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Flörsheim „Jugendlichen fehlen oft Freiräume“

Seit 15 Jahren kümmert sich Markus Singer von der Mobilen Beratung um junge Leute und Süchtige.

Markus Singer mit seinem Piaggio-Dienstmobil. Foto: Martin Weis

Fünfzehn Jahre hält ihn Flörsheim schon in seinem Bann. Markus Singer hat wenige Wochen nach der Jahrtausendwende im städtischen Verwaltungsgebäude in der Eddersheimer Straße 4 die Mobile Beratung Flörsheim aufgemacht. Der Diplompädagoge und sein Team kümmern sich seither um Kinder- und Jugendarbeit in der Mainstadt. Mit dem Einsatz der externen Dienstleister hat Flörsheim damals neue Wege eingeschlagen.

Schwerpunktthema Alkohol

Der heute für die Kinder- und Jugendarbeit zuständige Erste Stadtrat Sven Heß (Grüne) schätzt nicht nur das Engagement und die Kompetenz des Teams, sondern lobt auch dessen „Fähigkeit, auf der Grundlage begrenzter finanzieller Mittel“ immer wieder attraktive Angebote zu schaffen.
Markus Singers erste Aufgabe in Flörsheim war es, den Jugendtreff im ehemaligen Güterschuppen wiederzueröffnen. Zugleich hat er auf den Straßen Kontakte zu jugendlichen Gruppen geknüpft.

Die Mobile Beratung begann bald, Konzerte, Freizeiten und den Mitternachtssport zu organisieren. Im Güterschuppen trafen sich Breakdancer. Aber auch Suchtkranke und -gefährdete sowie Jugendliche in schwierigen Lebenslagen wandten sich gleich im ersten Jahr an die Beratungsstelle.

Voriges Jahr kamen 80 Menschen in die Beratung, knapp 50 davon zu regelmäßigen Gesprächen. Singer: „Der Konsum von illegalen Suchtmitteln spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle; Alkohol ist das Schwerpunktthema.“ 72-jährig ist der älteste Klient. Der Kern der Betroffenen ist zwischen 35 und 50. Manche benötigen Hilfe bei der Suche nach einer Entgiftung.

Vielen helfe es aber schon, wenn ihnen jemand zuhört und mit ihnen eine Strategie zum Umgang mit Problemen entwickelt. Auch nach einer Therapie sei die Mobile Beratung oft die erste Anlaufstelle. „Motivierende Begleitung“ ist dann die Devise, wenn es darum geht, mit klar gewordenem Kopf den Alltag neu zu regeln.

Schon in den ersten wärmeren Tagen waren Singer und seine Leute nun wieder mit dem kleinen, von der Bürgerstiftung gespendeten Dreirad-Fahrzeug in Parks und auf Plätzen unterwegs, Jugendlichen das Gespräch anzubieten. Regelmäßigen Kontakt pflegen die heute 15 Honorarkräfte des Teams in den Kinder- und Jugendtreffs der Stadtteile. Diese sind auch das Betätigungsfeld von Julia Kunz, die Soziale Arbeit studiert hat und nun bei der Mobilen Beratung ihr Anerkennungsjahr macht.

Das Angebot von MobFlo(h), wie sich die Mobile Beratung Flörsheim besonders seit ihrer Motorisierung manchmal nennt, ist aber noch viel weiter. Im Jugendinformationsbüro im Güterschuppen bekommt man beispielsweise in der Eurodesk-Servicestelle Auskunft über mögliche Auslandsaufenthalte – von Jugendbegegnungen bis Au Pair. Alle Jahre wieder in der warmen Jahreszeit haben die Teammitarbeiter auch in Nachbarschaftskonflikten zu moderieren. Singer: „Jugendlichen fehlen heute oft unreglementierte Freiräume.“

Die Mobile Beratung engagiert sich auch medienpädagogisch und wurde mit ihrem Handyprojekt sogar schon vom belgischen Jugendminister eingeladen. Zudem organisiert sie Ferienprogramme für Kinder, Familienfreizeiten in der Natur sowie Jugendfreizeiten in Städten.

Und im Herbst soll eine App von ihr mittels QR-Codes den Weg zu Ausbildungsstellen im Main-Taunus-Kreis weisen. Und dass vor der Weilbachhalle ein von Jugendlichen gern genutzter Unterstand errichtet worden ist, geht auch auf eine MobFlo(h)-Anregung zurück.

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