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Fluglärm Mit dem Lärm leben

Auch in Eddersheim ist es nach Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest lauter als vorher. Aber nicht nur der Fluglärm, auch der sogenannte Bodenlärm belastet die Flughafenanwohner nun noch stärker.

30.04.2012 22:14
Jöran Harders
Ein Flugzeug im Landeanflug auf die Nordwestbahn über den Dächern von Eddersheim. Foto: Michael Schick

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Langsam fliegt der Jumbo über die Köpfe der Gruppe hinweg. Mikrofone von Lärmmessgeräten werden hochgehalten, die Anzeigen der Messgeräte klettern auf fast 80 Dezibel. Die Hattersheimer Ruhebeauftragte hatte zu einem Lärmspaziergang nach Eddersheim eingeladen, um zu demonstrieren, was ohnehin alle wissen: Auch in Eddersheim gibt es nach der Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest mehr Flughafenlärm als vorher. Der zusätzliche Lärm kommt zum größten Teil durch die veränderten Flugrouten zustande, die zum Anflug der neuen Bahn notwendig sind. Aber nicht nur der Fluglärm selbst ist in Eddersheim und den meisten umliegenden Orten angestiegen, auch der sogenannte Bodenlärm belastet die Flughafenanwohner nun noch stärker.

Bodenlärm stört auch nachts

Als „ständiges diffuses Grummeln“ sei der Bodenlärm, der sich aus Geräuschen zusammensetzt, die beispielsweise durch Probeläufe von Triebwerken oder die Fahrt von Flugzeugen von der Park- zur Startposition entstehen, vor allem in Okriftel auch nachts deutlich zu hören, stellte Hensel bei dem Rundgang am Samstag fest. Im Prozess vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, in dem das Nachtflugverbot für den Frankfurter Flughafen Anfang April bestätigt wurde, sei über den Bodenlärm „praktisch nicht verhandelt“ worden, bedauerte die Ruhebeauftragte.

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Daher bringe auch das Nachtflugverbot nicht allen Flughafenanwohnern eine Entlastung. „Was nützt das Verbot den Okriftelern, wenn der Betrieb am Boden die ganze Nacht ungehindert weitergeht?“, fragten sich die Teilnehmer des Spaziergangs. Eine Folge des Nachtflugverbots sei auch, dass in der Zeit kurz vor 22 Uhr und kurz nach 5 Uhr umso mehr geflogen werde.

„Ab fünf ist es bei uns unerträglich“, meinte eine Okriftelerin. In den Randstunden am Abend und am frühen Morgen gebe es schon jetzt bis zu 133 Flugbewegungen ? das läge sogar über dem Wert von 126 Bewegungen pro Stunde, den die Fraport erst für die Zukunft prognostiziert hat, und wäre auf jeden Fall weit mehr als der jetzige vom Flughafenbetreiber angegebene Durchschnitt von 90 Flugbewegungen. Große Hoffnungen, dass es in den Hattersheimer Stadtteilen, in Flörsheim, Kriftel oder anderen besonders vom Fluglärm betroffenen Städten und Gemeinden irgendwann wieder einmal leiser werden könnte, dürften sich die dort lebenden Menschen nicht machen, sagte die Hattersheimer Pressesprecherin Ulrike Milas-Quirin. Es sei auch nicht verwunderlich, dass sich viele Flughafenanwohner mit ihren Sorgen und Nöten von der Fraport alleingelassen fühlten.

Bürger vermissen echten Dialog

„Das Infomobil der Fraport empfinden die meisten als Alibi-Veranstaltung“, so Milas-Quirin. Ein echter Dialog mit den Bürgern finde dort nicht statt. Denn meistens könnten die Fraport-Mitarbeiter auch nichts anderes sagen, als dass es lauter geworden sei und der Lärm auch zukünftig noch mehr werde. „Die sogenannte Fluglärmbekämpfung ist reine Augenwischerei der Fraport“, kritisierte Werner Schuster von der Eddersheimer Bürgerinitiative für Umweltschutz. Eine Reduzierung des Lärms lasse sich einzig und allein durch weniger Flüge erreichen. Da die Fraport das nicht wolle, könne sie den Lärm durch Flugroutenänderungen nur „mal hierhin und mal dorthin verschieben“.

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