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Flörsheim Pest-Musical bricht Rekorde

Das Musical, das in wenigen Tagen zur 350. Wiederkehr des „Pestgelöbnisses“ in Flörsheim uraufgeführt wird, ist fast ausverkauft.

Das Musical wurde zum 350. „Verlobten Tag“ geschrieben. Foto: Rolf Oeser

Mitten im Leben ist der Tod. Petra Spies sagt den Satz mehrmals, während sie über das Musical spricht, das in wenigen Tagen zur 350. Wiederkehr des „Pestgelöbnisses“ in Flörsheim uraufgeführt wird und bei dem sie Regie führt.

Mitten im Alltag sei der Schwarze Tod im Jahr 1666 über die Flörsheimer hereingebrochen. Mitten aus ihrem Leben würden auch heute Menschen durch Krieg und Terror gerissen. Die historische Dramatik, die in der Stadt am Main bis heute in den alljährlichen Feiern zum „Verlobten Tag“ ihren Niederschlag findet, wolle sie in ihrer Inszenierung in Beziehung setzen zur Gegenwart und auch den Blick in die Zukunft werfen – auf das, was vielleicht noch kommt, sagt die Theaterpädagogin der FR.

Das Musical „Solang hier stehet Stein auf Stein“ war von Anfang an als Theaterprojekt konzipiert, bei dem möglichst viele Menschen aus Flörsheim mitmachen sollen. Das ist gelungen. 200 Mitwirkende werden am kommenden Wochenende auf der Bühne in der Stadthalle als Schauspieler, Sänger und Musiker auftreten. Sie sind allesamt keine Profis, haben bestenfalls langjährige Gesangserfahrung wie die Mitglieder des Flörsheimer Volksliederbundes und des Schulchores der Graf-Stauffenberg-Schule oder wie Thomas Horn-Califice, der die Hauptrolle des Pfarrers Laurentius Münch übernommen hat. Mitte des 17. Jahrhunderts musste der Seelsorger hilflos zusehen, wie in dem kleinen Maindorf innerhalb kürzester Zeit ein Drittel der Bevölkerung an der Pest starb.

Das Libretto zu „Solang hier stehet Stein auf Stein“ stammt von Eugen Eckert, der evangelischer Pfarrer in der Frankfurter Commerzbank-Arena ist und schon diverse Oratorien, Singspiele und Kantaten geschrieben hat. Die Musik zum Flörsheimer Pest-Musical haben Schüler der zehnten Klasse des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums gemeinsam mit ihrem Lehrer Bernhard Frank komponiert. Fast zwei Jahre hätten sie daran gearbeitet, sagt Frank der FR.

Außer dem Choral „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach wurden keine historischen Stilmerkmale verwendet. Stattdessen kommt mit Gospel-, Blues- und Rockrhythmen Gegenwartsmusik auf die Bühne. Der Musikverein Flörsheim und das Schulorchester ergeben einen mächtigen Klangkörper mit mehr als 70 Musizierenden.

Während der 100 Minuten dauernden Musical-Aufführung, die ohne Pause durchgespielt wird, ist der große Saal in der Flörsheimer Stadthalle eine einzige Bühne, in die die rund 550 Zuschauerplätze integriert sind. Ein stilisierter Straßenzug, der zum Haus des Schneiders oder zum Gasthof umfunktioniert werden kann, der Friedhof mit einfachen Holzkreuzen und eine Kirchenbank sind Spielstätten, die sich im Raum verteilen. Die Eingangstüren der Stadthalle stellen die Flörsheimer Stadttore dar. Zentral im Saal steht ein Brunnen, der die Dorfmitte symbolisiert.

In schlichten Erdtönen gehalten sind die Kostüme und die aus Holz und Stoff gebauten Kulissen, die alle von ehrenamtlichen Helfern angefertigt wurden. Damit die Bezüge zwischen historischer Handlung und Gegenwart leichter hergestellt werden können, tragen die jugendlichen Chorsänger Jeans und die junge Frau, die als Prostituierte arbeitet, hat ein modernes geblümtes Kleid an.

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