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Hanau Schmuckkunst mit Tier-Faible

Eine Ausstellung zeigt 150 Werke der Stadtgoldschmiedin Tabea Reulecke. Reisen bringen ihr viele Anregungen.

Tabea Reulecke
Vielseitig: Tabea Reulecke ist nicht nur eine ausgezeichnete Schmuckkünstlerin, sondern auch Zeichnerin. Foto: Monika Müller

Reisen hinterlassen Spuren“, sagt die Schmuckkünstlerin Tabea Reulecke. Dabei entstünden neue Geschichten und Kreaturen, reale wie fiktive. Als sie länger in Chile war, sind ihr die vielen Straßenhunde aufgefallen – und zu Hauptfiguren ihrer dort entstandenen Stücke geworden. Als sie in Thailand Sehnsucht nach üppigem deutschen Frühstück bekam, ließ sie sich von Freunden Fotos mit deren Lieblingsfrühstück schicken – und fertigte anschließend etwa Ei-, Käse- und Wurstscheiben aus Kupfer und Email.

Und in Hanau? Hier wurde die Diplom-Designerin aus Berlin von einer Jury um Christianne Weber-Stöber, die Leiterin des Deutschen Goldschmiedehauses, zur Stadtgoldschmiedin 2017/18 ernannt. An der Staatlichen Zeichenakademie arbeitete sie fünf Wochen an neuen Schmuckstücken und lehrte dort. Jetzt ehrt das Goldschmiedehaus sie mit einer großen Ausstellung. Die Schau mit dem Titel „Zur rechten Zeit am rechten Ort“ zeigt 150 Werke, die in 17 Jahren in mehr als 20 Werkstätten auf der ganzen Welt entstanden sind: etwa Broschen, Ringe, Halsschmuck, aber auch Zeichnungen und Installationen.

Auch in Hanau ging die 36-Jährige, die unter anderem schon in Japan, Polen und den USA Preise erhielt, neue Wege. Reulecke ist seit Kindheitstagen von den Märchen der Brüder Grimm fasziniert. Sie schuf hier aber keine traditionellen Märchenfiguren, sondern vier ganz eigene Kreaturen aus Kupfer.

Email und Lack, deren Beine teilweise in unterschiedliche Richtungen zu laufen scheinen. Sie erinnern an Tiere, etwa an Vögel, lassen sich aber nicht zuordnen, auch weil sie keine Köpfe haben. Ein bewusstes Weglassen, ein Hinweis darauf, dass Erzählungen und deren Protagonisten erst in unserer Vorstellung wirklich werden. Die Charaktere entstehen in unserem Kopf.

Reulecke bediente sich außerdem erstmals der Technik des Metall-Ätzens. Dabei bilden sich mit Hilfe ätzender Flüssigkeiten Verzierungen. Eine störrische Kreatur, die zu groß für den Emaillierofen war, sägte die Künstlerin in zwei Teile. Das habe eine Blockade gelöst, kurz darauf wurden die lange Zeit farblosen Kreaturen alle bunt. Mit Modellen oder Skizzen arbeitet Reulecke nicht; ihre Figuren verändern sich, wenn sie entstehen.

Spielerisch, modern und mehrdeutig wirken die Stücke von Tabea Reulecke, wobei sich Tiere und tierähnliche Figuren durch ihr gesamtes Werk ziehen und die Entstehungsgeschichte oft eine große Rolle spielt. Goldschmiedehaus-Leiterin Weber-Stöber hebt die Vielseitigkeit von Reulecke hervor. Sie beherrsche zum Beispiel die Technik des Emaillierens sehr gut, sei aber auch eine „fantastische Zeichnerin“ und schaffe es, auf eindrucksvolle Art Holz und Metall zu kombinieren. Sie könne sich als Künstlerin überall „ein Zuhause schaffen“, brauche nur ihr Werkzeug und etwas Platz.

Reulecke unterrichtet inzwischen fest am Berufskolleg der Goldschmiede- und Uhrmacherschule in Pforzheim und wird dort hinziehen. Doch die nächsten Reisen, die Spuren im Werk hinterlassen werden, warten.

Die Stadt Hanau ernennt seit 2004 alle zwei Jahre einen Stadtgoldschmied, der einige Wochen an der Zeichenakademie arbeitet und einen Workshop für Schüler hält. Das Goldschmiedehaus zeigt in einer Ausstellung Werke des Künstlers. Weitere Infos gibt es auf www.goldschmiedehaus.com.

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