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Hochheim Rummel, Ramsch und Riesenspaß

Der Hochheimer Markt, einer der größten Jahrmärkte Deutschlands, tobt noch bis Dienstag

Hochheim, im Bild: Mittelaltermarkt / historisches Markttreiben, Lagerfeuer / Feuerstelle / Feuer erwärmt die Besucher, Foto: Michael Schick Foto: Michael Schick

Menschen schlendern Richtung Innenstadt. Viele Menschen. Ortsunkundige fragen an der Kreuzung nach dem Weg. „Alle Wege führen zum Hochheimer Markt“, verspricht verheißungsvoll lächelnd eine junge Frau.

Zwei Ecken weiter weht den Ankommenden der Duft von gebrannten Mandeln, Maronen und Zuckerwatte entgegen. Schon ist man mittendrin im Getümmel, das sich vorbeischiebt an Ständen und Buden, an denen es praktisch alles zu kaufen gibt, was man sich vorstellen kann. Und dazu noch so manches, was man sich bislang nicht vorstellen konnte.

Wer Jahrmärkte mag, ist in diesen Tagen in Hochheim goldrichtig. Seit Freitag und noch bis zum morgigen Dienstag tobt dort laut Homepage der Stadt „einer der größten Jahrmärkte in Deutschland“. Zumindest kann das Treiben auf eine mehr als ein halbes Jahrtausend alte Tradition zurückblicken. Seit 1484 versammeln sich Händler und Schausteller von nah und fern einmal per anno in dem Mainstädtchen. Vom Prinzip her hat sich seit ehedem wenig geändert, vom Ausmaß und Angebot her dagegen schon. Auf mehr als 70 000 Quadratmetern hat sich die 532. Ausgabe des Hochheimer Marktes ausgebreitet, mit Rummelplatz, Riesenfestzelt, Mittelaltermarkt, Tier- und Gewerbeschau. Und mehr.

Mitunter wird man im dicksten Gewühl auch von einer Wahrsagerin angesprungen. „Ihre Zahl ist die Sieben. An Ihren Augen sehe ich, dass Sie Neider haben. Darf ich Ihnen aus der Hand lesen?“ Nein, herzlichen Dank. Aber Handschuhe wären jetzt gut. Der freundliche Händler, der am nächsten Stand außerdem wollene Mützen, Schals und Jacken feilbietet, steht barfuß bei einstelligen Temperaturen an der Auslage. Ohne Schuhe sei ihm viel wärmer, sagt er. „Meine Füße sind mein Heizkraftwerk.“ Klar, dass er da auch auf Handschuhe verzichten kann. Die Kunden kaufen ihm trotzdem welche ab.

Wer mit Kind auf dem Rummel unterwegs ist, kann völlig problemlos in einer halben Stunde 20 Euro in den Wind pusten, mit mehreren Kindern multipliziert sich das entsprechend. Doch auch die Mütter und Väter, Omas und Opas, die mit dem Nachwuchs Kettenkarussell, Autoscooter oder Berg-und-Tal-Bahn fahren, haben einen selig entrückten Ausdruck im Gesicht. Ach ja, wie damals. Nur, dass es vor ein paar Jahrzehnten Fahrgeschäfte wie dieses blinkende, feuerspeiende und auf gefühlten 50 Metern Höhe wild herumwirbelnde Gerät garantiert noch nicht gab.

Nach drei Stunden beginnen die mit Karussellrunden, Süßkram und allerlei Nippes übersättigten Ableger zu nölen, dass sie jetzt doch bitte nach Hause möchten. Was der ganze Spaß gekostet hat, bleibt besser unberechnet. Aber er hat sich gelohnt.

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