Lade Inhalte...

Eschborn Bürgermeister schlägt zurück

Nach dem Koalitionsbruch erhebt Geiger schwere Vorwürfe gegen den SPD-Baudezernenten.

Adolf Kannengießer (SPD), seit eineinhalb Jahren als ehrenamtlicher Stadtrat mit dem Baudezernat in Eschborn betraut, hat Ende voriger Woche seinen Rücktritt bekanntgegeben und diesen Schritt mit seiner „Entmachtung“ durch Bürgermeister Geiger (FDP) begründet.

Am gestrigen Montag hat Geiger Kannengießer von seinen Aufgaben entbunden und seinerseits heftige Vorwürfe gegen den 67-Jährigen erhoben, der in seiner beruflich aktiven Zeit unter anderem Büroleiter des früheren Frankfurter Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD) war. Kannengießer habe als Eschborner Baudezernent „ausschließlich bereits weit vorangeschrittene Projekte in die Bauphase überführt und sich stellenweise in unbedeutenden, weder im Auftrag noch im Fokus stehenden Maßnahmen verzettelt“, heißt es in der Stellungnahme, die Geigers Büro an die Presse verschickt hat. „Ein Vorantreiben brachliegender Projekte wie die Modernisierung der Bahnhöfe Eschborn Mitte und Niederhöchstadt, die Sanierung des Rathauses oder der Neubau der Stadthalle war nicht zu verzeichnen.“

Den Vorwurf, er habe Kannengießer wesentliche Teile seines Dezernates, etwa die Stadtentwicklung, entzogen, weist Geiger zurück. Der im Kooperationsvertrag zwischen SPD, Freien Wählern, FDP und Linken vereinbarte Zuständigkeitsbereich Planen und Bauen werde durch die von ihm vorgenommene Umstrukturierung nicht mal ansatzweise berührt.

Sowohl das Eschborner Stadtplanungsamt als auch die gesamte Bauverwaltung hätten Kannengießer nach wie vor betreuen sollen, betont Geiger. Das vorrangige Ziel der Umorganisation sei die Optimierung von Prozessabläufen innerhalb der Verwaltung gewesen. Gespräche dazu habe es im Vorfeld sowohl mit Kannengießer als auch mit den Fraktionen des Viererbündnisses gegeben. Dass der Baudezernent erst durch eine Rundmail im Rathaus davon erfahren haben will, sei „eine ungeheuerliche Behauptung“, heißt es in Geigers Mitteilung.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz hatten am Freitag auch Sozialdemokraten, Freie Wähler und Linke erklärt, sie hätten nichts von der Umorganisation im Rathaus gewusst und den Schritt des Bürgermeisters mit Bedauern als „Aufkündigung des Viererbündnisses“ interpretiert. Die Kooperation mit der FDP sei damit am Ende.

Anders als die drei Fraktionen kann Geiger der Auflösung der Kooperation, der er vorwirft, den Bau der Süd-Ost-Verbindung blockiert und ihn bei der Resolution gegen das Frankfurter Neubaugebiet westlich der A5 nicht unterstützt zu haben, durchaus Positives abgewinnen. „Aus meiner Sicht ist das kein Unglück, sondern eine große Chance für die Stadt“, teilte der Bürgermeiser gestern mit. „Abstimmungen mit wechselnden Mehrheiten erfordern einen Wettstreit der besten Ideen und beleben zudem die demokratischen Grundwerte unserer Republik.“

In einer ersten Reaktion auf den Bruch des Viererbündnisses forderte die CDU Bürgermeister Geiger auf, sicherzustellen, dass nach dem Rücktritt von Adolf Kannengießer als Baudezernent schnellstmöglichst neue und vor allem effektive Zuständigkeiten festgelegt würden. Nach wie vor warteten die Eschborner Bürger auf die Realisierung wichtiger Projekte: auf den Bau des Notfallzentrums, auf eine Entlastung der Verkehrsinfrastruktur und darauf, dass es in puncto Jugendhaus und Zweifeld-Sporthalle sowie seniorengerechtes Wohnen vorangehe.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen