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Main-Taunus Farbe führt die Polizei

Hat sich ein Amokläufer in einer Schule verschanzt, ist es für die Polizisten schwer sich in dem fremden Gebäude zu orientieren. Ein Farbleitsystem soll nun in den Main-Taunus-Schulen den Weg weisen. Von Andrea Rost

Schnell am Tatort via einheitlicher farblicher Orientierung. Foto: Monika Müller

Ein Amokläufer hat die Schule gestürmt. Schüler und Lehrer stehen unter Schock. Jemand ruft die Polizei. Die Einsatzkräfte sind schnell vor Ort, doch sie haben ein Problem. "Wo ist Raum E009, in dem sich der Täter verschanzt hat? In welcher Klasse hat er wild um sich geschossen? Und wo sind die schwer verletzten Schüler?"

"Im Ernstfall ist es für die Polizei ausgesprochen schwer, sich in einem Schulgebäude zurechtzufinden", sagt Jürgen Moog, Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus. 75 Schulen gibt es im Kreis, nur wenige sind baugleich. Verwinkelte Flure und unterschiedlich Gebäudekomplexe machen die Orientierung doppelt schwer.

Das soll anders werden. Farbige Piktogramme an Türen und auf dem Boden weisen Polizisten, Feuerwehrleuten und Sanitätern künftig in den Main-Taunus-Schulen den Weg. Pilotschule für das von Designer Dejan Pavlovic entwickelte Farbleitsystem ist die Krifteler Weingartenschule. Dort haben in den letzten Tagen 300 Türen außen und innen farbige Aufkleber bekommen. Rechts neben dem Haupteingang sind alle Türen rot, links gelb, gegenüber ist die blaue Zone. Die Raumnummer ist auf den Aufklebern zu lesen und ein Symbol, das die Funktion andeutet: Ein PC für den Computerraum, Bücher für die Bibliothek.

Vorbild in Erfurt

Das Farbleitsystem sei standardisiert, schrittweise solle es in allen Schulen des Kreises eingeführt werden, sagt Landrat Berthold Gall (CDU). Zwischen 5000 und 20.000 Euro pro Schule will der Kreis dafür ausgeben. Vorbild ist das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Nach dem Amoklauf im Jahr 2002 wurden dort die Klassenräume in unterschiedlichen Farben gestrichen. "Diesen Aufwand wollten wir nicht treiben. Wir haben mit den Aufklebern an Türen und Fußboden eine effiziente und wesentlich preiswertere Lösung gefunden", sagt Gall.

Ausgedacht hat sich das Farbleitsystem der Arbeitskreis Sicherheit an Schulen des Main-Taunus-Präventionsrates, in dem seit Juni Vertreter von Schulen, und Polizei zusammenarbeiten. Dass es gestern der Öffentlichkeit vorgestellt wurde habe nichts mit dem Amoklauf in Bayern zu tun, sagt Moog. Die Orientierungshilfe für die Einsatzkräfte sei auch nur ein erster Schritt. Denn der Präventionsrat möchte Gewalt an Schulen grundsätzlich vorbeugen.

Jürgen Moog schwebt vor, dass künftig in einer kritischen Situation nur noch ein Zugang zum Schulgebäude offen steht; der Eingang sollte überwacht und durch eine Gegensprechanlage gesichert sein. So genannte "Brisanzräume" wie Lehrerzimmer oder Chemie-, Physik- und Biologiesaal sollten von innen, nicht aber von außen für jedermann zu öffnen sein. Außerdem soll in diesen Räumen ein Telefon installiert werden, mit dem jederzeit schnell Hilfe herbeigerufen werden kann.

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