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Hofheim/Bad Soden „Das Zusammenwachsen der Kliniken ist nicht in Gefahr“

Aufsichtsratsvorsitzender Harald Schmidt über das unerwartete Millionen-Defizit der Krankenhäuser in Bad Soden und Hofheim sowie die Fehler der Vergangenheit.

Aufsichtsratsvorsitzender
Harald Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Frankfurt/Main-Taunus-Kliniken. Foto: Rolf Oeser

Arglistige Täuschung“ werfen die Gesellschafter des Klinikverbundes Frankfurt/Main-Taunus dem früheren Geschäftsführer der kommunalen Krankenhäuser in Bad Soden und Hofheim, vor. Tobias Kaltenbach soll dem Aufsichtsrat der Dachgesellschaft ein 6-Millionen-Euro-Defizit im Jahr 2017 verschwiegen haben. Die Stadt Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis wollen deshalb mehr als 200 000 Euro von dem Manager zurückfordern. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Dachgesellschaft Harald Schmidt, erklärt im FR-Interview, wie es jetzt im Konzern weitergeht.

Herr Schmidt, wie versteht der Aufsichtsrat des Klinikverbundes seine Aufgabe? Hätte Ihnen die finanzielle Schieflage der Main-Taunus-Kliniken nicht auffallen müssen?
Der Aufsichtsrat ist natürlich das Kontroll- und Überwachungsorgan der Geschäftsführung. Es gibt mindestens vier Aufsichtsratssitzungen pro Jahr, in denen die Geschäftsführung über die geschäftliche Entwicklung berichtet. Tobias Kaltenbach hat in der Vergangenheit die Ziele der Wirtschaftspläne immer erreicht. Vor diesem Hintergrund mussten bei uns nicht die Alarmglocken schrillen, als am 27. November letzten Jahres ein positives Ergebnis für 2017 prognostiziert wurde.

Das heißt, zum damaligen Zeitpunkt hatten Sie keine Anhaltspunkte, wie es um die Kreiskliniken wirklich steht?
Nein, wir haben Fragen gestellt, aber über einzelne Bereiche wie die gestiegenen Personalkosten oder die deutlich gesunkenen Patientenzahlen in der Psychosomatik wurde am 27. November nicht berichtet. Solche Informationen sind aber wichtig für den Aufsichtsrat.

Tobias Kaltenbach wehrt sich gegen die Anschuldigungen und wirft seinem Nachfolger Martin Menger seinerseits vor, „von Ermessensspielräumen in der Bilanzierung sehr großzügig Gebrauch gemacht zu haben“, als er das Millionendefizit der Main-Taunus-Kliniken Ende April öffentlich machte. Kann man denn Wirtschaftsdaten so unterschiedlich interpretieren?
Grundsätzlich nein. Das Defizit hat mehrere Ursachen. Nur drei Millionen Euro entfallen auf Risikovorsorge und andere Themen, die im Übrigen auch schon Ende 2017 prinzipiell bekannt gewesen sein sollten. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Neubau des Hofheimer Krankenhauses. Martin Menger hat in die letztlich präsentierten Bilanzzahlen deshalb sicher keine strategischen Reserven gelegt. Aufgrund der Aussage des Wirtschaftprüfers gehe ich davon aus, dass der Jahresabschluss am Ende nur unwesentlich anders ausgesehen hätte, wenn ihn Herr Kaltenbach zu verantworten gehabt hätte.

Wer zahlt das Defizit, das 2017 in den Main-Taunus-Kliniken aufgelaufen ist?
Das muss laut Konsortialvertrag der Landkreis übernehmen.

Der Aufsichtsrat des Klinikverbundes hat vor Kurzem getagt. Was hat er bezüglich der Causa Kaltenbach entschieden?
Zunächst einmal wurden die Jahresabschlüsse der Main-Taunus-Kliniken und aller Töchter vom Aufsichtsrat gebilligt. Jetzt liegt der nächste Schritt bei den Gesellschaftern. Dann erfolgt die Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Anschließend haben alle Zugriff darauf, können Fragen stellen, und die Gremien sollten antworten. Was Herrn Kaltenbach betrifft, prüfen wir zurzeit mit Unterstützung von Juristen, wie die Beweislage zu dem Thema ist. Aufsichtsrat und die Gesellschafter werden dann entscheiden, wie die nächsten Schritte aussehen. Unser Ziel ist es, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die Milch ist verschüttet, daran können wir nichts mehr ändern.

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