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Hofheim/Bad Soden „Das Zusammenwachsen der Kliniken ist nicht in Gefahr“

Aufsichtsratsvorsitzender Harald Schmidt über das unerwartete Millionen-Defizit der Krankenhäuser in Bad Soden und Hofheim sowie die Fehler der Vergangenheit.

Aufsichtsratsvorsitzender
Harald Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Frankfurt/Main-Taunus-Kliniken. Foto: Rolf Oeser

Das heißt, das Zusammenwachsen der drei Klinikstandorte in Höchst, Bad Soden und Hofheim gerät durch das unerwartet hohe Defizit in den Main-Taunus-Kliniken nicht ins Wanken?
Nein, ganz im Gegenteil. Wir sind in einer Phase, in der wir den Prozess beschleunigen. Wir wollen die Küche erweitern und zentral von Kelkheim aus den gesamten Klinikverbund versorgen, das heißt auch das Höchster Krankenhaus. Wir werden die Reinigungsleistungen in einer Gesellschaft bündeln, die Logistik und die Zentralsterilisation der drei Krankenhäuser ebenso zusammenführen wie in der Verwaltung Aufgaben auf Ebene der Dachgesellschaft. Und wir prüfen zurzeit die Vereinheitlichung und Standardisierung der IT-Landschaft auf Konzernebene.

Laut Konsortialvertrag soll bis 2021 die schwarze Null bei beiden Klinikkonzernen erreicht sein, und die Krankenhäuser sollen Investitionen aus eigener Kraft finanzieren können. Ist das zu schaffen?
Von diesem Ziel sind wir zwar noch ein Stück entfernt, aber ich glaube, dass wir das hinbekommen können. Für das Jahr 2018 erwarten wir in den Main-Taunus-Kliniken zwar noch mal einen Fehlbetrag von 1,5 Millionen Euro. 2019 sollten wir dort aber wieder schwarze Zahlen schreiben. Wir werden bei den Tochtergesellschaften der Kreiskliniken, die teils gewerblich, teils gemeinnützig sind, Verschmelzungen vornehmen, sodass wir unsere viel zu hohe Steuerquote und weitere Strukturkosten deutlich senken werden.

Und wie sieht es in Höchst aus?
Auch im Höchster Klinikum erwarten wir für dieses Jahr ein Defizit, aber ein geringeres als 2017. Momentan haben wir dort noch ein Strukturproblem, denn in der alten Bausubstanz gibt es kein zeitgemäßes Ambiente. Ende 2019 soll der Umzug in den Neubau stattfinden. Höchst wird dann das erste Krankenhaus deutschlandweit sein, das in ein Passivgebäude einzieht. Diese Phase wird nochmals kritisch, weil uns durch den Umzug erst mal Patienten und damit Erlöse fehlen werden. Danach sollten die Leistungszahlen aber sehr schnell deutlich nach oben gehen.

Das hört sich nach großen Aufgaben an, die an den einzelnen Standorten zu bewältigen sind. Bleibt da überhaupt noch Zeit fürs Zusammenwachsen?
Doch. Ein erstes Signal dafür ist die neue Homepage des Klinikverbundes, auf der in erster Linie über die Frankfurt/Main-Taunus-Kliniken berichtet wird. Und wir haben die Führungsstruktur auf neue Beine gestellt. Alle Bereichsleiter sind jetzt für Höchst und Main-Taunus zuständig. Martin Menger leitet als Geschäftsführer den gesamten Klinikverbund. Ihm zur Seite stehen Dorothea Dreizehnter in Höchst und Stefan Schad, der am 1. September seinen Geschäftsführerposten in den Main-Taunus-Kliniken antritt. Beide agieren auch auf der Geschäftsführerebene der Dachgesellschaft.

Das heißt, es werden jetzt Verbindungsnetzwerke zwischen den Krankenhäusern geschaffen? Das war in der Vergangenheit ja nicht der Fall...
Das stimmt. Bisher standen die beiden Konzerne einander wie zwei Silos gegenüber. Kommunikation hat kaum stattgefunden. Es war klar, dass wir so auf Dauer nicht weiterkommen.

Wie wollen Sie die Mitarbeiter, speziell die Ärzte, davon überzeugen, dass die Main-Taunus-Kliniken und das Krankenhaus in Frankfurt-Höchst keine Konkurrenten mehr sind, sondern Partner?
Das ist in der Tat keine einfache Aufgabe, denn sie haben mit dem Klinikum in Höchst einen Maximalversorger und andererseits mit den Krankenhäusern Bad Soden und Hofheim Regelversorger. Dazwischen liegen mehr als sechs Kilometer Luftlinie und die A 66. Wir werden an der Basis weiterhin Doppelangebote haben, weil die Einzugsgebiete unterschiedlich sind und wir nicht wollen, dass Patienten beispielsweise nach Wiesbaden oder in den Hochtaunuskreis abwandern. Gleichzeitig müssen wir unsere Angebote in der Spitzenmedizin ausdifferenzieren und an einzelnen Standorten eine Spezialisierung vorantreiben, die über die Region hinaus wirkt. Dafür wurden bereits Arbeitsgruppen für die Mediziner aller drei Standorte eingerichtet, und es gibt erstmals gemeinsame Chefarztkonferenzen. Ein lockeres Laufen auf der Stelle kann es da in Zukunft nicht geben. Das sieht das Konzept von Martin Menger so auch nicht vor.

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