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Unternehmen in Hattersheim Der versteckte Weltmarktführer

Die Firma Hilscher in Hattersheim (Main-Taunus-Kreis) ist Technologiehersteller für industrielle Datenkommunikation und zählt zu den hundert innovativsten Unternehmen Deutschlands.

Unternehmenspräsentation
Rundgang mit Firmengründer Hans-Jürgen Hilscher (links) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Foto: Michael Schick

Auf Anhieb findet Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir nicht zum technologischen Marktführer für industrielle Kommunikation in Hattersheim. Eine Viertelstunde später als verabredet trifft der Grünen-Politiker bei der Firma Hilscher ein, deren Büro- und Produktionsgebäude versteckt am Mainufer im Stadtteil Okriftel liegen. „Wir sind ein paar Mal im Kreis gefahren, ich weiß jetzt, was ein ‚Hidden Champion‘ ist“, scherzt Al-Wazir. 

Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit wie noch vor ein paar Jahren agiert das mittelständische Unternehmen allerdings gar nicht mehr. Die Hilscher Gesellschaft für Systemautomation mbH wurde vor kurzem zu einer der 100 innovativsten Firmen Deutschlands gewählt, Geschäftsführer und Firmengründer Hans-Jürgen Hilscher bereits zwei Mal als Manager des Jahres ausgezeichnet. Stolz blickt der 61-Jährige auf 32 Jahre Firmengeschichte zurück.

Im Keller eines Reihenhauses machte sich der gebürtige Hattersheimer 1986 selbstständig. Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Regelungstechnik habe er davor in Darmstadt studiert, erzählt Hilscher. „Das hat mich schon als Kind interessiert.“

Mehr als drei Jahrzehnte später zählt das Familienunternehmen, in das mittlerweile auch Hans-Jürgen Hilschers Kinder Stefanie und Sebastian eingestiegen sind, zu den führenden Spezialisten in industrieller Kommunikationstechnik.

Die Technologien und Produkte, die Hilscher entwickelt, werden weltweit zur Kommunikation zwischen Automatisierungsgeräten in der Produktion und Steuerungen eingesetzt. Realtime-Ethernet-Systeme, Industrial-Cloud-Lösungen, Gateways für industrielle Protokolle – die Firmenbroschüre ist für Laien kaum verständlich. Fachleute allerdings wissen das Know-how der Hattersheimer zu schätzen. Große Hersteller kooperieren ebenso mit dem Familienunternehmen wie Ingenieurbüros und Systemintegratoren. 

Weit über 200 Mitarbeiter beschäftigt Hilscher am Firmensitz in Okriftel und ist zudem in weiteren acht Ländern, vertreten, darunter in den USA, in Indien, China, Japan und Korea. Die gesamte Gruppe vermeldete 2017 einen Rekordumsatz von fast 45 Millionen Euro. Was die Produkte von Hilscher so einzigartig macht, dass auch Global Player wie SAP, IBM und Microsoft Partner des Hattersheimer Unternehmens sind, versucht Hans-Jürgen Hilscher dem Wirtschaftsminister bei einem Rundgang durch die Produktionsräume zu erläutern.

Auf mehreren Monitoren kann man dort beobachten, wie die teuren Spezialmaschinen winzig kleine Bauteile auf die Leiterplatten setzen, von denen Hilscher pro Jahr 150 000 in die ganze Welt verschickt. Entwickelt und produziert werden sie nach den Bedürfnissen der Kunden. Überall steckt ein Hilscher-Multikontroll-Chip drin. Trotz Automation gibt es auch noch eine kleine Abteilung für die manuelle Fertigung, etwa für Reparaturen oder bei Reklamationen. In zwei Schichten wird in den Okrifteler Produktionsräumen gearbeitet. Nachts kommt auch eine Roboterzelle zum Einsatz, die tagsüber als Demoobjekt im Foyer des Firmengebäudes steht. 

Aktuell läuft das Geschäft bei Hilscher ausgesprochen gut. Doch es gab Zeiten, da erlebte auch der Hattersheimer Hightech-Spezialist Umsatzeinbrüche. 2009 sei das der Fall gewesen, erinnert sich Hans-Jürgen Hilscher. Mitarbeiter habe er damals keine entlassen, aber den Bau eines neuen Firmengebäudes gestoppt. Ein Jahr später ging es wieder aufwärts. Darauf hofft Hilscher auch für die kommenden Jahren „Die Industrie steht vor einem Paradigmenwechsel, der sogenannten vierten industriellen Revolution“, sagt der Firmenchef. „Wir waren schon immer Wegbereiter für gravierende Änderungen und wollen mit unseren Technologien auch weiterhin ganz vorne mit dabei sein.“

Die nächste große Investition für Hilscher ist der Bau eines Produktionsgebäudes mit vier Etagen und integriertem Hochregallager, das direkt am Firmensitz in der Okrifteler Rheinstraße entstehen soll. 4,5 Millionen Euro wird der Neubau kosten, zwei Etagen werden zunächst noch leer stehen. Platz für die weitere Expansion ist damit ausreichend vorhanden. 

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