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Flörsheim Briefe aus dem Krieg

Nach 75 Jahren erreicht Feldpost aus Russland die Familie. Tochter weiß nun, wo der vater begraben ist.

Irmgard Rohlinger und Michael Antenbrink. Foto: (Extern)

Am 21. Februar 1943 schreibt der Soldat Eugen Halbach seiner Frau Else einen Brief und adressiert ihn an die Eisenbahnstraße: „Daumen drücken, vielleicht haben wir Glück, dass wir aus Russland raus kommen.“ Der 34 Jahre alte Vater einer siebenjährigen Tochter ist Grenadier bei der Wehrmacht. Wie Stadtsprecher Andreas Wörner berichtet, erhält nun 75 Jahre später Irmgard Reinhold, so heißt Eugen Halbachs Tochter, nun die Feldpost ihres Vaters.

Als Halbach den Brief schrieb, im März 1943, besucht Irmgard seit einem guten halben Jahr die Schule in Flörsheim – lange genug, um zum ersten Mal eigenhändig einen Brief zu schreiben: „Lieber Papa, auch ich will Dir einige Grüße senden von der Heimat.“ Doch der Brief erreicht den Empfänger nicht, der Umschlag trägt den Stempel „Zurück an Absender“. Am Morgen des 20. März 1943 war Eugen Halbach einer Bauchverletzung erlegen. Auf dem Soldatenfriedhof Shatomlja wurde er begraben.

Wo die Briefe über Jahrzehnte hinweg lagen, wer sie schließlich ausfindig gemacht hat – all das sind offene Fragen. Die Schriftstücke wurden Flörsheims Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) von einer Frau am Rand einer Veranstaltung übergeben – verbunden mit der Bitte, sie den Nachkommen der Adressaten zukommen zu lassen. An den Namen der Überbringerin erinnert sich der Bürgermeister nicht mehr. Neben den beiden Briefen befindet sich in dem Bündel unter anderem ein handschriftlich verfasstes Schreiben jenes Oberstabsarztes, der auf dem Hauptverbandsplatz vergeblich versucht hatte, Eugen Halbach das Leben zu retten. Dieser Brief ist offenbar die offizielle Todesnachricht gewesen, jedenfalls ist er auf dem Flörsheimer Bürgermeisteramt mit Schreibmaschine abgetippt und die Abschrift mit dem Dienstsiegel amtlich beglaubigt worden.

Eine Recherche in den alten Einwohnermeldeakten der Stadt Flörsheim ergab, dass Eugen Halbachs Tochter Irmgard im Jahr 1960 nach Michelstadt im Odenwald verzogen ist. Dort empfing sie Bürgermeister Antenbrink. „Bislang wusste ich nicht, wo mein Vater begraben wurde“, sagt Reinhold. Lediglich eine Fotografie des Grabes sei der Familie damals zugeschickt worden. Umso mehr ist freut sie sich, die Briefe nun in Händen halten. kek

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