Lade Inhalte...

Main-Taunus/Frankfurt Fischsterben im Liederbach

Der Wassermangel in den Taunusbächen gefährdet zunehmend die Fischbestände. Schuld daran ist nicht allein die Hitze, sagen Experten. Von Claudia Horkheimer

07.08.2009 00:08
Claudia Horkheimer
Tote Saiblinge - Fische dieser Art starben am Wochenende reihenweise im Liederbach. Foto: ddp

Nur noch ein schmales Rinnsal fließt durch das Bett des Westerbachs in Eschborn. Vom üblicherweise üppig durch die Altstadt plätschernden Nass sind zu drei Viertel versiegt. Mit Algen bewucherte Steine trocknen in der Sonne vor sich hin. Der Westerbach und seit dieser Woche auch der Liederbach führen zu wenig Wasser.

Im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach kam es am vergangenen Wochenende deshalb sogar zu einem massivem Fischesterben. "Wir wurden von der Feuerwehr informiert, dass der Liederbach an manchen Stellen wenig oder gar kein Wasser mehr führt und deswegen viele Fische nicht mehr ausreichend versorgt wurden", sagt die Leiterin der Unteren Wasserbehörde Frankfurt, Jutta Biermann. Zwar handle es sich um eine "natürliche Situation", dass die Taunus-Bäche in den Sommermonaten wenig Wasser führten. Allerdings sei ungewöhnlich, dass es so viele Fische erwischt habe. Laut Medienberichten handelt es sich um bis zu 40 Zentimeter große Saiblinge. Sie hatten offenbar keine Rückzugsmöglichkeiten in tiefere Gewässer, vermutet Jutta Biermann. Die Feuerwehr habe sich bemüht, etliche der überlebenden Fische in für sie angenehmere Gefilde zu bringen.

Auch wenn es im Main-Taunus-Kreis laut Behördenangaben bislang zu keinem ähnlichen Vorfall kam, hat die Untere Wasserbehörde des Kreises der Bevölkerung untersagt, aus beiden Bächen Wasser zu entnehmen. Das ökologische Gleichgewicht der Gewässer sei gefährdet, sagt Umweltdezernent Hans-Jürgen Hielscher (FDP) mit und schließt weitere Entnahmeverbote nicht aus. Auch im Hochtaunuskreis ist das Problem der niedrigen Wasserstände bekannt. Allerdings seien dort derzeit alle Gewässer in Ordnung, teilt Sprecherin Simone Klamt mit. Auch ihr Appell: Kein Wasser zum Gießen entnehmen.

Warum es im Taunus immer wieder zu bedrohlich niedrigen Wasserpegeln kommt, ist ein Rätsel. Es sei unerklärlich, denn es regne ja genügend, sagt der Leiter der Unteren Wasserbehörde des Main-Taunus-Kreises, Norbert Blei. Neben dem Wassermangel macht den Fischen vor allem zu schaffen, dass sie zu wenig Sauerstoff bekommen. Die Feuerwehr pumpte deshalb vor einigen Wochen bei Eschborn Wasser in den Westerbach.

Umweltdezernent Hielscher fordert die Kommunen auf, die Wasser-Rahmenrichtlinien der EU weiter umzusetzen. Danach müssen bis 2015 Oberflächengewässer und Grundwasser in einen guten Zustand versetzt werden. Dazu sind zahlreiche Renaturierungsmaßnahmen nötig. Ein Beispiel ist die Entfernung von "Wanderhindernissen" für die jüngst im Schwarzbach freigelassenen 15000 Lachse.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen