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Hospiz-Helferin im FR-Interview „Für viele Männer ist das Thema Tod noch tabu“

Marianne Hampel spricht über die ambulante Hospizarbeit, die Betreuung von Sterbenden und die Schwierigkeit, männliche Helfer zu finden.

17.08.2010 17:55
Marianne Hampel ist Mitglied im Vorstand des Hospizvereins Horizonte in Hofheim. Foto: Hoyer

Frau Hampel, momentan wird in Flörsheim ein stationäres Hospiz gebaut. Ist das eine Konkurrenz für die ambulanten Hospizdienste im Kreis?

Nein, ganz und gar nicht. Ambulante und stationäre Hospizarbeit sind zwei völlig unterschiedliche Konzepte, die nicht miteinander konkurrieren, sondern sich sehr gut ergänzen.

Inwiefern?

In ein stationäres Hospiz gehen Menschen in der allerletzten Phase ihres Lebens. Dann, wenn sie intensiv betreut werden müssen, und die Angehörigen zu Hause damit überfordert sind. Als ambulante Hospizhelfer unterstützen wir die Familien viel früher. Unsere Arbeit beginnt, wenn ein Patient, der unheilbar krank ist, aus dem Krankenhaus kommt. Wir begleiten die Menschen oft über mehrere Monate in ihrem häuslichen und familiären Umfeld, stehen den Sterbenden bei, arbeiten mit Ärzten und Pflegediensten zusammen und unterstützen auch die Angehörigen.

Sie haben momentan 42 aktive Hospizhelfer im Verein. Reicht das aus, um alle Anfragen zu bewältigen?

Wir gehen davon aus, dass der Hospizgedanke in Zukunft noch mehr Zuspruch findet, dass mehr Begleitungen angefordert werden. Dafür müssen wir auch mehr Helfer haben. Ein Hospizhelfer kann immer nur einen Menschen betreuen und braucht nach dessen Tod eine Auszeit. Er muss das Erlebte und die Eindrücke verarbeiten, ehe er sich wieder einem Patienten zuwenden kann.

Was muss man als Hospizhelfer mitbringen?

Offenheit und Einfühlungsvermögen sind wichtig. Man muss selbstkritisch sein, bereit, über sich selbst nachzudenken. Das übrige Rüstzeug bekommt man in einer einjährigen Ausbildung. Im Herbst soll ein neuer Kurs beginnen.

Wie wählen Sie die Kandidaten aus?

Wir haben einen Informationsabend, sprechen mit den Interessenten. Wenn jemand sich nicht sicher ist, ob er nach der Ausbildung auch als Hospizhelfer arbeiten will, ist das kein Problem für uns. Wir verpflichten niemanden dazu. Das kann jeder Teilnehmer frei für sich entscheiden.

Die meisten Hospizhelfer sind Frauen. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum so wenige Männer sich an die Aufgabe heranwagen?

Tod und Sterben sind immer noch ein Tabuthema, da gibt es Berührungsängste. Die Arbeit der Hospizhelfer hat viel mit Emotion zu tun, Männer trauen sich da oft nicht so dran.

Ist es denn ein Nachteil, wenn ein Mann, der im Sterben liegt, nicht auch von männlichen Hospizhelfern begleitet werden kann?

Nein. Wichtig ist das Einfühlungsvermögen dessen, der begleitet. Ob Mann oder Frau spielt da keine große Rolle.

Interview: Andrea Rost

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