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Studie Krank durch Fluglärm

Mediziner erwartet laut einer Studie Kosten von einer Milliarde Euro wegen Gesundheitsschäden, die durch Fluglärm entstehen. Vor allem Anwohner in der unmittelbaren Umgebung wie in Flörsheim sind demnach betroffen.

Über Flörsheim fliegen die Flugzeuge in einer Höhe von wenigen hundert Metern hinweg. Foto: Michael Schick

Ich bin schockiert“, sagt Carola Gottas, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) Flörsheim-Hochheim. „Ich wusste, dass Fluglärm krank macht. Aber dass es so schlimm ist, damit hätte ich nicht gerechnet.“

Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Depressionen und Wahnvorstellunge, Leukämie und Lymphdrüsenkrebs – laut dem Bremer Epidemiologen Eberhard Greiser treten all diese Krankheiten häufiger bei Menschen auf, die unter Fluglärm leiden. Gestern stellte der Fluglärm-Forscher, dessen Studie vor zwei Jahren bundesweit viel Aufsehen erregt hatte, in Flörsheim neueste Auswertungen der Daten vor, die er rund um den Flughafen Köln-Bonn erhoben hat. Gewaltige Steigerungen gebe es unter dem Einfluss von Fluglärm auch bei Demenz, chronischem Nierenversagen und Zuckerkrankheit, sagte Greiser bei der Freitagsdemo an der Kriegergedächtniskapelle in Wicker und prognostizierte für die kommenden zehn Jahre zusätzliche Krankheitskosten rund um den Frankfurter Flughafen in Höhe von einer Milliarde Euro. An Herz- und Kreislaufleiden werden seinen Berechnungen zufolge bis 2021 rund 5000 Menschen zwischen 40 und 65 Jahren erkranken. „Es ist anzunehmen, dass 1700 von ihnen versterben werden.“

Ein bitteres Szenario, das die Demonstranten mit Pfeifkonzerten begleiteten. Mehr als 300 Bürger waren zur Kundgebung gekommen, zu der die Stadt, der Verein für Flörsheim, die BI Flörsheim-Hochheim, Parteien und Kirchengemeinden aufgerufen hatten. Begleitet von rhythmischen Trommelschlägen waren sie vom Parkplatz am Landwehrweg durch die Weinberge marschiert, vorbei an der Wickerer Warte bis zur Wiese an der Kriegergedächtniskapelle. Dort empfing sie ein Kamerateam der ARD. Der Fernsehsender zeichnete ein Gespräch mit Eberhard Greiser auf, die Flörsheimer Fluglärm-Demo war die Kulisse dazu. „Wir stehen hier, weil wir noch nicht am Ende sind“, sagte Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD). Der Kampf für ein richtiges Nachtflugverbot ohne Dauerbeschallung in Nachtrandstunden müsse weitergehen. „Und wir wollen wissen, wo das Ende der Fahnenstange ist. Es darf kein Wachstum ohne Grenzen geben.“

Weiterkämpfen will auch der Verein für Flörsheim – „egal ob die neue Landebahn nun Recht und Gesetz ist oder nicht“, sagte Vereinsvorsitzender Hans-Jakob Gall und forderte, die gesundheitlichen Auswirkungen des Fluglärms über Flörsheim zu untersuchen. „Keine Stadt in Deutschland wird so niedrig überflogen wie wir.“ Das Flörsheimer Stadtparlament wird demnächst eine Resolution verabschieden, in der die Landesregierung aufgefordert wird, ein permanentes Messprogramm zur Feinstaubbelastung zu installieren. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, heißt es in dem Papier, hinter dem alle Fraktionen stehen.

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