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Main-Taunus Künstler mit Goldhelm

Dimitri Vojnov, einer der bekanntesten Künstler im Rhein-Main-Gebiet, zeigt im Hofheimer Kreishaus die Ausstellung „An meine Lehrer“.

Einer seiner Lehrer: der Künstler Dimitri Vojnov vor seiner „Hommage an Holbein“. Foto: Michael Schick

Unbegabte brauchen nur vier Wochen, dann können sie alles. Gute Künstler lernen ihr ganzes Leben“, sagt Dimitri Vojnov. Keine Frage, dass er selbst sich zu den letzteren zählt.

Da genügt schon ein Blick auf seine „Hommage an Rembrandt“, einer Variation vom berühmten „Mann mit dem Goldhelm“ – mit Zigarre und den Gesichtszügen von Vojnov selbst. Aber auch mit neckischem Augenaufschlag.

Denn bei Dimitri Vojnov weiß man nie genau, ob er gerade ernst meint, was er sagt, oder sich ein ironisches Späßchen erlaubt. „Kunst ist ein wundervolles kreatives Spiel“, beschreibt der 65-Jährige seinen Ansatz. Der hat ihn zu einem der bekanntesten Künstler im Rhein-Main-Gebiet gemacht – ihm aber auch schon einigen Ärger beschert.

Nackter Wowereit mit Piercing

Unvergessen ist der Eklat um sein Bild „Paris Bar“. Es war 2002 Teil einer hochoffiziellen Ausstellung Vojnovs im bulgarischen Kulturinstitut in Berlin. Zur Vernissage hatte sich sogar der bulgarische Präsident angesagt. Doch dann entdeckte die „Bild“-Zeitung eine gepiercte Brustwarze an einem nackten Klaus Wowereit und schrieb das zum Skandal hoch. Die Ausstellung platzte, Vojnov hatte seine 15 Minuten Berühmtheit und das bulgarische Kulturinstitut den Schaden.

„Viel Quatsch, wenig Resultat“, sagt er heute über diese Episode. Neue Kunden habe sie ihm nicht beschert. Das Bild allerdings hat er als Erinnerungsstück behalten. „Und das wird auch nicht verkauft.“

Mit deutlich weniger Aufregung als in Berlin ist jetzt seine aktuelle Ausstellung im Hofheimer Kreishaus gestartet. „An meine Lehrer“ heißt sie. Gemeint sind damit nicht die Dozenten an der Akademie der schönen Künste in Sofia, wo Vojnov von 1967 bis 1972 studiert hat, sondern einige der großen Meister der Kunstgeschichte – von Dürer über Picasso bis Warhol.

Die sind denn auch alle im Foyer vor dem Kreishaus-Plenarsaal versammelt. So hat für den Besucher der Schau schon allein das Erraten der Namen seinen Reiz. Für den eigentlichen künstlerischen Genuss sorgen neben Vojnovs handwerklichem Geschick zahlreiche Anspielungen und Verfremdungen. So lässt Van Gogh sein abgeschnittenes Ohr an einer Kette um den Hals baumeln, Monet geht in einem Teich voller Seerosen baden, und das Antlitz der Mona Lisa wird von einem Schleier verdeckt. Das ist laut Vojnov jedoch kein Beitrag zur Islam-Debatte. Stattdessen verknüpfe er in diesem Bild seine Verehrung für Leonardo da Vinci und seinen verstorbenen Landsmann Christo.

Mit allen seinen Lehrern halte er immer noch regelmäßigen Kontakt, behauptet Vojnov – etwa beim Meditieren in seinem Atelier auf dem „Zauberberg“ in Kelkheim-Ruppertshain. Und was raten sie ihm? „Beuys sagt immer: Mach andere Dinge als ich. Und Dali meckert: Du bist einfach nicht verrückt genug.“

Die Ausstellung „An meine Lehrer“ ist noch bis 3. November im Kreishaus zu sehen. Weitere Informationen zum Künstler: www.vojnov.de

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