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Internationale Musiktage Gegenpol zum Establishment

Ein kleines bisschen Trotz schwingt mit, wenn Alois Kottmann sagt: "Es gibt die Internationalen Musiktage noch." Geiger und Pianisten kommen dazu aus aller Welt nach Hofheim. Von Jöran Harders

13.05.2009 00:05
JÖRAN HARDERS

Ein kleines bisschen Trotz schwingt mit, wenn Alois Kottmann sagt: "Es gibt die Internationalen Musiktage noch." Zum 27. Mal werden sich in der kommenden Woche Geiger und Pianisten aus aller Welt in Hofheim treffen - und dabei wird es nach dem Willen Kottmanns, der die Musiktage 1983 ins Leben gerufen hat, auch diesmal nicht nur um rein musikalische Fragen gehen.

Von Anfang an sollte die Veranstaltung ein Gegenpol zum etablierten Musikbetrieb sein. Denn der verlange von den Künstlern zwar immer größere handwerkliche Perfektion; die Musikalität, aber auch die Menschlichkeit blieben jedoch zugunsten technischer Akrobatik und äußerlicher Effekte häufig auf der Strecke, meint Kottmann.

Dagegen soll bei den Internationalen Musiktagen die Auseinandersetzung mit künstlerischen Inhalten im Vordergrund stehen. Bei den von ihm geleiteten Meisterkursen geht es Alois Kottmann um den "sprechenden, schönen Ton" und darum, dem Werk gerecht zu werden und nicht der Eitelkeit des Virtuosen.

Wichtig ist dem "Pädagogen aus Leidenschaft" auch, dass sich in den Meisterkursen und im Wettbewerb um den "Alois-Kottmann-Preis für klassisches sangliches Violinspiel" junge Musiker aus verschiedenen Nationen treffen und austauschen. Dieses Zusammentreffen fördere "das Verständnis für Lebenssituationen und Verschiedenartigkeiten von Kulturkreisen und Traditionen".

Während der Musiktage wohnen die meisten der Teilnehmer, die unter anderem aus Korea, China, Russland und Rumänien kommen, bei Gastfamilien, was noch einmal zu einer persönlichen Atmosphäre beitrage. Parallel zu den Violin-Meisterkursen gibt es auch Kurse für Klavier, die von dem Pianisten Günter Ludwig geleitet werden.

Mit der Veranstaltung will Alois Kottmann das Bewusstsein dafür schärfen, dass Kultur nicht unbedingt mit Stars und großen Namen zu tun haben muss: "Wer Musik macht oder hört, sollte zu sich selbst kommen. Das muss nicht unbedingt in der Alten Oper sein."

Außerdem war es seit der Gründung der Musiktage sein Ziel, in Hofheim eine "Atmosphäre für Überregionalität" zu schaffen. "Wir sollten uns bewusst sein, dass viele Instrumentalisten in Deutschland studieren, weil es hier eine bedeutende musikkulturelle Tradition gibt. Diese Tradition gilt es zu wahren." Angesichts eines offensichtlichen Mangels an Kultur- und Integrationspflege seien die Internationalen Musiktage heute noch genauso wichtig wie vor 26 Jahren. "Am Auftrag hat sich weder etwas geändert, noch ist er überflüssig geworden", sagt Alois Kottmann.

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