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Hilfe vom Familienrat Wenn's in der Erziehung klemmt

Ob Schwiegermutter, Nachbarin oder Fußballtrainer: Bei schwerwiegenden Problemen in einer Familie tagt im Main-Taunus-Kreis der Familienrat. Das Konzept hat sogar bundesweit Modellcharakter.

03.01.2011 16:36
Kinderheim: So weit soll es im MTK nicht kommen. Dafür gibt's den Familienrat. Foto: Andreas Arnold

"Das Konzept des Familienrats hat sich bewährt.“ Dieses Fazit zieht Jugenddezernent und Kreisbeigeordneter Michael Cyriax (CDU) nach 55 abgehaltenen Familienräten im Main-Taunus-Kreis. Die Konferenzen werden bei erzieherischen Problemen vom Jugendamt einberufen. Das Besondere dabei: Das Jugendamt steuert den Prozess, aber die Lösungen werden von der Familie und deren Umfeld erarbeitet.

Von der Schwiegermutter bis zur Nachbarin und dem Fußballtrainer sind alle eingebunden, wenn die Familie dies will. „Für die Familie ist es wichtig, dass das Jugendamt ihr nicht eine vorbereitete Lösung präsentiert. Die Familie ist Architekt ihrer eigenen Lösung und die wirkt nachhaltiger“, erklärt Cyriax.

Die Familienkonferenzen laufen alle ähnlich ab: In einer Anfangsphase von etwa einer Stunde legt ein Mitarbeiter des Jugendamts den Fall neutral dar. Dann erarbeitet die Familie einen Lösungsplan ohne professionelle Fachkräfte an ihrer Seite. Diese sogenannte private Familienzeit kann zwei Stunden dauern. Im Anschluss trägt die Familie ihre Ergebnisse der Fachkraft des Jugendamtes vor, bei der Umsetzung hilft das Amt.

Eigene Verantwortung

Eine eigene Note erhalten die Konferenzen durch die Traditionen der Familie. Manche bringen Essen mit, andere trinken Tee aus dem hauseigenen Samowar. Cyriax nennt das Beispiel einer Mutter mit einer behinderten Tochter, die auf sich allein gestellt und daher überfordert gewesen sei. Bei dem Familienrat vereinbarten die Verwandten, Hilfe zu leisten: Es wurde festgelegt, wer das Kind regelmäßig zum Arzt fährt, wer bei Bedarf ein Auto ausleihen kann, wer das Kind zur Schule bringt und wie ein Umzug organisiert wird. Da die Familie selbst ihre Lösungen entwickle, werde die Verantwortung stärker angenommen, erklärt Cyriax.

Bei einem weiteren Fall ging es um eine Familie mit einer halbwüchsigen Tochter, die oft über Nacht wegblieb, nicht mehr mit dem Stiefvater sprach und in der Schule Schwierigkeiten hatte. Beim Familienrat wurde festgelegt, dass die Tochter ein eigenes Zimmer bekommt, eine Tante wolle fortan bei den Hausaufgaben helfen, damit das Mädchen ihren Schulabschluss erreichen kann und Ausgehzeiten wurden festgelegt. Oft seien die Lösungen sehr einfach und lebenspraktisch, berichtet Cyriax. „Es geht darum, mit den Schuldzuweisungen aufzuhören.“

Das Jugendamt nutzt das Instrument der Familienräte seit drei Jahren regelmäßig. Damit hat der Kreis laut Cyriax eine Vorreiterrolle: Beim einem vor kurzem stattgefundenen bundesweiten Netzwerktreffen zum Thema Familienrat galt der Main-Taunus-Kreis als Vorbild. Der Kreis war auch einer der ersten, die einen Familienrat in einer Schule tagen ließen. Bei diesem Treffen waren auch Lehrer und Mitschüler eingebunden. ( rmu)

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