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Fluglärm Leben wie im Käfig

Protest gegen die Ergebnisse des Fluglärm-Gipfels

Größere Anflughöhen, veränderte Flugrouten, mehr Schallschutz und eine Ausweitung des Casa-Programms zum Aufkauf von Immobilien in der Einflugschneise – mit einem ganzen Bündel an Versprechungen sind Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Fraport-Chef Stefan Schulte am Mittwoch vor die Presse getreten.

Die Bürger im Main-Taunus-Kreis haben sie damit nicht überzeugt. Noch nicht mal die Flörsheimer, die im Zuge von Casa II in deutlich größerer Zahl ihre Häuser und Wohnungen Fraport zum Kauf anbieten können.

Den Schwerpunkt auf die Entsiedelung der Region durch verstärkten Ankauf von Immobilien und „Käfighaltung“, also bessere Schallisolierung in geschlossenen Räumen, zu legen, sei zu wenig, kritisiert der Bürgermeisterkandidat der Grünen Alternativen Liste Flörsheim (Galf), Sven Heß. Die meisten Menschen wollten in ihrer Heimatstadt bleiben, weil sie familiäre und soziale Bindungen aufgebaut hätten. „Das vorgestellte Maßnahmenpaket ist aus unserer Sicht der lahme Versuch, den massiven Protesten aus der Region etwas entgegenzusetzen und die Region zu spalten“, kommentieren Heß und die Galf-Fraktionsvorsitzende Renate Mohr.

Allenfalls als Teilerfolg zur Verminderung der Lärmbelastung wertet auch Erster Stadtrat und CDU-Bürgermeisterkandidat Markus Ochs das Ergebnis des Fluglärm-Gipfels. Der Christdemokrat will sich besonders für diejenigen in der Stadt engagieren, die nicht aus Flörsheim wegziehen möchten. Er plädiert deshalb für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und fordert auch tagsüber Einschränkungen für den Betrieb der Nordwestbahn. Die extremen Tiefflüge sollten auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden.

Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) sieht zwar das erweiterte Casa-Programm als Möglichkeit für Bürger, dem Fluglärm auszuweichen, ohne allzu gravierende materielle Verluste zu erleiden; allerdings müsse der Stichtag für den Kauf der Häuser deutlich nach hinten verschoben werden – etwa auf das Jahr 2009. Erst ab diesem Zeitpunkt habe man tatsächlich mit dem Bau der Nordwest-Landebahn rechnen müssen. Für all jene, die in Flörsheim wohnen bleiben, fordert Antenbrink besseren Schallschutz, der Stadt solle ein finanzieller Ausgleich zugesprochen werden, damit sie die Lebensqualität für ihre Bürger trotz Fluglärm erhalten kann.

Mit keiner spürbaren Entlastung rechnen die Vordertaunus-Kommunen. Der von der hessischen Landesregierung angekündigte „große Wurf“ sei gründlich misslungen, formuliert die Initiative gegen Fluglärm. Maßnahmen, die den Städten und Gemeinden unter der Gegenanflugroute helfen könnten, wie das Point-Merge-Verfahren oder der konstante Sinkflug, würden zwar im Paket genannt, der Zeitpunkt ihrer Einführung sei aber völlig ungewiss.

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