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Hattersheim Beim Sparen geht's um Details

40 Leute nutzen die zweite Bürgerwerkstatt zum Schutzschirm, um mit Parlamentariern und Verwaltungsmitarbeitern über Einsparpotenziale der Stadt Hattersheim zu sprechen.

Moderatorin Stefanie Heng-Ruschek notiert Vorschläge. Foto: M.Schick

In einigen Gesichtern bleiben Fragezeichen zurück, nachdem Stadtkämmerer Werner Roser die Fehlbedarfe im Haushaltsplan erklärt hat. Doch auch ohne alle Details zu kennen, wollen gut 40?Hattersheimer am Dienstagabend bei der zweiten Bürgerwerkstatt in der Stadthalle mit Parlamentariern und Verwaltungsmitarbeitern über Einsparpotenziale der Stadt sprechen. Sie teilen sich in vier Gruppen auf, geleitet von je einem Moderator.

Was allen klar ist, es geht darum, bis 2020 über fünf?Millionen Euro jährlich einzusparen, wenn man die Entschuldungshilfen des Landes Hessen annehmen will. Entschieden wird das Ende des Jahres. Bis dahin sollen die Bürger Vorschläge machen. Vor allem an laufende Kosten müsse man da denken, sagt Roser. Einmalige Einsparungen brächten nicht viel. Diesmal stehen die freiwilligen Leistungen auf dem Programm. Dazu gehören beispielsweise die Ferienspiele, das Tiergehege und das Schwimmbad, genauso wie die Bücherei, das geplante Stadtmuseum und die Ausbildung von Praktikanten.

Der Hattersheimer Peter Jost (52) ist zum ersten Mal bei den Bürgerwerkstätten dabei. Er hat sich dem Arbeitskreis Umwelt, Verkehr und Sicherheit angeschlossen. „Ich finde die Werkstätten gut, aber umfangreich“, sagt er. Die Verwendung öffentlicher Gelder zu verstehen, sei schwierig. Und erst recht, Vorschläge zum Sparen zu machen. „Da muss man Hintergrundwissen haben.“ Den Busverkehr reduzieren oder die Mainfähre dichtmachen? Moderator Dieter Herrchen diskutiert mit seinem Arbeitskreis. Die Fähre soll bleiben, sind sich alle einig. Bei den Bussen könne in Zukunft sicher einiges gespart werden. Doch wo und wie viel genau?

Sind freiwillige Leistungen wirklich nötig?

„Da ist mehr Detailwissen gefragt“, resümiert die Gruppe. Das notiert Herrchen unter den Punkt Anmerkungen auf dem Flipchart.

Leichter als zu formulieren, wo gespart werden kann, ist es für Peter Jost zu sagen, wo auf keinen Fall Leistungen wegfallen dürfen. Nämlich beim Freibad. „Das Schwimmbad ist ein sozialer Treffpunkt“, sagt er. Seine Idee: Einen Sponsor suchen, der dem Bad seinen Namen leiht und dafür Geld zahlt. „Ich hätte zum Beispiel kein Problem mit einem Globus-Bad“, sagt Jost. „Früher hieß es ja auch Sarotti-Bad.“

Knapp zwei Stunden saß Doris Brunnhöfer (70) im Arbeitskreis zu Stadtentwicklung, Finanzen, Verwaltung und öffentliche Gebäude. „Für den Aufwand kommt zu wenig heraus“, sagt die Hattersheimerin. Sparen will sie, aber es dürfe weder die ganz Alten noch die ganz Jungen treffen. Moderator Roland Strunk hat zwar eine Menge Anregungen notiert. Doch wie in allen Gruppen geht es oft um Detailfragen.

Wie beim Thema Alter Posthof, dessen Räume die Vereine kostenlos nutzen. Die anfallenden Kosten müssten auf die Veranstalter umgelegt werden, finden die Bürger. Aber welche sind das? Was kostet zum Beispiel der Hausmeister? „Einzelposten beleuchten“, schreibt Strunk unter anderem auf eines der Poster.

Eines ist allen bei den Bürgerwerkstätten klar, Doris Brunnhöfer bringt es auf den Punkt: „Wir müssen unsere Wünsche zurückschrauben.“ Doch die Themen sind komplex. Damit bei den Einsparbemühungen wirklich etwas zusammenkommt, muss man an die großen Posten ran. Mit 400.000 Euro bezuschusst die Stadt etwa das Schwimmbad. 120000 Euro gibt sie für Seniorenangebote aus. Notwendige Ausgaben? Das werden am Ende die Stadtverordneten entscheiden. Das Land Hessen könne nicht wollen, dass alle freiwilligen Leistungen gestrichen werden, sagt Stadtkämmerer Werner Roser. „Es will vor allem die Bereitschaft zu sparen sehen.“ Ob das reicht, werden die Verhandlungen mit dem Land zeigen, die Ende August beginnen.

Die Bürgerwerkstätten hält Bürgerin Doris Brunnhöfer für eine tolle Sache. „Aber es kommen zu wenige“, sagt sie. Tatsächlich sind es in vielen Arbeitsgruppen vor allem städtische Mitarbeiter und Politiker, die diskutieren. Ob da wirklich neue Ideen zusammenkommen, wird sich bei der Vorstellung der Ergebnisse am 11.?September zeigen.

Zur dritten Bürgerwerkstatt lädt die Stadt am 28.?August, 19.30?Uhr, in die Stadthalle am Karl-Eckel-Weg ein. www.hattersheim-schutzschirm.de

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