Lade Inhalte...

Hofheim Kinder Alleinsein fühlt sich schlimm an

Die Filmemacherin Andrea Simon lässt in ihren neuesten Filmprojekt „Am Anfang hell, am Ende dunkel“ Kinder über Tabuthemen sprechen. Auf ihre Fragen erhält sie überraschend ehrliche Antworten.

21.02.2014 11:52
Jöran Harders
Lea, Anna, Celine und Julius (von links) kommen zu Wort. Foto: Monika Müller

„Kinderfilme zeigen oft eine heile Welt. Aber Kinder leben nicht in einer heilen Welt“. Das sagt die Tanzlehrerin und Regisseurin Andrea Simon. „Am Anfang hell, am Ende dunkel“ heißt der zweite Film der Hofheimerin. In ihm hat sie vier Kinder über Themen sprechen lassen, die gemeinhin als wenig kindgerecht gelten: Liebe und Hass, Angst, Alleinsein und Wut.

Kamera im Kinderzimmer

2012 hat Andrea Simon mit Anna, Julius, Lea und Céline das Tanztheaterstück „Minotaurus“ einstudiert – ein Stück, in dem es um Mobbing und Einsamkeit geht. In ihrem Film erzählen die Kinder von ihren Rollen und über das Tanzen. Dennoch ist „Am Anfang hell, am Ende dunkel“ keine Dokumentation über das Theaterstück. „Ich wollte herausfinden, ob es zwischen der fiktiven Handlung des Stücks und dem privaten Leben der Kinder einen Zusammenhang gibt“, erklärt Simon. Mit der Kamera ging die Filmemacherin daher in die Kinderzimmer ihrer Darsteller, zeigt sie beispielsweise beim Spielen mit dem Hund oder beim Geigeüben.

Diese Szenen aus dem Privatleben, in denen Andrea Simon nach den Träumen und Wünschen der Kinder fragt und überraschend ehrliche Antworten erhält, kombinierte sie mit Ausschnitten aus der Aufführung des Theaterstücks und mit improvisierten Tanzszenen, die speziell für den Film gedreht wurden. „Bewegungsmuster sind Beziehungsmuster“, meint Simon.

Bereits 2011 hatte sie in dem Kurzfilm „Ente, Tod und Tulpe“ das Medium Tanz dazu genutzt, um sich einem Thema zu nähern, das sonst oft tabuisiert wird. Nach ihrer „Parabel über den Tod“ war Andrea Simon sich sicher: „Kinder wollen über grundlegende Fragen des Lebens nachdenken. Dazu gehören auch Mobbing oder das Sterben.“ Und auch wenn das manchmal traurig sei, wolle sie die Zuschauer mit ihren Filmen trotzdem gut unterhalten. Aber eben realistisch, „und nicht so theatralisch, wie das in manchen Kinderfilmen geschieht“, wie Simon betont.

Und das ist dann eben nicht nur nachdenklich, sondern immer wieder auch witzig. Etwa, wenn Anna sich zu einem spontanen „Jungs? Kotz!“ hinreißen lässt, um das dann doch etwas zu relativieren: „Julius ist schon nett.“ Oder wenn Julius sich vorstellt, dass er sich als Rentner einen Hund kaufen könnte, um nicht alleine zu sein. Denn das Alleinsein „fühlt sich schlimm an“, heißt es im Film.

Nachdenken über das Stück

Der Minotaurus im Theaterstück steht „für ein Kind, das keine Chance mehr hat“, glaubt Minotaurus-Darstellerin Céline. Abends, erzählt sie, habe sie noch länger im Bett gelegen und über das Stück nachgedacht. Mit „Am Anfang hell, am Ende dunkel“ wollte Andrea Simon nach dem Kurzfilm jetzt das Genre Dokumentarfilm für sich entdecken, ohne sich dabei von Genreregeln allzusehr einengen zu lassen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen