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Mit dem Rad durch China Zu zweit durch Höhen und Tiefen

Ein Paar aus Kelkheim filmt seine Reise mit dem Rad nach China und lernt sich dabei richtig kennen.

22.01.2013 22:21
Geschafft: Lorena Bardenheier und Timm Wagenknecht aus Kelkheim am Ziel – Guilin in China. Foto: privat

Mit dem Fahrrad von Kelkheim nach China: Timm Wagenknecht (28) und Lorena Bardenheier (27) aus Kelkheim haben es wirklich gemacht.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen diese Reise zumachen? Gab es einen bestimmten Augenblick?

Wagenknecht: Die Idee ist zum Ende des Studiums entstanden. Bevor es in den Arbeitsalltag geht und man sich an Dinge wie Job, Haus oder Familie bindet, wollten wir die Gelegenheit nutzen. Anfangs wollten wir mit dem Auto reisen. Dann gingen wir zufällig zu einem Vortrag über eine siebenjährige Fahrradreise, um uns inspirieren zu lassen. Das Pärchen konnte uns davon überzeugen , dass man auf einer Reise mit dem Fahrrad in engeren Kontakt zu Ländern und Menschen bekommt. Den einen Augenblick gab es nicht. Es sind eher viele kleine Momente, bis man sich schließlich entscheidet, es tatsächlich zu machen. Vielleicht war es der Moment, in dem wir losfuhren, wo uns unser Vorhaben wirklich bewusst wurde.

Warum eigentlich China?

Bardenheier: Es gibt einige berühmte Reiserouten, die über den Landweg bestritten werden können. Wie die Panamerika oder eben die Seidenstraße. Uns reizte der Gedanke, von zu Hause aus so weit wie möglich nur über den Landweg mit dem Fahrrad zu kommen. Und die Route bietet eine Vielfalt an Kulturen und Landschaft.

Wie lange hat die Planung gedauert?

Wagenknecht: Die Idee entstand etwa zwei Jahre vor Reiseantritt. Die tatsächliche Planung dauerte ein Jahr, in dem wir aber nebenher auch viel arbeiteten.

Wie sind Sie an das Equipment gekommen?

Wagenknecht: Das war der Hauptteil unserer Planung. Wir investierten viel Zeit, eine Webseite zu gestalten und Sponsoren zu gewinnen. So sind wir beispielsweise nach Friedrichshafen auf die Messe Eurobike gefahren, um uns dort über Fahrräder zu informieren und persönlichen Kontakt zu den Unternehmen herzustellen.

Welche Bedenken und Sorgen hatten Sie?

Bardenheier: Leider oder Gott sei Dank ist nicht alles planbar. Das macht ja auch das Abenteuer aus. Dass es Höhen und Tiefen auf so einer Reise gibt, war uns bewusst. Sowohl zwischenmenschlich, als auch gesundheitlich. Mal gute, mal schlechte Stimmung, wechselndes Wetter, hilfsbereite und weniger hilfsbereite bis unfreundliche Menschen, gute Straßen und holperige Schotterpisten. Unsere größte Sorge war wohl, ob wir mit diesen überbepackten, kaum lenkbaren Rädern jemals am Ziel ankommen!

Hat Sie diese Reise verändert?

Bardenheier: Wir haben uns gegenseitig von unserer ungeschminkten Seite kennengelernt. Unsere Beziehung wurde das ein oder andere Mal auf die Probe gestellt. Es gab einige Momente, in denen wir daran gezweifelt haben. Man ist müde, hungrig, genervt und verbringt 24 Stunden, sieben Tage die Woche zusammen. Da schreit man sich auch mal an oder redet kein Wort mehr miteinander. Ich glaube, wir kannten die Facetten des Anderen schon vorher. Aber auf der Reise wird man damit noch stärker konfrontiert, da man sich nicht aus dem Weg gehen kann! Letztendlich teilt man aber eine Menge toller Erlebnisse. Und beides, die Höhen und die Tiefen, schweißen zusammen. Wie oder ob uns die Reise tatsächlich verändert hat, wird sich erst jetzt, im Alltag herausstellen. Aber sicherlich haben wir gelernt, auf Menschen zuzugehen, mit wenig auszukommen, und auch der Blick auf unsere Konsumgesellschaft hierhat sich geändert.

Was nehmen Sie mit?

Wagenknecht: Eine Riesenmenge an Bildern, Erlebnissen, Erfahrungen, Begegnungen die in unserem Kopf herumschwirren und erst einmal verarbeitet werden müssen.

Würden Sie es wieder tun?

Bardenheier: Auf die Frage, ob wir so eine Reise empfehlen können: Ja! Auf die Frage, ob WIR so eine Reise noch einmal machen werden: Nein. Auch wenn uns diese Art zu reisen sehr gefallen hat, war es eine einmalige Erfahrung. Vieles würden wir wohl genauso wieder machen, ein paar Dinge nicht. So hat uns manchmal das Hintergrundwissen zu den Regionen, durch die wir gefahren sind, gefehlt und auch die Sprachbarriere war uns oft ein Hindernis. Gerne hätten wir mehr von den Menschen erfahren, die uns begegnet sind, als es die Körpersprache und ein Grundvokabular zulassen. Auch der Zeit-Druck, in China anzukommen, war manchmal störend. Gerne hätten wir an einigen Orten mehr Zeit verbracht. Das schöne am Fahrradreisen ist, dass man an Orte kommt, die man als Rucksackreisender oder Pauschaltourist wahrscheinlich niemals sehen würde. Auch die bepackten Räder an sich wecken immer wieder das Interesse bei den Leuten und machen es einem einfacher mit diesen in Kontakt zu kommen.

Was haben Sie am meisten vermisst? Worauf haben Sie sich gefreut?

Bardenheier: Auf unser Zuhause, und nicht mehr ständig rastlos zu sein und nach einem Schlafplatz suchen zu müssen, Sachen zu packen. Ein sauberes Bett, fließendes, sauberes Wasser, eine Waschmaschine, Essen. Ach ja, natürlich unsere Familie und Freunde und auf Privatsphäre.

Von welchem heimischen Essen haben Sie am meisten geträumt?

Wagenknecht: Schnitzel? Kroketten? All das, was es auf der Reise nicht gab: Mamas Küche!

Das Interview führte Christina Franzisket

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