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Flörsheim „Das Wir-Gefühl in der Stadt stärken“

Der neue Rathauschef Bernd Blisch will Bürger mehr in die Pflicht nehmen

Bernd Blisch
Bernd Blisch ist seit 1. November Flörsheimer Bürgermeister. Foto: Michael Schick

Bernd Blisch hat in den vergangenen Tagen viele Hände geschüttelt. Er war bei runden Geburtstagen zu Gast, hat sich den Mitarbeitern der Stadtverwaltung vorgestellt, mit Amtsleitern und Kommunalpolitikern gesprochen und die Flörsheimer Fastnachtskampagne miteröffnet. Seit seinem Amtsantritt als Rathauschef vor zwei Wochen ist ihm kaum eine freie Minute für Privates geblieben. Und trotzdem: „Bürgermeister zu sein, ist wunderbar“, sagt der 55-Jährige. Der Tag Ende Mai, als er die Wahl gegen Amtsinhaber Michael Antenbrink (SPD) mit Riesenvorsprung gewann, sei der schönste in seinem Leben gewesen, hatte Blisch bereits bei seiner Amtseinführung formuliert.

Bis 2001 leitete der gebürtige Flörsheimer und promovierte Historiker das Kulturamt in seiner Heimatstadt. In den vergangenen 17 Jahren arbeitete er im Wiesbadener Stadtmuseum, ehe ein Bündnis aus CDU, Grüner Alternativer Liste Flörsheim (Galf), FDP und Freien Bürgern ihn zum Bürgermeisterkandidaten kürte. Als Ziel einte die vier Fraktionen, den als „Machtmenschen“ verschrienen Sozialdemokraten Antenbrink loszuwerden.

Bernd Blisch, der sich selbst im Wahlkampf stets als „Moderator“ bezeichnete, mag über die kommunalpolitisch schwierigen Zeiten und die heftigen Wortgefechte im Parlament, die seiner Wahl vorausgegangen sind, nicht viel sagen. Ebenso wenig ist ihm zu entlocken, mit welchen politischen Mehrheiten er in Zukunft rechnet. Ausgrenzen wolle er niemanden, macht er deutlich und will erst mal abwarten, wen das Stadtparlament als Ersten Stadtrat küren wird, wenn die Amtszeit von Sven Heß (Galf) im Sommer 2019 ausläuft. Erst danach werde er über die Dezernatsverteilung entscheiden, kündigte er im Gespräch mit der FR an. Einzig die Kultur hat Bernd Blisch schon mal zur Chefsache gemacht.

Eine Hängepartie beim Haushalt wie in diesem Jahr soll es 2019 nicht mehr geben. Dazu sei er mit dem Kämmerer im Gespräch, sagt er. Damit die Kerb mangels städtischer Zuschüsse nicht wieder auf der Kippe steht, schwebt ihm die Gründung eines Fördervereins für Brauchtum vor. Um die Ausrichtung des Weihnachtsmarktes könnten sich künftig die Vereine kümmern. Und die Flörsheimer Bürger will Blisch motivieren, Patenschaften für Bäume und städtische Grünflächen zu übernehmen, damit der Baubetriebshof entlastet wird. „Ich möchte das Wir-Gefühl ist der Stadt stärken. Ich könnte mir vorstellen, dass das in Flörsheim funktioniert.“

Das eine oder andere große Rad wird Bernd Blisch als Bürgermeister in den nächsten Jahren allerdings auch drehen müssen: Stadtentwicklungskonzept, die Konsolidierung des Haushaltes und die kleinteilige Entwicklung des Gewerbegebietes West V nennt er als zentrale Themen. Bei der finanziell schwer angeschlagenen Rhein-Main-Deponie in Wicker müsse sich die Stadt trotz Neustrukturierung Einfluss sichern; außerdem müsse sie mitbestimmen können, was auf dem Areal des ehemaligen Marienkrankenhauses passiere. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, könne man weiter darüber nachdenken, die Terra zu einer schlagkräftigen städtischen Wohnungsgesellschaft zu machen.

Das Bürgermeisterzimmer mit den schweren grauen Schränken und den Bildern, die noch sein Vorgänger ausgesucht hat, will Bernd Blisch demnächst umgestalten. Er will ein paar Bücherregale anschaffen und ein Bonsai-Bäumchen auf den Schreibtisch stellen. 2001 hat er es als Abschiedsgeschenk von seinen Rathauskollegen bekommen.

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