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Eschborn Eine Patin für Flüchtlinge

Uta Grote kümmert sich um Asylbewerber. Drei Familien betreut die Eschbornerin. Und der Arbeitskreis Flüchtlinge, in dem sie sich engagiert, sucht weitere Helfer.

01.06.2016 18:48
Von Jöran Harders
Uta Grote zu Besuch bei Baharedin Ahmed, Fatiya Genna und Sohn Duresa (von rechts). Foto: Michael Schick

"Es sind nicht unbedingt weltbewegende Dinge, sondern die kleinen alltäglichen Probleme, bei denen ich helfe“ – so beschreibt Uta Grote ihre Arbeit als Flüchtlingspatin. Schon lange hatte sich die 73-Jährige ehrenamtlich engagieren wollen; als 2013 der Arbeitskreis Flüchtlinge gegründet wurde, war sie von Anfang an mit dabei. Sich um Flüchtlinge zu kümmern, sei naheliegend gewesen. „Die Asylbewerberunterkunft war nur hundert Meter von meiner Wohnung entfernt“, erzählt Grote.

Drei Familien betreut die Eschbornerin. Eine davon ist die von Baharedin Ahmed, der mit seiner Frau Fatiya Genna vor gut zwei Jahren aus Äthiopien nach Deutschland gekommen ist. Weil nach Möglichkeit alle der 200 derzeit in der Stadt lebenden Flüchtlinge von Paten betreut werden sollen und außerdem noch bis zu 150 weitere Asylbewerber erwartet würden, ruft die Koordinatorin für die Flüchtlingshilfe, Christiane Otter, interessierte Bürger dazu auf, ebenfalls als Flüchtlingspaten tätig zu werden.

Da die Paten sich wie in einem gut funktionierenden, nachbarschaftlichen oder verwandtschaftlichen Verhältnis um die Flüchtlinge kümmern, sei die Hilfe persönlich, unbürokratisch und effizient. Bereits jetzt könne festgestellt werden, dass Flüchtlingspatenschaften die Integration fördern und den Asylbewerbern auch das Erlernen der deutschen Sprache erleichtern, bilanziert Otter.

Uta Grote stammt selbst aus einer Flüchtlingsfamilie: „Meine Eltern waren aus Schlesien.“ Weil sie sich als Kind in ihrer neuen Heimat trotzdem stets willkommen gefühlt habe, wolle sie dieses Gefühl auch denjenigen Menschen vermitteln, die vor Krieg, Hunger oder Armut aus Krisengebieten in aller Welt nach Deutschland fliehen müssen.

Keine Berührungsängste

Baharedin Ahmed und Fatiya Genna haben Äthiopien verlassen, weil sie sich dort als Angehörige der Volksgruppe der Oromo nicht mehr sicher fühlten. Wegen ihrer angeblichen Opposition zur Regierung sind die Oromo laut Amnesty International immer wieder willkürlichen Verhaftungen ausgesetzt. In Eschborn hat das Ehepaar mittlerweile einen kleinen Sohn bekommen. Er heißt Duresa und ist eineinhalb Jahre alt.

Bei ihren regelmäßigen Besuchen in der Wohnung, in die die Familie inzwischen aus dem Asylbewerberheim umziehen konnte, schaut Uta Grothe nach dem Rechten und fragt, ob „ihre“ Flüchtlinge etwas auf dem Herzen haben. Manchmal geht sie auch mit ihnen zu Veranstaltungen, beispielsweise zu einem Frühstück, das der Turnverein für Flüchtlinge veranstaltet hat. Mit Baharedin Ahmed war sie auch bei der Arbeitsagentur. Der 24-Jährige, der zurzeit einen Deutschkurs macht, sucht ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle – am liebsten als Tischler oder Elektroniker.

Berührungsängste gegenüber Menschen aus fremden Ländern kennt Uta Grote nicht, auch wenn sie natürlich die Muttersprache der von ihr betreuten Familien nicht beherrscht. „Verständigen kann man sich immer irgendwie“, sagt Grote. In ihrem früheren Beruf – die Eschbornerin hat viele Jahre lang für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit gearbeitet – machte sie zahlreiche Geschäftsreisen nach Asien und Afrika.

Erster Stadtrat Thomas Ebert (Grüne) bezeichnet die Flüchtlingspatenschaften als wichtigen Beitrag zur Integration. „Der persönliche Kontakt auf Augenhöhe ermöglicht es, voneinander zu lernen und längerfristige Beziehungen oder Freundschaften aufzubauen“, so der Politiker.

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