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Porträt Heidi Rosenstock Kirche ehrt wachen Geist

Heidi Rodenstock erhält für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement die Martin-Niemöller-Medaille. Die 77-Jährige hat an ihrer Kirche aber auch einiges zu bemängeln. Von Kerstin Prosch

Heidi Rosenstock wird von der evangelischen Kirche ausgezeichnet. Foto: FR/

Ehrungen sind Momente des Lobes, der positiven Erinnerung und des Dankes. Für Heidi Rosenstock aus Schwalbach gilt das allerdings nur bedingt. Sie erhielt von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau mit der Martin Niemöller-Medaille die höchste Auszeichnung. Das nahm sie zum Anlass, auch an Niederlagen zu erinnern und darauf hinzuweisen, wie viel noch zu tun ist. "Die Gleichwertigkeit des Menschen vor Gott wird in vielen Gemeinden nicht so gelebt und verstanden", findet die 77-Jährige.

Natürlich habe sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges verbessert, was auch ihrem langjährigen Engagement als ehrenamtliche Organisationsberaterin zu verdanken war. Aber laut Rosenstock sitzen in einigen Kirchenvorständen weiterhin Frauen, die ihren Selbstwert nicht erkennen oder sich selbst ganz bewusst zurücknehmen. Das müsse sich ändern, ebenso wie die kirchliche Sprache. "Die muss gerechter werden und darf die Frauen nicht ausschließen", erklärt sie. Deshalb habe sie auch gemeinsam mit Pfarrerin Hanne Köhler aus Flörsheim das Buch "Du Gott, Freundin der Menschen", geschrieben. Es erschien 1991 und umfasst Texte und Lieder für Andachten in gerechterer Sprache.

Rosenstock wirkte außerdem im Beirat zur Förderung, Unterstützung und Begleitung des Projektes "Bibel in gerechter Sprache" mit. Ziel des Projektes war eine neue Übersetzung der Bibel, die 2006 veröffentlicht wurde. Damit seien erste wichtige Schritte getan, denen nun jedoch unbedingt weitere folgen müssten.

Bildung als Herzensanliegen

Ein Herzensanliegen ist der 77-Jährigen darüber hinaus die verstärkte Theologiebildung der Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden. Hier sieht sie die Pfarrer in der Pflicht. Momentan sei erschreckend, wie wenig theologisches Wissen etwa die Mitglieder von Kirchenvorständen haben. Viele würden die eigene Religiosität an vorgesagten Glaubenssätzen festmachen. Doch diese verstellen ebenso wie Belehrungen "den lebendigen Zugang zu Gott", meint Rosenstock, die überrascht war, die Auszeichnung zu erhalten. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau würdigt damit ehrenamtlich Aktive, die sich auf gesamtkirchlicher Ebene überdurchschnittlich engagieren.

Die Medaille ist erst 18 Mal vergeben worden. Diesmal ging sie nach Ansicht der Kirchenleitung an eine Frau, die maßgeblich an der Profilierung der Feministischen Theologie beteiligt war. Unter anderem setzte sie sich für die Errichtung von Projektstellen ein, die eine Promotion oder Habilitation zu den Themen Feministischer Theologie ermöglichen. Als Synodale und Mitglied der Kirchenleitung war sie an vielen Entscheidungen beteiligt. Auch verfasste sie rund 140 Rundfunkan-dachten, in die ihre eigenen Erfahrungen als Frau, Mutter und Großmutter einflossen. In den Beiträgen wurde zudem deutlich, dass Rosenstock sich nie mit vorgesagten Glaubenssätzen zufrieden gab.

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