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Hofheim Historie per Knopfdruck

Die Dauerausstellung über die Geschichte Hofheims im Stadtmuseum wurde modern aufbereitet. Die Besucher sind ab jetzt nicht nur Betrachter, sondern werden aktiv mit in die Ausstellung einbezogen.

Letzte Handwerkstätigkeiten vor der Neueröffnung am vergangenen Sonntag. Foto: Chris Hartung

Roswitha Schlecker strahlt. „So hab ich mir das Museum gewünscht“, sagt die Stadtarchivarin. Seit vergangenen Sonntag ist die neue Dauerausstellung zur Hofheimer Stadtgeschichte im ersten Stock des Museums in der Burgstraße für Besucher geöffnet. Drei Jahre lang haben Museumsleiterin Eva Scheid, Roswitha Schlecker, die Kulturwissenschaftlerin Jutta Pauli und Innenarchitekt Bernd Jansen geplant, in den vergangenen drei Monaten wurden die Exponate aufgebaut.

Jetzt können sich Besucher auf eine neue, moderne Art über die Historie Hofheims informieren. Sie sind nicht nur Betrachter, sondern werden aktiv mit einbezogen, bekommen an Hörstationen Infos über Bilder, die an der Wand hängen, können Dialekten der Stadtteile und dem vom Gesangsverein Concordia gesungenen Hofheim-Lied lauschen oder Klingelknöpfe drücken, um mehr über die in Vitrinen ausgestellten Exponate zu erfahren. Zur Sommerfrische in Hofheim etwa oder zur Natur rund um die Stadt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht auch weiterhin die Stadtgeschichte. Ein halbes Jahr lang wird die originale Stadtrechtsurkunde Hofheims gezeigt, die Jutta Pauli extra aus dem Hauptstaatsarchiv ausgeliehen hat; danach ist eine Kopie zu sehen.

Aufgeschlagen wird auch ein dunkles Kapitel der Hofheimer Stadtgeschichte

Ausgestellt sind auch das älteste Hofheimer Gerichtsbuch sowie Scherben und Fußbodenfliesen, die bei den Ausgrabungen rund um Wasserschloss und Kellereigebäude gefunden wurden. Unter Nassauer Herrschaft sei Hofheim ein kleiner verschlafener Ort gewesen, so Jutta Pauli. Durch den Bau der Eisenbahn wurde das Städtchen 1877 wachgeküsst. Etwa um diese Zeit begann auch die Hochzeit der Lederindustrie. Ein Dutzend Mühlen zwischen Hofheim und Lorsbach wandelten sich damals zu Lederfabriken.

Die Geschichte der Lederindustrie wurde auch schon früher im Museum nachgezeichnet; jetzt hat dieser Teil der Ausstellung ein neues Gesicht bekommen. Alte Gerätschaften und eine riesige hydraulische Chagrinier- und Bügelpresse von 1931 sind zu sehen. Verschiedene Lederarten kann man anfassen. Erstmals erzählt wird die Geschichte der Mühlen im Lorsbachtal. Viele Ausstellungsobjekte gebe es dazu nicht, sagt Pauli. „Wir hoffen, das Bürger uns noch Dinge bringen, die irgendwo auf Dachböden lagern – und sei es nur ein alter Mehlsack oder eine Ölfunzel.“

Aufgeschlagen wird im Museum auch ein dunkles Kapitel in der Hofheimer Stadtgeschichte. „Lachender Hitler-Junge mit Apfel“ heißt das Bild von Ottilie Roederstein, das in der Vitrine zur NS-Zeit hängt. „Der Anfang vom Ende“ steht an der Box. Im Boden markieren graue Streifen drei Daten: den 31. März 1933, als Hitler Ehrenbürger von Hofheim wurde; den 1. Juni 1933 als den Tag, an dem die Judengasse in Webergasse umbenannt wurde und den 12. November 1933, als vier Fünftel der Einwohner bei der Reichstagswahl ihr Kreuzchen bei der NSDAP machten.

Ein Bürger habe das Roederstein-Bild dem Museum geschenkt, erzählt Roswitha Schlecker. Er selbst sei darauf als Hitler-Junge abgebildet. Das Kunstwerk lag lange Zeit im Depot des Museums. Jetzt wird es erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

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