauses und das Dach des Schuppens seien überhaupt nicht verklammert worden, obwohl auch von dort Dachziegel durch eine Wirbelschleppe herabstürzen könnten. 

„Das Vertrauen in die Dachklammerung durch Fraport war noch nie groß, die meisten Hausbesitzer haben sich lediglich aus Angst vor der Haftungsfrage dazu entschieden“, kommentiert BI-Sprecherin Carola Gottas das Ergebnis des Gutachtens. Nun dürfte das Vertrauen der Bürger aber endgültig erschüttert sein. „Wir müssen von unzähligen weiteren unsachgemäß geklammerten Dächern ausgehen“, befürchtet Gottas. Zuständig für die Misere sei alleine Fraport. „Wir fordern deshalb den Rücktritt von Stefan Schulte als Geschäftsführer und Betriebsbeschränkungen für die Nordwestlandebahn“, heißt es in einer Mitteilung der BI.

 Fraport sah sich am Dienstag  noch nicht in der Lage, die Vorwürfe zu kommentieren. „Das Gutachten wird derzeit von uns analysiert“, sagte ein Fraport-Sprecher auf FR-Anfrage. Mit dem Eigentümer der Immobilie sei Kontakt aufgenommen worden. Das Dach werde in den nächsten Tagen überprüft. Sollten tatsächlich Mängel bei der Sicherung vorhanden sein, würden diese schnellstmöglich beseitigt, sagte der Sprecher.

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