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Hattersheim „Ich möchte keine Schlafstadt“

Elisabeth Hofmann-Mathes setzt sich mit einem Verein für den Erhalt des Freibads Hattersheim ein. Es ist nach ihrer Ansicht eine Einrichtung, die die Stadt liebenswert macht.

02.05.2013 21:56
Vereinsmitglieder brachten die Spielgeräte im Schwimmbad Anfang April auf Vordermann. Foto: Renate Hoyer

Elisabeth Hofmann-Mathes setzt sich mit einem Verein für den Erhalt des Freibads Hattersheim ein. Es ist nach ihrer Ansicht eine Einrichtung, die die Stadt liebenswert macht.

Wegen hoher Schulden und leerer Stadtkassen wäre das Hattersheimer Freibad beinahe geschlossen worden. Elisabeth Hofmann-Mathes gründete daraufhin den Förderverein Freibad Hattersheim (FFHA). Mit Festen und Aktionen setzt sich der FFHA für den Erhalt der Schwimmstätte ein.

Frau Hofmann-Mathes, welche Aktionen hat der FFHA bislang durchgeführt?

Unser Ansatz ist es, Aktionen zu machen, die das Interesse der Hattersheimer auf ihr Freibad lenken. Unsere erste war das Spätschwimmen mit Live-Musik, Kinderprogramm und Kaffee und Kuchen letztes Jahr. Das ist eigentlich eine städtische Veranstaltung, die wir erweitert haben. Vor kurzem haben wir mit vielen Mitgliedern an zwei Wochenenden die Holz- und Spielgeräte im Freibad gestrichen. Damit haben wir der Stadt 3000 Euro eingespart.

Was haben Sie noch vor?

Unser Plan ist es, während der Badesaison jeden Monat eine Veranstaltung im Freibad zu organisieren. Zu Eröffnung am 1. Mai treffen wir uns zum Anschwimmen und gemeinsamen Sprung ins Wasser. Dabei wollen wir gleichzeitig die Aktion „Hattersheim schwimmt“ einläuten. Die Idee ist, dass jeder, der mitmachen will, sich einen Sponsor sucht, der für jede geschwommene Bahn einen selbst gewählten Betrag spendet. Sponsoren können Privatpersonen oder Firmen sein. Wir begleiten die Aktion übers Jahr hinweg, montags 17 bis 19?Uhr. Zusammen mit dem Cafébesitzer veranstalten wir im Juni einen spanischen Abend, bei dem uns der spanische Elternverein seine kleine Flamencogruppe schon zugesagt hat und wir Hattersheims größte Erdbeertorte anbieten wollen. Wir suchen allerdings noch Bäcker. Für den August haben wir eine Art Stadt-Olympiade nach dem Vorbild von „Spiel ohne Grenzen“ vor. Wir wollen zum Beispiel Vereine motivieren im Freibad gegeneinander anzutreten.

Wie finanziert sich der Verein über die Mitgliedsbeiträge hinaus?

Wir konnten schon einige Sponsoren für uns gewinnen, die uns mit einmaligen Beträgen unterstützt haben. Wir können aber weitere gebrauchen, die unsere Arbeit und kleinere Investitionen im Bad sponsern. Wir suchen auch Werbepartner, die im Bad Anzeigentafeln buchen wollen. Die leiten wir an die Stadt weiter, mit der ein Vertrag geschlossen werden kann.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Momentan sind wir sehr zufrieden. Am Anfang gestaltete sich das etwas schwierig. Es hat eine Zeit gedauert, bis man sich aneinander gewöhnt hatte und bis klar war, was sich der andere vorstellt. Klar ist, wir wollen Förderer einer städtischen Einrichtung sein – und das geht nur, wenn wir zusammenarbeiten. Unser Ziel ist es, den Zuschuss der Stadt zum Freibad zu verringern. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

In Hochheim betreibt ein Förderverein das Hallenbad komplett, Vereinsmitglieder sitzen dort auch im Kassenhäuschen. Wäre das auch etwas für den FFHA?

In Hochheim ist das genossenschaftlich organisiert. Da haben wir nicht daran gedacht. Auch hat Hattersheims Bürgermeisterin von vornherein ausgeschlossen, dass unser Verein das Bad allein betreiben soll. Darüber, an der Kasse zu sitzen, hatten wir nachgedacht. Mit der Stadt wurde zuerst besprochen, dass wir die Randstunden übernehmen. Doch die Stadt wünscht das nicht.

Sehen Sie den FFHA als Vorbild für andere Bürgerinitiativen in Hattersheim? Schließlich stehen wegen der Sparauflagen des Kommunalen Schutzschirms noch weitere Angebote auf der Kippe – wie die Stadthalle.

Nicht den Verein, der ist ja speziell aufs Freibad ausgerichtet. Ich fände es durchaus eine charmante Idee, wenn sich ein Bürgerverein gründen würde, wie es ihn in Bad Soden gibt. Ein Verein, der flexibel einspringen kann. Das wäre auch für Hattersheim eine gute Sache. Neben dem FFHA gibt es auch schon eine BI für den Erhalt des Tiergeheges. Wenn noch weitere Institutionen dazukämen, wäre es sehr aufwendig, für alle Themen einzelne Vereine zu gründen. Die Hürden sind sehr groß, und es ist nicht leicht engagierte Leute zu finden.

Warum ist das Hattersheimer Freibad so wichtig für Sie?

Ich habe drei Kinder und alle gehen gerne ins Freibad. Für sie ist es eine wichtige Freizeitaktivität. Gerade auch weil die Jugendarbeit in Hattersheim derzeit schwierig ist. Ich freue mich auch richtig auf die Eröffnung. Ich kann wegen einer Verletzung am Bein seit längerem keinen Sport mehr machen, aber schwimmen geht. Und so geht es sicher nicht mir allein. Das Bad hat auch einen wichtigen gesundheitlichen Aspekt. Es ist eine Einrichtung, die die Stadt liebenswert macht. Es wäre fatal, wenn die Stadt immer weiter wächst und gleichzeitig öffentliche Einrichtungen wie das Bad abgebaut werden. Ich möchte Hattersheim nicht als reine Schlafstadt sehen.

Das Interview führte Jennifer Hein

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