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Kriftel Digitaler Selfmade-Schriftsteller

Der Krifteler Klaus Seibel hat sich als Krimi- und Thrillerautor durchgesetzt - ganz ohne Verlag. Er profitiert vom Durchbruch der elektronischen Bücher.

08.11.2012 11:00
Oliver Heil
Klaus Seibel mit seinen Werken, die als E-Books und als Taschenbücher zu haben sind. Foto: Michael Schick

Die Verlage wollten ihn nicht, aber die Leser finden ihn super. So kurz lässt sich die Geschichte von Schriftsteller Klaus Seibel zusammenfassen. Der 53-Jährige frühere Pastor und heutige IT-Berater aus Kriftel hat sich in wenigen Jahren vom abgelehnten Hobby-Schreiber zum gefragten Autor von Regionalkrimis und Wissenschafts-Thrillern entwickelt. Er profitiert vom Durchbruch der elektronischen Bücher.

Inzwischen hat sein Erfolg auch die Verlage angelockt. Aber jetzt ist Klaus Seibel auf den Geschmack gekommen. Mit E-Books, erzählt er, sei der Autor unabhängiger, flexibler und verdiene besser. „Den E-Book gehört sowieso die Zukunft, jedenfalls bei der Unterhaltungsliteratur.“

2008, als Klaus Seibel an seinem ersten Roman schrieb, waren E-Books noch ein Fall für die Zukunftsforscher. Er konnte also nicht wissen, dass die Hürde Verlagssuche für ihn kein Problem sein würde, als während der Arbeit an „Krieg um den Mond“ aus dem begeisterten Leser von intelligent-unterhaltsamen Thrillern der Marke Dan Brown ein Autor wurde.

Es war ein langweiliges Buch zu einem spannenden Thema, das die Initialzündung gab. „Das kann ich besser“, dachte Seibel und nahm sich vor, aus einem langweiligen Thema ein spannendes Buch zu machen. Darum beginnt „Krieg um den Mond“ mit einer Schraube – und landet im Laufe einer rasanten Handlung auf dem Marsmond Phobos, um den zwischen den Großmächten der Erde ein Streit entbrennt. Mittendrin eine junge Frau aus Hofheim, die in Darmstadt am Raumfahrtzentrum arbeitet.

Spitzenplatz bei Amazon

Auch sein zweiter Krimi, der nächstes Jahr erscheint, spielt im Rhein-Main-Gebiet. Dass sich regionale Bezüge positiv auf den Verkauf auswirken, hat Seibel begriffen. Beigebracht hat es ihm niemand. Was er über spannende Bücher weiß, hat er selbst herausgefunden. Als er für „Krieg um den Mond“ auch nach langer Suche und vielen frustrierenden Erlebnissen keinen Verlag fand, nahm er die Dinge selbst in die Hand. Auf einer eigenen Homepage und in Kooperation mit großen Online-Vertreibern verkauft er seine Bücher. Mehrere tausend Exemplare hat er an die Leser gebracht, fast alle digital, ein paar nach dem Prinzip print-on-demand, also gedruckt aber ohne Verlagsbindung.

Bei Amazon belegt er Spitzenplätze in den E-Book-Kategorien „Science Fiction“ und „Krimi“. Und das, obwohl er sich an einige Spielregeln der Branche partout nicht halten will. In seinem Krimi-Erstling „Zehntausend Augen“ fließt kein Blut. „Mir hat mal ein Agent gesagt, wenn ich nicht mindestens einen Serienkiller habe, könnte ich es vergessen“, erzählt Seibel und lehnt sich genüsslich im Stuhl zurück, weil er das Gegenteil bewiesen hat. Ein weiterer vorgeblicher Kardinalfehler: Seibel bleibt nicht an Themen und Charakteren dran, schreibt mal einen Berlin-Krimi, lässt danach seine Kommissarin links liegen und schreibt erstmal einen Wissenschaftsthriller, um wieder zum Krimi zurückzukehren, aber mit neuen Ermittlern.

Tsunami auf dem Genfer See

Und genau so will er das. „Ich könnte nicht den dreizehnten Fall von Kommissar Kluftinger schreiben, wenn ich vorher schon zwölf geschrieben habe“, lästert er. Stattdessen freut er sich, dass er sich gründlich in ein neues Thema einlesen kann. Bei der Entstehung seiner Geschichten fasziniert es ihn, ein Szenario zu entfalten, in dem passiert, was Wissenschaftler für unmöglich halten. Die meisten der für unmöglich gehaltenen Dinge seien inzwischen Geschichte. In seinem soeben erschienen Wissenschaftsthriller „Schwarze Energie“, der am Kernforschungszentrum Cern spielt, kommt es zu einem Tsunami auf dem Genfer See.

Es ist der dritte Roman, den Seibel innerhalb kurzer Zeit herausbringt. Das Pensum sei machbar, sagt Seibel. Auch für einen, der weiter hauptberuflich IT-Berater sein wird. „Ich schreibe jeden Tag eine Seite. Wenn ich mal nichts mache, hole ich das später auf.“ Nur eines bedauert er: „Ich komme kaum noch zum lesen.“

Klaus Seibel liest am Samstag, 10. November, 18 Uhr, auf Einladung der Frauen-Union im Bürgerhaus Kriftel.

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