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Vincenzhaus Hofheim Mitschüler quälen Kind

Schwerer Vorwurf. Sein Sohn sei auf dem Gelände des Kinderheims von kaum älteren Jungen misshandelt worden, berichtet ein Vater. Vertuscht werde der Vorfall nicht, sagt die Caritas. Von Andrea Rost

Das Vincenzhaus in Hofheim Foto: Rolf Oeser/FR

Der Vater eines zwölfjährigen Jungen erhebt schwere Vorwürfe gegen das Hofheimer Vincenzhaus. Sein Sohn sei vor wenigen Tagen von einem 14-Jährigen und einem 13-Jährigen auf dem Gelände des Kinderheims gefesselt, minutenlang geschlagen und erniedrigt worden, berichtete der Mann der Frankfurter Rundschau. Ein Achtjähriger habe dem Jungen Blätter in den Mund gestopft. "Mein Sohn hatte panische Angst zu ersticken." Nur weil sie eine Erzieherin aus der Ferne rufen hörten, hätten die Peiniger von ihrem Opfer abgelassen. Ein Arzt habe anschließend Fesselspuren und eine acht Zentimeter lange Wunde am Unterarm bei dem Zwölfjährigen diagnostiziert.

Der Vater will nun gegen den 14-jährigen Mitschüler, der seinen Sohn bereits mehrfach verprügelt hat, Anzeige erstatten. Und er will auch gegen die Heimleitung juristisch vorgehen - wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht: "Es war abgesprochen, dass die beiden Jungs nach dem ersten heftigen Streit voneinander ferngehalten werden sollen", sagt der Vater. Dies sei jedoch nicht geschehen, vielmehr habe man ihn in Gesprächen immer wieder vertröstet und zu beruhigen versucht. "Die Sache wurde heruntergespielt und bagatellisiert", ärgert sich der Vater.

Er ist überzeugt: "Die Erzieher am Vincenzhaus sind mit den vielen Kindern absolut überfordert. Sie konzentrieren ihre Energie auf das Vertuschen der Zustände in den Gruppen." Viele der Kinder bräuchten eine intensivere Betreuung. Doch dafür fehle es an Personal. "Die finanziellen Aspekte überwiegen die Sicherheitsbedürfnisse der Eltern", sagt der Vater. "In Sachen Gewaltprävention passiert am Vincenzhaus einfach zu wenig."

Die Caritas Frankfurt, Trägerin des Vincenzhauses, bestätigte auf FR-Anfrage, dass es dort in der vergangenen Woche einen ernsthaften Konflikt unter Kindern gegeben habe. Detaillierte Angaben zu dem konkreten Fall könne sie aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht machen, sagte Caritas-Sprecherin Christiane Hartmann-Vogel. Der Vorfall sei mit den beteiligten Kindern ausführlich besprochen worden - sowohl einzeln als auch in der Gruppe. Die Kinder hätten ihr Fehlverhalten eingesehen, mittlerweile würden sie sich wieder vertragen.

Hinsichtlich Gewaltprävention arbeite das Vincenzhaus nach den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Erziehungshilfe und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Grundlage der Arbeit sei eine offene Kommunikation. Es gebe regelmäßig familientherapeutisch orientierte Eltern- und Familiengespräche. Außerdem sei ein Beschwerdemanagement für Kinder, Eltern und Mitarbeiter eingerichtet.

Caritas widerspricht

Den Vorwurf der Vertuschung weist die Caritas-Sprecherin zurück: Die Vorgänge in der letzten Woche seien intern bereits ausführlich dokumentiert und analysiert worden. Die Eltern der Kinder, betroffene Jugendämter und die Heimaufsicht seien unmittelbar über die Vorkommnisse informiert worden.

Der Caritasverband Frankfurt bedauere den ausgebrochenen Konflikt unter den Kindern. Er sehe die Aufsichtspflicht von Erziehern und Heimleitung aber nicht verletzt. "Nach gründlicher Prüfung gibt es dafür aus unserer Sicht keine Anhaltspunkte", sagt Hartmann-Vogel.

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