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Kommentar Bürgermeister Speckhardt Der doppelte Speckhardt

Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) hat als Hüter der Stadtkasse ein goldenes Händchen, als Baudezernent agiert er eher unter dem Motto „Pleiten, Pech und Pannen“.

Wilhelm Speckhardt hat sich als Bürgermeister die beiden wichtigsten Befugnisse gesichert, die eine Kommune zu vergeben hat: Finanzen und Bauen. Das verschafft ihm eine große Machtfülle, bietet aber auch eine erhebliche Angriffsfläche. Zumal Speckhardts Bilanz uneinheitlicher nicht sein könnte: Als Hüter der Stadtkasse hat er ein goldenes Händchen, während auf dem Bausektor eher das Motto „Pleiten, Pech und Pannen“ gilt.

Die Gewerbesteuer sprudelt, Eschborns Geldspeicher ist prall gefüllt. Mehr als 250 Millionen Euro hat die Stadt auf der hohen Kante – mit steigender Tendenz. Dazu trägt allerdings auch das dürftige Ergebnis bei, das Speckhardt als Baudezernent vorzuweisen hat: Wo nichts gebaut wird, fallen auch keine Ausgaben an.

Immer wieder hat er vollmundig Großprojekte präsentiert, die er anschließend kleinlaut wieder einkassieren musste. Erinnert sei nur an den „Sportpark Arboretum“ und den Neubau von Rathaus und Stadthalle. Beide Male machten ihm die Bürger einen Strich durch die Rechnung, im einen Fall die Nachbarn aus Schwalbach, im anderen die Eschborner selbst. Es war Speckhardt nicht gelungen, die Menschen vom Sinn und Zweck seiner Pläne zu überzeugen – trotz eines kostspieligen Kommunikationsberaters und aufwendiger PR-Aktionen.

Speckhardt will Bilanz aufhübschen

Das hält den Bürgermeister jedoch nicht davon ab, in schwindelerregendem Tempo ein weiteres Projekt nach dem anderen aus dem Hut zu ziehen: Sportpark Phoenix, Alte Mühle, gleich zwei Seniorenzentren und nun auch noch den Ausbau des Wiesenbads. Wobei allerdings die Seniorenimmobilie in Niederhöchstadt schon wieder auf der Kippe steht.

Natürlich ist das Verhalten von FDP-Stadtrat Christoph, der wegen seines benachbarten Mietshauses mit Klage droht, fragwürdig. Doch wer hat die schwarz-grüne Mehrheit gezwungen, einen rechtlich derart wackligen Bebauungsplan zu beschließen? Und warum legt die Verwaltung – unterstützt durch die teuren Berater von Ernst & Young – ihn überhaupt vor?

Klar ist: Vor der Bürgermeisterwahl im kommenden Herbst will Wilhelm Speckhardt noch den ein oder anderen Spatenstich feiern, um seine Bilanz aufzuhübschen. Fraglich ist aber, ob die Hyperaktivität, die er derzeit an den Tag legt, hilfreich ist. Das wäre die große Chance für mögliche Gegenkandidaten. Doch da herrscht eher Lethargie: Die SPD sucht noch, und der oft genannte Erste Stadtrat Michael Geiger zaudert. Somit kann Wilhelm Speckhardt darauf hoffen, dass er weitere sechs Jahre Zeit bekommt, seinen Versprechen auch Taten folgen zu lassen.

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