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Winzer im Main-Taunus-Kreis Leidenschaft für Riesling und Burgunder

Elf Jungwinzer haben sich zusammengetan, um die Weine des Oberen Rheingaus noch bekannter zu machen. Jetzt laden sie zur After-Work-Party in den Hochheimer Hummelpark ein.

Jungwinzer im Main-Taunus-Kreis
Weinprobe im Wingert – mit Mathias Scherbaum, Katharina Flick, Peter Flick, Juliana Venino und Simon Schreiber (von links). Foto: Michael Schick

Gleich hinter dem Johanneshof in Hochheim-Massenheim fängt der Weinberg an. Wie mit dem Lineal sind die Furchen zwischen den Reihen der Rebstöcke gezogen. Auf kleinen Tafeln stehen die Namen der Sorten, die hier reifen: Spätburgunder, Gewürztraminer, Weißburgunder, Riesling. Die fünf jungen Leute, die für den FR-Fotografen einen Spätburgunder-Rosé in den Gläsern schwenken, haben alle ein und denselben Beruf: Sie sind Winzerinnen und Winzer – aus Überzeugung und aus Leidenschaft.

„Ich wollte nie etwas anderes machen“, sagt Simon Schreiber, 24 Jahre alt und Juniorchef im Johanneshof. Als Kind sei er schon im Weinberg dabeigewesen, mit 16 absolvierte er die Winzerlehre. Jetzt steht er stolz vor der Baustelle der neuen Vinothek, die am Rande des Weinbergs entsteht.

Von Vorbildern in Neuseeland habe er sich inspirieren lassen, erzählt Schreiber. „Ich will Leute aus Frankfurt hier herholen zum Weinverkosten, frischen Wind in unseren Betrieb bringen.“ 
Genau das wollen auch die zehn anderen Nachwuchswinzerinnen und -winzer, die sich vor wenigen Monaten zur Kooperative „Mainwerk3“ zusammengeschlossen haben. Sie stammen alle aus renommierten Weingütern des Oberen Rheingaus, ihre Eltern und Großeltern haben im Laufe von Jahrzehnten mit Rieslingen und Burgundern Preise und Auszeichnungen gewonnen.

Um die Zusammenarbeit untereinander sei es aber in den Winzergenerationen vor ihnen nicht ganz so gut bestellt gewesen, erzählt Katharina Flick vom Weingut Joachim Flick in Flörsheim-Wicker. „Alle waren im Winzerverein, aber sie haben sich eher als Konkurrenten verstanden. Jeder hat für sich gearbeitet.“ Aus dem landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau und Weinbau des Großvaters entstand unter der Führung von Katharina Flicks Vater Reiner Flick eines der bekanntesten Weingüter im Oberen Rheingau. Die Flicks bewirtschaften mittlerweile auch den berühmten Königin-Victoria-Berg in Hochheim, dessen Rieslinge seit mehr als 100 Jahren im englischen Königshaus getrunken werden. 

An den Traditionen möchte Katharina Flick, die zurzeit ihre Winzerlehre macht und danach in Geisenheim Weinbau studieren wird, auch nicht rütteln. Dennoch: Der Austausch mit den jungen Kollegen, die alle vom Wein fasziniert sind und auch mal Neues ausprobieren wollen, tue gut, sagt die 19-Jährige. 

Dabei komme es nicht darauf an, dass alle in eine Richtung denken. „Wir sind ganz unterschiedlich“, bestätigt Simon Schreiber. Während er seine Weine und auch den bereits vom Vater in Flaschengärung produzierten Riesling-Sekt vor allem regional vermarkten möchte, hätte Peter Flick (25) vom gleichnamigen Weingut in Wicker nichts dagegen, auch mal nach Japan zu reisen um dort Kunden zu akquirieren. Weinbaustudentin Juliana Venino (27) aus Wicker experimentiert mit der heute eher seltenen Scheurebe. Und Mathias Scherbaum (27) keltert die Weine im elterlichen Weingut im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim ausschließlich nach biologischen Kriterien. 

Überhaupt, sagen die jungen Winzer, seien sie um einiges umweltbewusster als ihre Vorfahren. „Man macht sich mehr Gedanken über die Natur, düngt nicht so viel, verwendet weniger Herbizide, entfernt das Unkraut mit der Hacke“, sagt Katharina Flick. 

Für Mainwerk3 haben die elf Jungwinzerinnen und Jungwinzer jeder einen eigenen Wein kreiert. Die Weine des Oberen Rheingaus weithin bekanntzumachen, ist ihr Ziel. Die Palette reicht von einem dezent mineralischen Wickerer Riesling von Katharina Flick über Simon Schreibers spritzigen Spätburgunder Rosé und Peter Flicks fruchtige Steinriesling Spätlese bis zum prickelnden Secco Rosé von Mathias Scherbaum. Vermarktet werden die Weine alle unter der Marke „Mainwerk3“. Eigene Etiketten haben die Nachwuchswinzer dafür entwerfen lassen. Das Logo prangt auch auf den T-Shirts, die sie bei Veranstaltungen tragen. 

Auch bei ihrer ersten After-Work-Lounge am morgigen Donnerstag im Hochheimer Hummelpark werden sich die Elf so präsentieren. Die Party im Grünen ist für Weinliebhaber aus der ganzen Region gedacht. Besonders ansprechen wollen die Mainwerk3-Winzer junge Menschen. „Guten Wein trinken liegt im Trend“, ist Simon Schreiber überzeugt. Die Sprache etablierter Experten sei jedoch oft kompliziert. „Zur jungen Generation haben wir einen besseren Draht.“ 

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