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Hattersheim Kein Platz für den Sarotti-Mohr

Wie das ehemalige Werkstattgebäude genutzt wird, ist noch immer offen.

Das Werkstattgebäude steht immer noch leer. Foto: Michael Schick

Wo Schlamm ist, könnte heute Rasen wachsen, statt zugesperrter Türen würden Besucher ein gemütliches Café vorfinden: Eine schöne Vision, die Ulrike Milas-Quirin für das ehemalige Sarotti-Werkstattgebäude im Baugebiet Schokoladenfabrik entwirft. Wäre alles glatt gelaufen, so die stellvertretenden Vorsitzende des Hattersheimer Geschichtsvereins, hätte bereits im letzten Jahr ein Stadtmuseum darin eröffnet werden können.

Doch die Realität sieht anders aus. Zwar sieht der geltende Bebauungsplan noch immer die öffentliche Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes vor. Es gehört nach wie vor der Firma Nestlé, die aber vertraglich zugesagt hat, das Werkstattgebäude für eine Million Euro zu restaurieren und anschließend der Stadt zur Verfügung zu stellen. Doch seit Hattersheim 2012 unter den Rettungsschirm des Landes Hessen geschlüpft ist, scheuen die Stadtverordneten die laufenden Ausgaben für ein Museum und beschlossen im Rahmen des Konsolidierungsplanes das Projekt nicht weiter zu verfolgen.

Museum in eigener Regie

Die Sorgen seien unbegründet, meint der Vorsitzende des Hattersheimer Geschichtsvereins, der frühere Bürgermeister Hans Franssen (SPD). Er kann sich durchaus vorstellen, dass der Verein das Museum in eigener Regie betreibt. Der Vorsitzende verweist auf zahlreiche Spenden und Fördermittel des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, die ihm bereits im Jahr 2010 zugesagt wurden. Zum Gesamtvolumen von 100 000 Euro hätte das Land damals 60 000 Euro zugeschossen.

Franssen geht davon aus, dass diese Fördermittel nicht verloren sind. Weitere 40 000 Euro könnte der Verein samt Förderverein selbst aufgrund von zweckgebundenen Schenkungen aufbringen können. Unter anderen hat der Okrifteler Unternehmer Hilscher (Gesellschaft für Systemautomation) 120 000 Euro für Einrichtung und laufende Kosten des Museums in Aussicht gestellt. Die Stadt müsste, so Franssen, dann noch 15 000 Euro pro Jahr für Strom und Heizung aufwenden. Und auch diese Kosten hofft Franssen noch drücken zu können: „Ich bin sicher, dass uns zum Beispiel die Mainova entgegenkommen würde.“

„Keinen Cent“, so meint dagegen Stadtsprecher Stefan Käck, dürfe die Stadt für das Museum ausgeben. Das sei nun mal Beschlusslage des Magistrats.

Die Pläne für das Museum sind bereits weit gediehen. Auf den 350 Quadratmetern Fläche im Werkstattgebäude würde der Geschichtsverein gerne die Schmuckstücke, Schalen, Fibeln und Schwerter aus der Keltenzeit präsentieren, die im Baugebiet Nord-West gefunden wurden. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Industrie- und die Stadtgeschichte Hattersheims sein, ein historischer Röster der Firma Sarotti, eine alte Verkaufstheke und Werbefilme der Schokoladenfabrik gehören genauso wie viele Sarotti-Mohren zum Bestand des Geschichtsvereins.

Auch dem Eddersheimer Erfinder Anton Flettner, der unter anderem einen Hubschrauber-Rotor konstruierte, soll ein Raum gewidmet werden. Ein Café ist ebenfalls im Werkstattgebäude vorgesehen.

Die Exponate sind zur Zeit bei einem privaten Vermieter untergebracht. Für die Lagerung muss der Verein laut Franssen doppelt so viel bezahlen wie er durch Beiträge einnimmt: 1840 Euro im Jahr. Sollte sich nichts ändern, will der Vorstand geschlossen Ende Juni diesen Jahres zurücktreten.

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