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Hofheim und Wallau Ungeliebte Nachbarn

Hofheimer und Wallauer verbindet eine über Jahrhunderte gewachsene herzliche Hassliebe. Nach den Ursachen dafür forschte eine Stadtführung, die den Blick auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Nachbarorte lenken wollte.

17.12.2012 11:07
Jöran Harders
Im Kostüm: Roswitha Schlecker und Erwin Born. Foto: Martin Weis

Dass zwischen den Bewohnern benachbarter Orte häufig eine gewisse Rivalität herrscht, wissen nicht nur Frankfurter und Offenbacher ganz genau. So bezeichnen sich etwa die Einwohner der drei Stadtteile von Hattersheim gegenseitig mehr oder weniger liebevoll als Zigeuner, Kümmeldrescher und Bachschisser. Und auch Hofheimer und Wallauer verbindet eine über Jahrhunderte gewachsene herzliche Hassliebe ? zumindest, wenn man Roswitha Schlecker und Erwin Born glauben darf.
Den Ursachen für das nicht immer einfache Miteinander der beiden Nachbargemeinden wollten die Stadtarchivarin und der Heimatforscher am Samstag bei einer Führung durch die Hofheimer Altstadt auf den Grund gehen. Roswitha Schlecker war dabei in die Rolle der Hofheimer Bürgerin Fanny Wehrfritz geschlüpft, Erwin Born in die seines Vorfahren Johann Franz Born, der wie Fanny Wehrfritz um 1900 gelebt hat und ein Wallauer Bauer war.

Dass das evangelische Wallau lange Zeit „von Katholiken umzingelt“ war, könnte laut Born ein Grund für die Animositäten gewesen sein. „Zwar wurde die Religion den Bürgern von den jeweils Herrschenden nach dem Grundsatz ,cuius regio, eius religio‘ (,wessen Gebiet, dessen Religion‘) aufgezwungen, dennoch hielten die meisten ihre eigene Religion für die richtige“, so Born. Während es in Wallau seit 1530 einen evangelischen Pfarrer gab, war das bis 1803 zu Kurmainz gehörende Hofheim katholisch. „Von den Protestanten wurden die Katholiken abfällig als Kreuzköpfe bezeichnet“, so Born.

Hofheim, das 1352 von Kaiser Karl IV. die Stadtrechte bekommen hatte, schützte sich gegen Angriffe mit einer mächtigen Stadtmauer, die ursprünglich zehn Meter hoch gewesen sein soll. In Wallau gab es zum Schutz gegen Feinde eine Befestigungsanlage mit Wall und Graben. Zur Hofheimer Stadtmauer gehörten mehrere Türme. „Im Obertor und im Untertor gab es Arrestzellen, außerdem war im Kellereigebäude ein Gefängnis“, stellte Roswitha Schlecker fest. Ob es in Hofheim tatsächlich so viele Verbrecher gegeben hat, sei allerdings nicht belegt.

1817 wurde die Wallauer Dorfbefestigung eingeebnet. „Erst danach konnte sich der Ort vergrößern“, sagte Schlecker. Die Hofheimer Stadtmauer sei, so werde erzählt, verfallen, weil die Hofheimer eine ungeliebte Pflicht loswerden wollten. „Die Bürger mussten sich selbst um die Bewachung der Stadttore kümmern. Sobald es keine Mauer mehr gab, konnte auch niemand mehr zum Wachdienst gezwungen werden“, so Schlecker.

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