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Interview zu "Männern in Bewegung" Rituale für Väter

Der Leiter der Evangelischen Familienbildung, Ralf Skähr-Zöller, spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über Männer-Foren und Wildnistage.

16.12.2010 11:23
Ralf Skähr-Zöller Foto: Evangelisches Dekanat

Das Schwerpunktthema der Familienbildung für 2011 heißt „Männer“. Warum?

Ausgangspunkt war die von den Kirchen in Auftrag gegebene Studie „Männer in Bewegung“. Sie zeigt, dass es das traditionelle Familienmodell, bei dem der Mann arbeitet und die Frau zu Hause bleibt, so nicht mehr gibt. Diese Veränderungen werfen bei den Männern viele Fragen auf, hinterlassen oft auch Hilflosigkeit.

Wie unterstützen Sie Männer?

Wir bieten zum Beispiel eine Veranstaltung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Dabei geht es um Fragen wie „Elternzeit für Väter, Karriere ade?“ oder „Krankes Kind, wer bleibt zu Hause?“. Es wird gefragt, wo die eigenen Wünsche der Männer bleiben, zwischen all den Ansprüchen, die Beruf und Familie an sie stellen.

Die Studie zeigt auch, dass die Hausarbeit größtenteils immer noch an den Frauen hängenbleibt. Das Problem, Familie und Beruf zu vereinbaren, ist für Mütter also noch nicht gelöst.

Nein, das ist immer noch ein ständiges Thema für beide Geschlechter. Aber wir wollen es im kommenden Jahr explizit mit Männern diskutieren, weil Mütter schon andere Foren haben, beispielsweise gehören Supervisionsgruppen für Frauen zu unserem Programm.

Sie bieten auch Aktionen für Männer mit ihren Kindern an, Holzworkshop, Wildnistag oder Segelkurs. Brauchen Väter eine Anleitung, um etwas mit ihren Kindern zu unternehmen?

Bei unseren Angeboten geht es besonders um das gemeinsame Erlebnis. Das ist schon etwas anderes als alleine mit dem Kind in den Wald zu ziehen. Im Vordergrund steht der Austausch mit anderen Männern. Bei den Freizeiten sitzen wir oft bis spät nachts zusammen. Wenn die Kinder schon schlafen, unterhalten sich die Väter noch lange und sehr intensiv.

Aber das Leben mit Kindern besteht nicht nur aus Freizeit, sondern vor allem aus Alltag. Bieten Sie denn für Männer auch Kurse an wie „So helfe ich meinem Kind bei den Hausaufgaben“?

Nein, nicht speziell für Männer. Aber in unserem Bereich „Leben mit Kindern“ gibt es Angebote für alle Eltern, etwa den Kurs „Alltag meistern mit Kindern“. In einem anderen geht es um Pubertät, dabei sind aber immer noch zwei Drittel der Teilnehmer Frauen.

Wenn Männer ihre neue Identität suchen, welche Rolle hat da die Religion?

Da jeder Mann einzigartig ist, ist auch die Erfahrung mit Religion und Spiritualität verschieden. Vielleicht erfahren Männer Religion ein Stück weit archaischer und direkter. Rituale sind ihnen wichtig. Viele Männer sind auf dem Weg, Religion neu für sich zu entdecken und in ihrem Leben zu integrieren. Dem wollen wir bei einer spirituellen Wanderung für Männer Rechnung tragen, die wir für die Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag anbieten.

Interview: Barbara Helfrich

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