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Verlobter Tag Flörsheim und der schwarze Tod

Der "Verlobte Tag" hat in Flörsheim den gleichen Status wie Weihnachten und Ostern. Mit einer Prozession erinnern die Einwohner an die Rettung vor der Pest vor mehr als 300 Jahren. Von Gesa Fritz

12.08.2009 00:08
Gesa Fritz

Petri Schuchmacher wollte nur, dass seine Kinder nicht in Lumpen herumlaufen. Zwar ging es im Jahre 1666 oft ärmlich zu in Flörsheim, doch der Mann war Schneider. Und so zog er los, um in einem Nachbarort gebrauchte Kleider zu besorgen. Doch in den Gewändern saßen Flöhe und mit ihnen brachte Schuchmacher den Schwarzen Tod nach Hause.

Flörsheim war damals noch ein Dorf. Um die 700 Menschen sollen hier gelebt haben. Die meisten von ihnen waren Fischer oder Bauern. Nur vereinzelt gab es Handwerker wie Schmiede oder Wagner. Viele verdingten sich nebenher als Tagelöhner.

Vor allem in den Häusern zum Main lebten die Flörsheimer in einfachsten Verhältnissen. Hier teilten sich oft auf engstem Raum Hühner, Schweine und Menschen ein Haus. Für eine Seuche herrschten ideale Voraussetzungen. Die ersten Pesttoten im Dorf waren vier Kinder des Schneiders Schuchmacher. Anfangs wussten die Bewohner nicht, was da über sie hereingebrochen war. Es gab keinen Arzt. Der einzige Gebildete in dem Ort war der Pfarrer Laurentius Münch. Er versuchte, den Kranken zu helfen. Von ihm stammen die Aufzeichnungen aus dieser Zeit.

Anfangs wurden die Toten am Tag vergraben. Im Winter, als Mensch und Tier immer mehr Zeit gedrängt im Warmen verbrachten, stieg die Zahl der Opfer so stark an, dass sie nachts beerdigt wurden. Im Dorf sollte keine Panik ausbrechen. Innerhalb eines Jahres hatte die Pest etwa ein Drittel des Dorfes ausgelöscht. Die Seuche wütete etwa ein Jahr in Flörsheim. Aufgehalten wurde sie, so will es die Legende, durch ein Versprechen der Gemeinde. Jedes Jahr sollten die Bürger am "Verlobten Tag" mit einer Prozession durch die Straßen ziehen und an die Pest erinnern.

Der "Verlobte Tag" wird bis heute in Flörsheim immer am letzten Montag im August gefeiert. In diesem Jahr wird erstmals eine Stadtführung die düstere Geschichte wieder aufleben lassen. Stadtarchivar Hans Dieter Darmstadt zieht dann mit den Besuchern von historischer Stätte zu historischer Stätte.

Die Stadtführung beginnt am 29. August um 15 Uhr, Anmeldung unter Telefon 06145/955110. Der "Verlobte Tag" wird am 31. August gefeiert.

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