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Steinzeit-Funde Kämpfe am Kapellenberg

Mainzer Archäologen haben am Hofheimer Hausberg eine Siedlung aus der Steinzeit entdeckt. Am Dienstag präsentieren sie die Grabungsstelle der Öffentlichkeit. Von Jöran Harders

10.08.2009 00:08
Jöran Harders

Auf den ersten Blick sind es nur kleine Scherben - doch das, was Studenten der Mainzer Universität auf dem Kapellenberg ausgegraben haben, hilft Archäologen, einen aufschlussreichen Blick in die Vergangenheit zu werfen. "Es steht mittlerweile fest, dass die Wallanlage, deren Reste hier noch heute zu sehen sind, nicht aus dem Mittelalter stammt und auch nicht von den Kelten errichtet wurde. Die Funde beweisen vielmehr, dass es hier eine jungsteinzeitliche Siedlung gab", erklärt die Archäologin Nadine Richter, die den Kapellenberg im Rahmen ihrer Doktorarbeit gründlich untersucht und den größten Teil der Wallanlage neu vermessen und kartiert hat.

Bei ihren Grabungen stießen die Mainzer Wissenschaftler auf Reste von Vorratsgefäßen, Bechern, Messerklingen, Beilen und Backtellern, die etwa 6000 Jahre alt sind. Es handelt sich um Zeugnisse der so genannten Michelsberger Kultur, die den Forschern noch einige Rätsel aufgibt.

Denn die Zahl der entsprechenden Fundstellen in Deutschland ist überschaubar. Und die Siedlung auf dem Kapellenberg stellt im Vergleich zu dem, was bisher bekannt ist, eine Ausnahme dar. "Üblicherweise waren die Siedlungen der Michelsberger Kultur um die 20 Hektar groß. Das Gelände, um das es in Hofheim geht, hatte eine Fläche von 46 Hektar", so Nadine Richter. Neben Scherben wurde auf dem Kapellenberg auch ein Haus aus dieser Zeit nachgewiesen. Spuren des Fundaments fanden sich unter einem Grabhügel aus der Zeit der Schnurkeramik (ca. 2800-2200 v. Chr.). Nur sieben solcher Häuser wurden in Deutschland bisher entdeckt. Das zeige, dass der Kapellenberg nicht nur für kurze Zeit besiedelt war.

Außer der Wallanlage selbst, die in mehreren Bauabschnitten erweitert und verstärkt wurde, gibt es noch einen weiteren Hinweis darauf, dass die Siedler auf dem Kapellenberg sich offensichtlich immer wieder gegen Angreifer zur Wehr setzten mussten. Zur Ausbeute der Archäologen gehört auch "eine auffallend große Zahl von Pfeilspitzen", wie Nadine Richter feststellt.

Die Forscherin kann sich gut vorstellen, dass einige der Hofheimer Funde künftig im Stadtmuseum präsentiert werden. Das wünscht sich auch der Fraktionsvorsitzende der Hofheimer CDU, Michael Henninger: "Die Leute sollen wissen, wie es hier früher ausgesehen haben könnte". Bevor die Grabungsstelle am nördlichen Wall am Donnerstag wieder zugeschüttet wird, kann sie morgen noch einmal besichtigt werden. Beim Tag der offenen Grabung gibt es die Gelegenheit, den Wall im Querschnitt zu betrachten.

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