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Großbrand in Kelkheim Die Pferde kehren auf den Rettershof zurück

Nach dem Großbrand vor drei Wochen soll der Reitbetrieb auf dem Kelkheimer Hofgut demnächt wieder starten.

Nach Großbrand im Rettershof
Die Boxen an der Reithalle blieben vom Feuer verschont und werden gerade sauber gemacht. Foto: Rolf Oeser

Die Reithalle auf dem Rettershof hat von dem großen Feuer Anfang Juli auch etwas abbekommen. Die Fassade, die direkt an die ausgebrannten historischen Stallungen angrenzt, ist zum Teil verkohlt. Auch das Casino im Obergeschloss ist fürs erste nicht mehr nutzbar. Ansonsten aber blieb die Halle von den Flammen verschont. Für Sandra und Christoph Göb ist das ein absoluter Glücksfall. „Andernfalls müssten wir den Reitbetrieb schließen“, sagen die Pächter des Rettershof-Reitstalles. „Ohne Halle könnten wir hier nicht weitermachen.“

So aber kann es schon am morgigen Donnerstag wieder losgehen mit dem Reitbetrieb. Zwei Dutzend Pferde können dann zurückkehren auf das historische Hofgut zwischen Schneidhain und Fischbach. Mehr als 40 Tiere waren vor dem Brand auf dem Retterhof eingestellt. Weil die Boxen in den historischen Stallungen durch das Feuer unbrauchbar geworden sind, gibt es noch nicht Platz für alle. Knöcheltief steht dort das Löschwasser zwischen angesengten Heuhaufen. Absperrgitter sind aus ihren Verankerungen gerissen. Die Mauern des Stallgebäudes sind größtenteils niedergebrannt, teilweise mussten sie auch nach dem Brand wegen Einsturzgefahr abgerissen werden.

Die Boxen neben der Reithalle und im Erdgeschoss eines der Wohngebäude aber sind heil geblieben. Der Reingungstrupp muss sie noch sauber machen, dann können die Pferde kommen.

Fast alle Besitzer wollten ihre Tiere wieder auf den Rettershof bringen, erzählt Sandra Göb. Dabei dürften ihnen die dramatischen Szenen, die sich vor drei Wochen rund um das Hofgut abspielten, noch in den Knochen stecken. Binnen Minuten habe sich damals die Nachricht von dem Feuer im Pferdestall über die sozialen Netzwerke verbreitet, weiß Göb. Auch Pferbesitzer, die selbst kein Tier auf dem Rettershof hatten, kamen mitten in der Nacht mit Geländewagen und Pferdeanhängern, um zu helfen. 40 Pferde waren von Anwohnern und Angestellten des Reitbetriebes unter Einsatz ihres Lebens aus den brennenden Stallungen gerettet worden. In Panik flüchteten die Tiere anschließend in die umliegenden Taunuswälder. Zwei starben auf der Flucht, sechs verletzten sich so schwer, dass sie noch immer in Tierkliniken behandelt werden müssen.

Stundenlang suchten die freiwilligen Helfer nach den verängstigten Tieren. Jagdpächter halfen mit, die Pferde wieder einzufangen. „Um 8.30 Uhr morgens hatten wir alle zusammen“, sagt Sandra Göb. Untergebracht sind die Pferde seither auf der Reitanlage in der Nachbarstadt Bad Soden, die Göb und ihre Mann ebenfalls betreiben, und in anderen Reit-ställen im Rhein-Main-Gebiet.

Dass die Pferde erneut in Panik geraten könnten, wenn sie an den Brandort zurückkehren, glaubt Göb nicht. Auch die Bagger, die wohl noch wochenlang mit Aufräumarbeiten auf dem Rettershof beschäftigt sein werden, würden die Tiere nicht stören. „Pferde sind neugierig und froh, wenn um sie herum etwas passiert“, sagt sie.

Den Reitbetrieb auf dem Rettershof wollen Sandra und Christoph auf jeden Fall weiterführen. Mit der Stadt, von der sie die Anlage seit 2010 gepachtet haben, liefen zurzeit Gespräche über Schadenersatzzahlungen für den Juli. Christoph Göb spricht von einer fünfstelligen Summe, die in der Kasse fehle, weil die Pferde anderswo untergbracht werden mussten.

Ab August soll bezüglich der Pacht eine Regelung gefunden werden, sodass der Reitbetrieb in reduzierter Form wieder aufgenommen werden kann. Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) hatte bereits Ende letzter Woche angekündigt, er wolle alles daran setzen, die zerstörten Stallungen so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Weil viele Bürger dabei mithelfen wollen, hat die Kommune zwei Spendenkonten eingerichtet. Die Pferdebesitzer haben ebenfalls spontan Spenden gesammelt. Das Geld sei für die Retter der Pferde und die Anwohner des Rettershofes bestimmt, sagte Sandra Göb der FR.

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