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Kelkheim Philip Marlowe in Kelkheim

Olaf Jahnke hat seinen ersten Krimi veröffentlicht. Obwohl er ausdrücklich keinen Taunus-Krimi in der Nachfolge von Nele Neuhaus schreiben wollte – das Lokalkolorit bleibt nicht völlig auf der Strecke.

Nein, einen Schlüsselroman über die hiesige Kommunalpolitik hat Olaf Jahnke nicht geschrieben. Obwohl es nahe gelegen hätte. Schließlich sitzt der 51-Jährige nicht nur für die UKW im Kelkheimer Stadtparlament, sondern ist auch Kreistagsabgeordneter der Grünen.

Doch die Dimension der kriminellen Aktivitäten, mit denen es sein Ermittler Roland Bernau in seinem Debütroman „Tod eines Revisors“ zu tun hat, gehen über das gewöhnliche Gemauschel in Rat- und Kreishaushinterzimmern hinaus. Passend zum Jubiläum „25 Jahre Mauerfall“ muss sich Bernau mit einem Finanzbetrug befassen, der bis in die Wendezeit der DDR zurückreicht. Und bei seinen Bemühungen, Licht ins Dunkel zu bringen, wird er mit einem Netzwerk aus „großer“ Politik und Wirtschaft konfrontiert.

Das Zusammentreffen von Veröffentlichung und historischem Jubiläum sei aber Zufall, versichert Jahnke. Eigentlich habe das Buch schon deutlich früher herauskommen sollen. „Ich habe einfach sehr lange daran geschrieben.“

Zur Handlung: Der leitende Innenrevisor einer großen deutschen Bank wird in einer privaten Psychiatrie in Königstein tot aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus und verzichtet – auch wegen des notorischen Personalmangels – auf weitere Ermittlungen. Doch die Witwe des Toten findet sich damit nicht ab und engagiert den Privatdetektiv Bernau.

So einiges an Lokalkolorit

Bei dessen Charakterisierung hat Olaf Jahnke sich an den „Hard-Boiled“-Detektivgeschichten eines Dashiell Hammett und Raymond Chandler orientiert. Ganz so „cool“ wie dessen Protagonist Philipp Marlowe sei Bernau zwar nicht. Doch ebenso wie bei Chandler ist die Geschichte in der Ich-Form erzählt, der Leser erlebt das Geschehen aus der Perspektive der Hauptfigur und beim Aufbau des Handlung hat sich der Fernsehjournalist Jahnke an filmischen Verfahren wie Schnitt und Einstellungswechsel orientiert. Wenn es um die Struktur seines Buches geht, spricht er denn auch nicht von Kapiteln, sondern von „Szenen“.

Obwohl er ausdrücklich keinen Taunus-Krimi in der Nachfolge von Nele Neuhaus schreiben wollte – das Lokalkolorit bleibe nicht völlig auf der Strecke, versichert Jahnke. So hat sein Privatdetektiv sein Büro in der Stadtmitte Süd, seine Stammkneipe ist das – inzwischen allerdings geschlossene – „Kleinod“ in der Kelkheimer Hauptstraße und auch Society-Treffs wie das „Lucullus“ in Königstein tauchen in Olaf Jahnkes Krimi auf. Ja, selbst die Frankfurter Rundschau spielt in der Geschichte eine kleine Rolle – wenn auch verfremdet als „Frankfurter Umschau“.

Einen Verlag zu finden sei entgegen ersten Befürchtungen gar kein Problem gewesen, wundert sich der Debüt-Autor selbst. Allerdings verzichtete Jahnke auf den ersten Zuschlag eines Hamburger Verlegers. „Er wollte das Buch düsterer.“ Und ein wenig brutaler. Doch darauf wollte Jahnke sich nicht einlassen. Immerhin ist der Hamburger so fair gewesen, ihn an einen Kollegen in Leipzig zu verweisen und so ist das Buch nun im dortigen FHL-Verlag erschienen, dem gleichen Verlag, der auch die Krimis des Eschborners Olaf Kolbrück („Keine feine Gesellschaft“) herausbringt.

Was die angenehme Begleiterscheinung hat, dass Olaf Jahnke dadurch schon für mehrere Lesungen auf der Leipziger Buchmesse vorgemerkt ist. Die Premiere allerdings feiert der Krimi selbstverständlich in Kelkheim, in der Stadtmitte Süd, nur weniger Meter vom fiktiven Büro seines Detektivs entfernt.

Premierenlesung ist am Freitag, 28. November, um 20 Uhr in der Kelkheimer Buchhandlung Herr, Frankenallee 6. Karten können unter Telefon 06195/902200 reserviert werden.

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