Lade Inhalte...

Reiterhof bei Kelkheim Feuer zerstört historische Stallungen

Der Großbrand bei Kelkheim hält Einsatzkräfte aus dem ganzen Main-Taunus-Kreis in Atem. Zwei Pferde sterben auf der Flucht vor den Flammen. Die Feuerwehr richtet eine Brandwache auf dem Rettershof ein.

Feuerwehr
Die Feuerwehr löscht Glutnester im denkmalgeschützten Stallgebäude. Foto: Andrea Rost

Der Rettershof ist abgebrannt!“ Diese Nachricht machte in Kelkheim die Runde. Auch auf dem Wochenmarkt in der Stadtmitte gab es kein anderes Thema als den Großbrand auf dem historischen Hofgut zwischen Fischbach und Schneidhain, der am Mittwoch seit kurz nach Mitternacht Einsatzkräfte aus dem ganzen Main-Taunus-Kreis in Atem gehalten hatte.

Komplett abgebrannt ist der Rettershof zwar nicht, aber die denkmalgeschützten Stallungen aus dem frühen 19. Jahrhundert, in denen rund 40 Pferde untergebracht waren, wurden ein Raub der Flammen. Der Dachstuhl ist zerstört, vom Stallgebäude des Gestütes an der Nordfront des vierseitigen Innenhofes stehen nur noch die Außenmauern.

Da das Feuer in einem Heulager unterm Dach ausgebrochen war, werden die Löscharbeiten noch bis zum Donnerstag andauern. „Wir müssen das Heu feuchthalten, damit sich keine Glutnester ausbreiten können“, sagte Feuerwehrsprecher Stefan Kunisch der FR. Teile des Daches seien abgedeckt worden. Möglicherweise müssten auch Mauern abgerissen werde. Das betreffe auch die Reithalle hinter den Stallungen, die durch Funkenflug ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Alarmiert wurden die Feuerwehren aus Kelkheim und sechs anderen Main-Taunus-Kommunen am Mittwochmorgen gegen 1.25 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt stand der Dachstuhl der historischen Pferdeställe lichterloh in Flammen. Melanie Keppler, die direkt am Rettershof wohnt, berichtet von Dutzenden Pferden, die an ihrem Haus in Panik vorbeigaloppierten. Gleichzeitig seien die Einsatzkräfte eingetroffen: Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Polizei, Tierrettung, Malteser Hilfsdienst. „Es war ein Riesenaufruhr“, erzählt die 60-Jährige der FR.

Die Pferde, die Mitarbeiter des Gestütes aus dem brennenden Stall befreit hatten, stoben in alle Himmelsrichtungen auseinander, rannten bis nach Fischbach, Ruppertshain und Königstein. Eines wurde später sogar auf der Billtalhöhe gefunden. Bis zum Morgen blieben die Bundesstraße 455 zwischen Fischbach und Schneidhain sowie die Landesstraßen 3369 und 3016 für den Verkehr gesperrt; dann waren alle Tiere wieder eingefangen.

Zwei Pferde starben, weil sie mit einem Feuerwehrauto kollidierten, mehrere verletzten sich auf der Flucht schwer und wurden in eine Tierklinik gebracht. Zwei Mitarbeiter des Gestütes erlitten leichte Rauchgasvergiftungen. Kinder, die auf dem Heuboden übernachtet hatten, konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Das Wohnhaus des Rettershofes wurde evakuiert, die Bewohner kamen im nahegelegenen Schlosshotel unter.

Ein Polizeihubschrauber kreiste während der Löscharbeiten über dem Gebiet, „um die Pferde zu finden und um Funkenflug und eine damit verbundene Waldbrandgefahr frühzeitig festzustellen“, erläuterte der Feuerwehrsprecher. Weil die Wasserversorgung auf dem historischen Hofgut nicht ausreichte, legte die Feuerwehr entlang der Bundesstraße eine 2,5 Kilometer lange Schlauchleitung von Fischbach bis zum Rettershof.

Über die Höhe des Schadens, der bei dem Großbrand entstanden ist, konnte am Mittwoch niemand Genaueres sagen. Gutachter werden sich jetzt damit beschäftigen müssen. „Wenn die historischen Stallungen komplett saniert und wieder aufgebaut werden müssen, wird das teuer“, sagte Stadtrat Stefan Thalheimer (Unabhängige Kelkheimer Wählerinitiative) der FR. Im Polizeibericht ist von einer halben Million Euro die Rede.

Der Rettershof, der der Stadt Kelkheim gehört, ist versichert. Er gehe davon aus, dass die Kosten gedeckt seien, sagte Thalheimer. Keine konkreten Angaben machte die Polizei bislang zur Brandursache. Die Kripo Hofheim ermittle, hieß es im Polizeibericht. Hinweise auf eine vorsätzliche oder fahrlässige Brandlegung gebe es nicht.

Veranstaltungen im Zuge des Kelkheimer Kultursommers können in der nächsten Zeit nicht auf dem Rettershof stattfinden. Dafür würden andere Spielstätten gesucht, beispielsweise das Schlosshotel, sagte Stadtrat Thalheimer der FR.

Das Rheingau-Musikfestival, das am 13. und 14. Juli mit den beiden Ensembles „Zucchini Sistaz“ und „Wildes Holz“ im Innenhof des Rettershofs gastieren sollte, hat die beiden Konzertveranstaltungen bereits in die Hofheimer Stadthalle verlegt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen