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Hofheim Lebensberatung für Kinder

Coachs begleiten Schüler in Hofheim durch ihren Alltag. Sie helfen ihnen auch beim Übergang in das Berufsleben.

Schülercoachin Andrea Clément übt mit Rozita (15) lesen. Foto: Michael Schick

Coachs begleiten Schüler in Hofheim durch ihren Alltag. Sie helfen ihnen auch beim Übergang in das Berufsleben.

Als Rozita (15) den Ball fängt, rechnet sie laut vor: „Vier mal vier ist zwölf“ und wirft den Ball zu Andrea Clément. Die Hofheimerin fängt: „Vier mal vier ist sechzehn.“ Am Boden hockt Familienhund Emma und lässt den Ball nicht aus den Augen. „So üben Rozita und ich das Einmaleins“, sagt Clément. Seit eineinhalb Jahren ist sie Rozitas sogenannte Schülercoachin.

Bei dem Projekt „Schülercoach, Wegbegleiter für Kinder und Jugendliche“ der Senioren-Nachbarschaftshilfe stehen Freiwillige Hofheimer Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Die Coachs helfen bei schulischen Problemen, bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder einer Ausbildungsstelle: „Außerdem wollen wir die Kinder anregen, Neues zu entdecken“, sagt Clément, „Lernen funktioniert am besten durch Interesse und eigene Erlebnisse.“

Andrea Clément ist mittlerweile mehr für Rozita als eine Helferin bei schulischen Problemen: „Die Cléments sind eine zweite Familie für mich“, sagt Rozita. Gemeinsam unternehmen sie hin und wieder Ausflüge. „Wir waren zusammen im Musical der Main-Taunus-Schule oder auch in der Tutanchamun-Ausstellung in Frankfurt“, so Clément.
Rozita besucht die achte Klasse des Hauptschulzweigs der Rosenbergschule. Vor drei Jahren ist sie mit ihren Eltern und vier Geschwistern nach Deutschland gekommen. Wo sie herkommt, möchte das schüchterne Mädchen mit den großen braunen Augen nicht in der Zeitung lesen.

Die Erinnerungen an das Leben in ihrem Herkunftsland und an ihre Flucht seien nicht schön, sagt sie. Sie genießt den Kontakt zur Familie Clément. In der Schule ist es hektisch und stressig und auch zu Hause kämpft die Großfamilie der Fünfzehnjährigen mit kleineren und größeren Problemen. Wenn sie einmal pro Woche zu den Cléments nach Hause kommt, geht es mal nur um sie. Dann üben sie und ihre Patin Mathe oder lesen ein deutsches Buch: „Zu Hause spreche ich mit meiner Familie arabisch oder aramäisch“, sagt Rozita.
Aber manchmal reden die beiden bei ihren Treffen auch einfach nur über Ereignisse in Rozitas Leben und basteln zusammen: „Es dauert ein bisschen, bis man sich so versteht und sich vertraut“, sagt Clément, „es muss erst eine Beziehung aufgebaut werden.“

Nach der Schule möchte Rozita am liebsten Flugbegleiterin werden. Clément ließ für sie ihre Kontakte spielen: „Ich habe eine Freundin, die für die Lufthansa arbeitet“, sagt sie. Zusammen besuchten die beiden daraufhin den Frankfurter Flughafen und die Flugbegleiter der Lufthansa. Auch bei der Suche nach einem Praktikum half Clément: „Ich mache seit August einmal die Woche Praktikum bei dm“, sagt Rozita. In dem Drogeriemarkt sammelt sie erste Eindrücke in der Arbeitswelt. Im kommenden Jahr möchte sie gern ein Praktikum bei einer Kosmetikerin machen, sagt das Mädchen.

Nachfrage ist groß

Auch andere Schüler und Schülerinnen aus Rozitas Schule haben einen Schülercoach. Die Coachs wollen nicht nur den Kindern in der schwierigen Übergangsphase zwischen Schule und Beruf helfen, sondern auch die Familien mit einbinden. Zwischen den Cléments und Rozitas Familie besteht guter Kontakt: „Mein Mann und ich waren sogar schon bei Rozita zum Essen eingeladen“, erinnert sie sich, „da durften wir leckeres arabisches Essen probieren.“

Bis jetzt seien rund zwölf Schülercoaches in dem Projekt aktiv, sagt Clément. Doch die Nachfrage der Jugendlichen sei wesentlich höher und es würden noch weitere ehrenamtliche Helfer gesucht: „Als Schülercoach sollte man Spaß an der Arbeit und dem Zusammensein mit Kindern und Jugendlichen haben, für ihre Themen offen sein und auch bereit sein, selbst Neues zu lernen“, sagt sie. Rozita dagegen findet, ein Schülercoach müsse in allererster Linie „sehr, sehr nett sein“.

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