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Sulzbach Gottsuche im Kinosaal

Beim Go-Special-Gottesdienst ist seit 20 Jahren alles anders als in der Kirche. Auch diesmal gibt es wieder einen außergewöhnlichen Gottesdienst. Als prominenter gast kommt der ehemalige Schwimmer Michael Groß.

13.03.2016 19:12
Jöran Haders
Michael Groß und Pfarrer Karsten Böhm im Gespräch. Foto: Monika Müller

Die Sitzreihen des Kinosaals im Kinopolis sind gut gefüllt. Freie Plätze finden sich nur noch dort, wo der Blick nach vorne nicht ganz so gut ist. Doch die Menschen, die am Sonntagvormittag erwartungsvoll in den Kinosesseln sitzen, sind nicht gekommen, um sich den neuesten Blockbuster aus Hollywood anzuschauen. Sie warten auf einen prominenten Gast, der sein Kommen zum Go-Special-Gottesdienst zugesagt hat.

Als der Schwimmer Michael Groß gemeinsam mit Pfarrer Karsten Böhm die kleine Bühne vor der Leinwand betritt, ist dies der Beginn eines ungewöhnlichen Gottesdienstes. Statt einer Predigt gibt es eine lockere Gesprächsrunde mit dem ehemaligen Spitzensportler, der heute als Coach für Führungskräfte arbeitet. Anstelle von Chorälen werden eingängige Lieder gesungen, begleitet von einer Band mit Schlagzeug, Keyboard und Gitarre. Die Besucher können Fragen auf Zettel schreiben, die später an den Gast gestellt werden, oder Gebetsanliegen formulieren.

Medaillen waren nicht das Wichtigste

Anschließend beginnt Michael Groß mit seinem Vortrag, dem er den Titel „Gewinnen ohne siegen!“ gegeben hat. Die Medaillen, erzählt Groß dem Publikum, seien in seinem Leben nicht das Wichtigste gewesen. Im Training, so hat er ausgerechnet, hat er im Laufe seiner Sportlerkarriere ungefähr 38 000 Kilometer schwimmend zurückgelegt. Nur etwas mehr als zwölf Kilometer sei er bei all seinen Wettkämpfen geschwommen.

„An sechs Tagen hatte ich die Chance Olympiasieger zu werden. An drei Tagen ist es mir gelungen.“ Doch auch an allen anderen Tagen habe er es geschafft, sich zum Erreichen seiner Ziele zu motivieren. Und diese Ziele seien nicht immer nur Siege bei Wettkämpfen gewesen.

Insa und Herbert Voigt kommen schon seit Jahren regelmäßig zu den Go-Special-Gottesdiensten. „Die Themen, aber auch die Form gefallen uns“, erklärt Herbert Voigt. „Das ist wirklich schön gemacht und die Stimmung ist immer gut.“ Deshalb geht das Ehepaar lieber ins Kino als in die Kirche zum Gottesdienst.

Für Pfarrer Böhm ist der lockere Kino-Gottesdienst eine echte Erfolgsgeschichte. Weil regelmäßig Fragebögen am die Besucher verteilt werden, weiß er, dass zum „Go-Special“ viele Menschen kommen, die schon lange nicht mehr in der Kirche waren. Für die könne das Erlebnis dann eine Motivation sein, sich wieder in der Gemeinde zu engagieren. „Hier geht es um Themen, die alle interessieren, in einer Sprache, die jeder versteht“, stellt der Pfarrer fest. Zumindest ist offensichtlich, dass die Go-Special-Gottesdienste äußerst beliebt sind. Mindestens 300 Leute kommen in der Regel zu der einmal im Monat stattfindenden Veranstaltung, wenn bekannte Redner wie Michael Groß eingeladen werden, sind es meistens mehr.

Ausgerichtet werden die Go-Special-Gottesdienste seit 20 Jahren von der evangelischen Andreasgemeinde Niederhöchstadt. Und anfangs wurden sie auch noch in Eschborn abgehalten – so lange, bis die dort verfügbaren Räume allesamt zu klein wurden. Fast von Anfang an dabei waren Monika und Willi Bernhardt, die bei der Organisation der Gottesdienste mithelfen. „Dass das so groß werden würde, hätte zuerst niemand gedacht. Aber die Leute lieben es“, sagen die beiden Gemeindemitglieder.

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