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Hochheim Jeder Stein ein Leben

Stolpersteine in den Straßen der Wein- und Sektstadt Hochheim sollen künftig an Verfolgung und Tod der örtlichen Juden erinnern. Von Claudia Horkheimer

13.04.2010 00:04
Claudia Horkheimer
Stolpersteine in Hofheim-Diedenbergen - bald auch in Hochheim. Foto: FR/Schick

Uns werden sie schon nichts tun. Ich habe im ersten Weltkrieg gedient und das Ritterkreuz bekommen". Doch Gustav Schwarzschild irrte sich. 1942, als in einer letzten Welle vor allem ältere Juden aus dem Main-Taunus in Konzentrationslager nach Polen abtransportiert und ermordet wurden, wurden auch er und seine Frau zum Schlachthof getrieben und in Waggons gesteckt. Da rettet selbst ihr Rückhalt in der Bevölkerung die ehemaligen Betreiber eines Kolonialwarenladens nicht. "Die Nachbarn hatten sie mit Lebensmitteln versorgt als sie es selbst nicht mehr konnten", sagte Inge Schmollinger-Bornemann von der Hochheimer Arbeitsgruppe Stolpersteine.

An das Schicksal der Schwarzschilds, Frohweins und anderer Juden in Hochheim und Massenheim sollen künftig 43 Messingplatten vor ihren ehemaligen Wohnhäusern, sogenannte Stolpersteine, erinnern.

Schon 22 000 Steine verlegt

Diese will der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am 5. Mai in Bürgersteige unter anderem in der Blumengasse oder der Weiherstraße einlassen. Mit seinem Projekt hat er inzwischen mehr als 22000 Steine in etwa 530 Städten und Gemeinden in Deutschland und anderen europäischen Ländern verlegt. Im Main-Taunus-Kreis gibt es bereits Stolpersteine in Hofheim. Weitere sollen hinzu kommen.

Nach einem in Hochheim einstimmig angenommenen Vorschlag der SPD, Stolpersteine zu verlegen und das größte dezentrale Mahnmal Europas zu unterstützen, wurde eine ehrenamtliche Arbeitsgruppe unter Federführung von Friedhelm Henne vom Förderverein Hochheimer Heimat- und Stadtkultur und den beiden Stadtführerinnen Gabi Nick und Inge Schmollinger-Bornemann gegründet. Diese forschte in den vergangenen zwei Jahren in Archiven und bei ehemaligen Nachbarn nach dem Verbleib der jüdischen Mitbürger.

"Wir bekamen viel Unterstützung", sagte Nick. Aber auch Stimmen, die das ganze Projekt in Frage stellten, seien laut geworden. "Viele schämen sich heute, dass sie ihre damaligen Freunde im Stich gelassen haben", so Nick. Die Mithilfe an der Recherche für die Inschriften auf den Kupfertafeln sei vielen ein "Akt der persönlichen Wiedergutmachung". Die Hauseigentümer wurden vorher über die Verlegung informiert, so Henne. Einwände habe niemand gehabt.

Über Stolpersteine hält Gunter Demnig am 5. Mai um 19 Uhr einen Vortrag in der evangelischen Kirche in Hochheim.

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