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Hattersheim Gemeinschaftsgrab für Tote von der Baustelle

Der Hattersheimer Bürgermeister Klaus Schindling will sich für die Wiederbestattung der Gebeine einsetzen und verhandelt mit dem Investor.

Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) will alles daran setzen, dass die Gebeine der Toten, die zurzeit bei Bauarbeiten für sechs Reihenhäuser auf dem Areal des alten Eddersheimer Friedhofes in der Bahnhofstraße ausgegraben werden, würdevoll wiederbestattet werden. Das sagte der Hattersheimer Verwaltungschef gestern der Frankfurter Rundschau. Er führe dazu Gespräche mit dem Käufer des Grundstücks, das bis vor kurzem der katholischen Kirchgemeinde Sankt Martinus gehörte. Diese hatte in den 1950er Jahren einen Kindergarten auf dem vor mehr als hundert Jahren aufgelassenen Friedhof errichten lassen. Die Gräber wurden nie entfernt.

Just am katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt am vergangenen Dienstag rollten die Bagger an, um die Baugrube auszuheben. Die Eddersheimer Bürgerinitiative für Umweltschutz (BfU) rund um Frank Wolf hatte zuvor monatelang versucht, das Bauvorhaben zu verhindern, war aber trotz regem Schriftwechsel mit dem Main-Taunus-Kreis und dem Bistum Limburg gescheitert.

„Der derzeitige Anblick der Toten ist grausam“, berichtete ein Eddersheimer der FR. Gräber würden durch die Bagger geöffnet, Leichname sichtbar. Die mit den Arbeiten beauftragte Firma gehe „äußerst rabiat“ gegen die Anwohner vor. Als Dienstagnachmittag ein starkes Gewitter über Eddersheim niederging und die Baugrube binnen Minuten in eine Schlammwüste verwandelte, hätten viele Anwohner von „einem Zorn Gottes, angesichts diese Frevels am katholischen Feiertag“ gesprochen.

Bürgermeister Klaus Schindling ist nun bemüht, die Wogen zu glätten. Er sei gestern selbst auf der Baustelle gewesen, sagte er der FR. Wie im Kaufvertrag festgeschrieben, würden die Gebeine der Toten von Archäologen ausgegraben und geordnet beiseite gelegt. Noch sei unklar, um wie viele Menschen es sich handle. „Wenn die Ausgrabungsarbeiten beendet sind, werden wir entschieden, wie es weitergeht“, so Schindling.

Womöglich werde ein Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof in Eddersheim angelegt, um die sterblichen Überreste darin beizusetzen. Auch eine Gedenktafel mit den Namen der Verstorbenen könnte angebracht werden. „Dazu müssen wir in den Kirchenbüchern nachforschen“, sagt Schindling.

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