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Kelkheim Neue Brücke, neues Bett

Die Renaturierung des Liederbachs wird ein Jahr dauern. Auch die marode Brücke an der Weberstraße wird dabei erneuert. Für die Renaturierung werden allerdings Baugrundstücke gebraucht, um die nun ein Streit entbrennt.

Marode Brücke über den Liederbach an der Weberstraße. Foto: Weis

Seit einer Woche dürfen keine Autos mehr über die Brücke an der Weberstraße rollen. Grund: Die Stahlträger unter dem Beton sind völlig verrostet. „Zum Teil sind sie schon gar nicht mehr vorhanden“, teilte Gutachter Jörg Hansen von der Ingenieurgesellschaft Cornelius Schwarz Zeitler am Montagabend im Kelkheimer Bauausschuss mit.

Zwar sei vor Kurzem noch ein 40-Tonner auf der Weberstraßen-Brücke gesichtet worden, berichtete der Erste Stadtrat Dirk Westedt (FDP). Doch dessen Fahrer hatte offenbar mehr Glück als Verstand. Denn schon seit mehreren Jahren ist der Bachübergang nur noch für Lasten von 3,5 Tonnen freigegeben.

Demnächst soll nun die Brücke abgerissen und neu errichtet werden. Da trifft es sich gut, dass Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich der Stadt vor Kurzem einen Bewilligungsbescheid des Landes über 2,1 Millionen Euro für die Renaturierung des Liederbachs überreicht hat. Inklusive Brücken. Kelkheim selbst muss lediglich 700.000 Euro beisteuern.

Schöner und ökologischer

Ziel ist mehr Ökologie und eine schönere Optik, vor allem aber ein besserer Hochwasserschutz. Das kurze Stück zwischen Weber- und Mühlstraße sei „die kritischste Stelle“ des Liederbachs im Stadtgebiet, erläuterte Bürgermeister Thomas Horn (CDU). „Wenn diese Engstelle verstopft ist, dann läuft die Suppe durch die ganze Stadt.“ Zuletzt geschah das 1981, auch das Kanalsystem konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen und zahlreiche Keller liefen voll.

Künftig soll der Liederbach auch ein sogenanntes „Jahrhunderthochwasser“ verkraften. Das bedeutet, dass er an dem neuralgischen Punkt rund um die Weberstraße 19,3 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten kann und auf dem benachbarten Vario-Gelände sogar 21,8 Kubikmeter pro Sekunde. Das sei nötig, weil dort der Gimbach zufließe, erklärte Roland Lattisch vom Ingenieurbüro PI-Plus, das die Pläne für die Renaturierung erarbeitet hat.

Dabei geht es um das 400 Meter lange Stück von der Liederbachstraße bis zur Mühlstraße. Das Bachbett soll nach dem Grundstück Liederbachstraße 16 in östliche Richtung verlegt und aus seiner engen Rinne befreit werden. „Der Bachquerschnitt wird sich verdoppeln“, kündigt Horn an. Dazu muss allerdings die Fahrbahn zwischen Weber- und Mühlstraße von 6,60 auf 3,20 Meter verengt werden. Profitieren würden Fußgänger und Radfahrer, verspricht der Bürgermeister. „90 Prozent des Liederbachs auf unserem Stadtgebiet“ seien künftig direkt zugänglich.

Baubeginn ungewiss

Ein Jahr lang werden die Arbeiten dauern, teilte Roland Lattich den rund 40 Zuhörern mit. Allerdings steht noch nicht fest, wann es losgehen kann. Denn noch sei die Stadt nicht im Besitz aller nötigen Grundstücke, räumte Bürgermeister Horn ein. „Gespräche machen ja erst Sinn, seit wir wissen, dass wir das Projekt überhaupt angehen.“

Dass die Liederbach-Renaturierung grundsätzlich eine gute Sache ist, bezweifelt keiner der Kelkheimer Lokalpolitiker. Kritisch sieht die UKW allerdings das Vorhaben der Stadtverwaltung, im Zuge der Renaturierung mehrere Schrebergärten in Bachnähe in Bauland umzuwandeln. Vor allem ein Streifen nördlich der verlängerten Liederbachstraße ist der Wählergemeinschaft ein Dorn im Auge. Außerdem kritisierte Wolfgang Coy (UKW), dass sowohl Bürger als auch Stadtverordnete zu spät über die Pläne der Stadt informiert worden seien. Bürgermeister Horn verwies hingegen auf mehrere Ausschutzsitzungen und Ortstermine, bei denen das Projekt thematisiert worden sei.

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