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Flörsheim Rhein-Main-Deponie erhöht die Preise

Die Geschäftsführung der Rhein-Main-Deponie legt ein Sanierungsgutachten vor. Vorerst ist kein weiterer Personalabbau geplant. Doch die Landkreise müssen jeweils 35,5 Millionen Euro zuschießen.

Rhein-Main-Deponie in Flörsheim
Die Rhein-Main-Deponie braucht fraglos eine Menge Platz. Foto: Renate Hoyer

Heino von Winning ist optimistisch. Er hoffe, dass die Rhein-Main-Deponie-Gesellschaft (RMD) bereits Ende Jahres 2018 eine schwarze Null im operativen Geschäft schreiben werde, sagte der Sprecher der Geschäftsführung des kommunalen Müllkonzerns gestern vor Journalisten. Weil die Verfüllkapazitäten für Deponien in der Region immer knapper werden, habe die Geschäftsführung eine Erhöhung der Preise für die Annahme mineralischer Stoffe und für Bio-Abfall durchsetzen können. Für die Übernahme von Schlacke etwa werde jetzt doppelt so viel verlangt, wie zuvor. „Damit arbeiten wir kostendeckend.“

Auch auf der Ausgabenseite sind seinen Angaben zufolge erste Erfolge des Sanierungskonzeptes sichtbar. So wurde der Maschinenpark verkleinert, und die Gesellschaft hat einige große Baumaschinen günstig für den Restwert gekauft. Sie werden nicht weiter geleast, was ebenfalls Kosten spart.

Im Sanierungskonzept für die finanziell schwer angeschlagene Unternehmensgruppe ist vorgesehen, dass die RMD rund 76 Millionen Euro aus eigener Kraft aufbringt, um langfristig aus den roten Zahlen zu kommen. Liegenschaften wie der Reiterhof in Falkenberg, Grundstücke sowie Verwaltungsgebäude, darunter die Firmenzentrale in Flörsheim-Wicker, sollen verkauft werden. Das Regionalparkhaus in den Weilbacher Kiesgruben übernimmt der Main-Taunus-Kreis. Ursprünglich war davon die Rede, dass 40 Prozent der Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Ein Personalabbau in dieser Größenordnung sei allenfalls bis zum Jahr 2027 vorgesehen, sagt Heino von Winning gestern. „Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt von der weiteren Entwicklung ab.“ Weil in den letzten Wochen einige Mitarbeiter von selbst gekündigt haben, würden zurzeit sogar neue Leute bei der RMD eingestellt.

Dass dem Müllkonzern, dessen Gesellschafter der Main-Taunus- und der Hochtaunus-Kreis sind, in den nächsten zehn Jahren rund 150 Millionen Euro fehlen, habe zu einem Gutteil mit den gestiegenen Nachsorgekosten für die Deponien in Wicker und Brandholz zu tun, erläuterte Marcus Losch, der das Sanierungsgutachten für die RMD ausgearbeitet hat. Sie dürften seit 2017 nicht mehr auf die Müllgebühren aufgeschlagen werden.

Schon seit Monaten steht fest, dass die Landkreise finanziell in die Bresche müssen. Im Dezember letzten Jahres gaben Main-Taunus und Hochtaunus-Kreis kurzfristig eine Patronatserklärung über jeweils 13 Millionen Euro ab, damit die Gesellschaft weiterarbeiten konnte. Im März 2018 war von rund 20 Millionen Euro die Rede, die in den nächsten zehn Jahren pro Landkreis aufgebracht werden sollen, nun sind es sogar bis zu 35,5 Millionen Euro, die jeder der beiden Gesellschafter zur Sanierung der RMD-Gruppe beisteuern soll. Im September müssen Kreisparlamente dazu einen Beschluss fassen.

Dass nun deutlich mehr Geld gebraucht werde, als vor fünf Monaten angekündigt, habe mit einer Entscheidung des Regierungspräsidiums (RP) zu tun, erläuterte Marcus Losch. Die Behörde habe Deponieflächen in Wicker, die bereits verfüllt sind, endgültig nicht genehmigt. Das Material insgesamt 472 000 Tonnen – muss nun innerhalb des Deponiegeländes umgelagert werden. Unter anderem werden dafür die Holzaufbereitungsanlage und der Wertstoffhof verlegt.

Die Ablehnung des RP sei aus formalrechtlichen Gründen erfolgt, erläuterte Heino von Winning und kündigte an, dass aktuell sowohl in Wicker wie auch in Brandholz nach Erweiterungsmöglichkeiten gesucht werde. Beide Deponien seien im Jahr 2023 komplett verfüllt. Neue Kapazitäten würden an beiden Standorten gebraucht. „Dieses Mal wollen wir von Anfang an eng mit den Genehmigungsbehörden zusammenarbeiten“, sagte von Winning. Denkbar sei, „eine Deponie auf der Deponie“ anzulegen, in Wicker habe die Geschäftsführung außerdem ein Areal südlich der B40 als Erweiterungsfläche im Blick.

Das komplizierte Firmengeflecht der kommunalen Müllkonzerns dürfte im übrigen auch bald Vergangenheit sein. Gutachter Marcus Losch empfiehlt eine Verschmelzung der Tochtergesellschaft Main-Taunus-Recycling GmbH und Rhein-Main-Nachsorge GmbH zu einer RMD Deponie GmbH. Die Gespräche mit den Minderheitsgesellschaftern, den Städten, Offenbach, Flörsheim und Hochheim seien im Gange., sagte Heino von Winning. Sie sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

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