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Main-Tanus/Hochtaunus Caritas streicht Geld für Wohnhilfe

Die Ökumenische Wohnhilfe hilft im Main-Taunus- und Hochtaunuskreis Menschen in Wohnungsnot. Doch nun muss der Verein seine Beratung aufgeben. Der Caritas-Verband kündigt die Zusammenarbeit mit ihm auf.

Caritas im Main-Taunus- und Hochtaunuskreis
Marcus Krüger muss Ende März 2019 gehen. Foto: Ökumenische Wohnhilfe im Taunus e.V.

Seit 1991 kümmert sich die Ökumenische Wohnhilfe im Taunus um Menschen in Wohnungsnot – um Obdachlose, Sozialhilfeempfänger, Geringverdiener und Flüchtlinge. Zum Jahresende wird der gemeinnützige Verein seine Beratungstätigkeit aufgeben und kann womöglich auch die von ihm untervermieteten Wohnungen nicht mehr verwalten. Denn der Caritas-Verband Main-Taunus hat unter seinem neuen Geschäftsführer Torsten Gunnemann die Zusammenarbeit mit der Wohnhilfe aufgekündigt. Der jährliche Zuschuss in Höhe von 15 000 Euro wird gestrichen, die Stelle des langjährigen Wohnhilfe-Geschäftsführers Marcus Krüger nicht mehr mitfinanziert. 

„Wir sind in einer Existenzkrise“, sagte Vereinsvorsitzender Günter Adam gestern vor Journalisten. Rund 50 000 Euro fehlten durch den Rückzug der Caritas pro Jahr. Dies sei umso schmerzhafter als auch der Zuschuss des Main-Taunus-Kreises pro vermittelter Wohnung seit 20 Jahren unverändert bei 1500 Euro liege. Der Hochtaunus-Kreis leiste wegen der angespannten Haushaltslage überhaupt keinen finanziellen Beitrag. Die Zuschüsse, die die Städte und Gemeinden des Main-Taunus-Kreises an die Wohnhilfe zahlen, stagnierten bei knapp 20 000 Euro im Jahr. 

Einer Wohnungsvermittlerin hat der Verein bereits zum Ende des Monats betriebsbedingt gekündigt. Marcus Krüger kann als Geschäftsführer nur noch bis Ende März 2019 beschäftigt werden. Wie es danach für die Wohnhilfe weitergeht, ist unklar. 

Monatelang habe man versucht, zusammen mit dem Vorstand des Caritasverbands eine Lösung zu finden, sogar ein Mediator sei eingeschaltet worden. Alle Vermittlungsversuche seien jedoch gescheitert, berichtete Adam. Dabei sei die Arbeit der Wohnhilfe im vergangenen Jahr besonders erfolgreich gelaufen. 51 Personen seien in 26 Wohnungen vermittelt worden. Über all die Jahre hinweg hätten fast 1500 Menschen durch die Vermittlung der Ökumenischen Wohnhilfe ein neues Zuhause gefunden. 

Über die Gründe für den Rückzug der Caritas können Günter Adam und der frühere Caritas-Geschäftsführer Ottmar Vorländer, der sich ebenfalls seit Gründung der Wohnhilfe im Verein engagiert, nur spekulieren. Davon, dass Torsten Gunnemann Probleme mit der politischen Ausrichtung des Vereins habe, war gestern im Pressegespräch die Rede und dass dem neuen Caritas-Geschäftsführer die „Lobbyarbeit für Einkommensschwache“ nicht gefalle. Dass der Verein Kritik am Main-Taunus-Kreis im Zusammenhang mit der Unterbringung anerkannter Flüchtlinge geübt habe, sei womöglich auch nicht gut angekommen. 

Torsten Gunnemann wollte sich gestern nicht zu Details äußern, sprach gegenüber der FR von „unterschiedlichen Meinungen zu Formen und Möglichkeiten der Kooperation“ und von Personalfragen, die er nicht kommentieren wolle. Am Ende sei entschieden worden, die Kooperation mit der Wohnhilfe nicht fortzusetzen. „Es war ein Vorstandsbeschluss, ich habe das nicht im Alleingang entschieden.“

Das Thema Wohnungsnot sei zentral im Main-Taunus-Kreis, betonte Gunnemann. Deshalb unterstütze der Kreisverband nicht nur die Jahreskampagne der Caritas mit dem Titel „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“, sondern wolle „im Interesse der Menschen“ Beratung bei der Wohnungssuche anbieten – etwa in der Obdachlosenunterkunft Haus-Sankt-Martin in Hattersheim, im Sozialbüro in Hofheim oder der Schwangerenberatungsstelle.

Kirchengemeinden, die an die Wohnhilfe vermietet haben, bot er ebenfalls Unterstützung an. 
Inwiefern die Ökumenische Wohnhilfe die 72 Wohnungen, die sie besitzt beziehungsweise angemietet hat, weiterhin selbst verwalten kann, müsse geprüft werden, sagte Günter Adam. Auf rein ehrenamtlicher Basis sei dies nicht möglich. Der gemeinnützige Verein sucht deshalb zahlungskräftige Spender und hofft außerdem auf großzügigere Zuschüsse aus den Kommunen.

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