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Porträt Manfred Guder Kunst ohne Anklage

Für den Umweltschutz geht BUND-Chef Manfred Guder regelmäßig in den politischen Clinch. Als Maler hingegen bevorzugt er das Idyllische. Von Kerstin Prosch

Manfred Guder mit einem seiner Landschaftsbilder. Foto: FR/Schick

Manfred Guder ist vielen ein rotes Tuch. Wann immer wertvolle Natur zerstört werden soll, ist der gebürtige Kelkheimer zur Stelle: Er kritisiert geplante Wohngebiete oder Straßen in seiner Heimatstadt und im Umkreis. Guder ist aber nicht nur engagierter Umwelt- und Naturschützer, sondern auch leidenschaftlicher Maler. Momentan stellt er Werke aus den vergangenen 50 Jahren seiner Schaffensperiode in der Alten Kirche Hornau und im Gesundheitszentrum Kelkheim aus.

Wer glaubt, Guder warnt in seinen Bildern vor Umweltzerstörung, irrt gewaltig. Keine hässlichen Wohnsiedlungen, keine stinkenden Autokarawanen, keine Bagger, keine Kräne. Dafür herrliche Flecken unberührter Natur, idyllische Landschaften aus der Region, teils ohne, teils mit Häusern, die lauschig ins Grün eingebettet sind.

"Ich will mit meiner Kunst nicht anklagen", sagt Guder. "Die Bilder sollen dem Betrachter Freude machen." Dort, wo Spaziergänger oder Wanderer kurz verweilen und von der malerischen Umgebung begeistert sind, fühlt sich der Kelkheimer als Künstler zu Hause. Schließlich müsse ja irgendwer malen, was andere für malerisch halten.

Guder will auch zeigen, was dem Spaziergänger an Schönheit verborgen bleibt. Da kann es schon mal passieren, dass er eine Leiter in sein Auto packt und damit nach Eppstein fährt, um zu erfahren, was sich hinter höhen Büschen und Bäumen verbirgt.

Versteht sich, dass diese künstlerische Neugierde anderen befremdlich ist. Ein Eppsteiner meinte sogar, Guder sei ein Einbrecher auf Erkundungstour. Guder ist zu allen Jahreszeiten unterwegs. "Aber nur bei gutem Wetter." Doch nicht nur deshalb, ist auf allen seinen Bildern der Himmel blau oder hübsch verfärbt. "Ich mag kein Regen und Trübsal malen."

Früher Fan der Expressionisten

In der Alten Kirche in Hornau gibt es somit fast einen ganzen Raum Idylle. Aus dem Rahmen fallen lediglich einige wenige Arbeiten, vor allem aus den Anfängen. Damals war der Kelkheimer ein Fan der Expressionisten und eiferte ihnen nach. Auch dem Porträt hatte sich Guder verschrieben. Viele Malerkollegen sind von diesen Arbeiten beeindruckt und können gar nicht verstehen, warum sich der 70-Jährige heute dem Naturalismus verschworen hat, der ohnehin als out gilt.

Doch Landschaften oder Naturdetails realistisch darzustellen, ist das, was Guder liebt. Darüber hinaus malt er unter anderem Industrielandschaften. Hebt Guder hier warnend den Finger? Nein, auch die Industrie kommt idyllisch daher. Er würde selbst Biblis nicht bewusst als Bedrohung darstellen. "Obwohl ich da schon mit einem Protestplakat drum herum gelaufen bin", erzählt er.

Guders Ausstellung in der Alten Kirche Hornau (Rotlintallee) ist noch bis zum 13. Juni zu sehen. Geöffnet ist mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Die Ausstellung im Gesundheitszentrum (Frankenallee 1) mit Landschaftsbildern läuft noch länger. Zu sehen sind die Werke montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr.

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