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Hattersheim Archäologie Keine Keltengräber

Archäologen entdecken an der Schulstraße in Hattersheim eine neuzeitliche Siedlung. Ihre genaue Datierung ist schwer. Die Wissenschaftler finden keine Materialien, die Aufschluss über die genaue Zeit geben. Eins ist jedoch sicher. Kelten haben dort nicht gelebt.

28.08.2013 09:04
Giuseppe Rondinella
Archäologe Andreas König dokumentiert die Ausgrabungen in der Schulstraße. Foto: Martin Weis

Für Grabungstechniker Michael Obst herrschen zurzeit beste Arbeitsbedingungen. Weil es vor zwei Tagen geregnet hat und das Wasser in den Boden gesickert ist, lässt sich der Humus leicht abtragen. Mit einem so genannten Abzieher begibt sich Obst auf Spurensuche – und wird fündig. Leichte kreisrunde Verfärbungen sind im Boden zu sehen. Für den Experten vom Landesamt für Denkmalschutz ein klares Indiz: „An dieser Stelle befand sich ein neuzeitlicher Pfosten.“

Das Areal zwischen der Heinrich-Böll-Schule und dem Evim-Seniorenzentrum gleicht zurzeit einer großen Baustelle. Bis dort jedoch die Bauarbeiter und Architekten zu Werk gehen, durchkämmt seit Juli ein Team von sieben Archäologen das dreieinhalb Hektar große Gebiet.

Die Fachleute aus Wiesbaden sind auf Spurensuche nach historischen Überresten im Boden. Damit die Experten Zugang zu den interessanten Erdschichten haben, hat ein Bagger bereits 50 Zentimeter abgetragen.

Anders als vermutet, hat es das Archäologen-Team mit einer ehemaligen Siedlung aus der Neuzeit zu tun. Da vor einigen Jahren auf dem Areal des benachbarten Spielplatzes rund 60 Kelten-Gräber gefunden wurden, rechneten die Experten eigentlich damit, dass sich dieser historische Friedhof auf dem jetzigen Untersuchungsgebiet weiterzieht. Solche „Verdachtsflächen“, wie sie in der Archäologie heißen, haben ihren Namen nicht ohne Grund, weiß Grabungsleiter Obst. In viele Fällen bestätigen sich die Vermutungen. Dass nun, anders als erwartet, neuzeitliche und nicht keltische Überreste zu Tage treten, ist allerdings auch nichts Ungewöhnlich. „Letzten Endes müssen wird immer mit einer Überraschung rechnen.“

An anderer Stelle auf dem Gelände ist ein etwa ein Meter tiefes rechteckiges Loch gegraben. Zu erkennen seien dort die Rückstände einer sogenannten Schlitzgrube, einer typischen Siedlungsspur aus der Neuzeit, berichtet der Archäologe. Die Grube, die am unteren Ende spitz zusammenläuft, wurde wahrscheinlich zum Jagen genutzt. Tiere fielen hinein und blieben stecken.

Die Datierung fällt schwer

Eine genaue Datierung der Grube sei äußerst schwer, sagt Michael Obst. „Sie enthält leider kein Fundmaterial wie beispielswiese Keramik.“ Die habe man an anderer Stelle auf dem Gelände gefunden. Neben Keramikscherben sind auch 300 Jahre alte Nägel ans Tageslicht befördert worden. Auch sie deuten darauf hin, dass dort früher eine Siedlung stand.

Im Laufe der Ausgrabungen seien noch zahlreiche Funde zu erwarten. Man rechne, so Obst, mit Arbeitsrückständen von Handwerkern, Webern oder Steinmetzen. „Eben alles was zu einer Siedlung dazugehört.“ Auch sei noch nicht geklärt, ob es sich hier um eine befestigte Siedlung handelt. Auszuschließen seien zumindest Rückstände von Fischerei. Obst: „Der Main ist einfach zu weit entfernt.“

Mit einem sogenannten Tachymeter werden alle Befunde vermessen und in ein Koordinatensystem übertragen. Am Ende ergibt sich so eine digitale Landkarte der Siedlung. Bis dieses Gesamtbild fertig ist, vergeht allerdings noch viel Zeit. Erst Mitte nächsten Jahres sollen die Grabungsarbeiten abgeschlossen sein. Danach werden Ein- und Mehrfamilienhäuser auf dem Gelände gebaut.

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