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Eppstein Die Burg als Fundgrube

Archäologen stoßen bei Ausgrabungen in der Burg Eppstein auf alte Mauerreste, Scherben und einen Trinkbecher. Mit diesen Funden haben die Forscher nicht mehr gerechnet.

Die Ausgrabungen auf Burg Eppstein. Foto: Martin Weis

Ein wenig ramponiert sieht er aus, ist aber glücklicherweise fast vollständig erhalten – der etwa zehn Zentimeter hohe Trinkbecher aus rotbrauner Keramik, den das Team um den Archäologen Joachim Zeune in den vergangenen Tagen bei Grabungen auf Burg Eppstein entdeckt hat.

Offenbar diente das Trinkgefäß aus dem 14. Jahrhundert als Auffüllmasse für eines der Burggebäude. Und möglicherweise war der aus Dieburg stammende Becher sogar schon zu seiner Entstehungszeit eingedrückt. „Damals haben Töpfer manche Becher absichtlich verformt, um sie als Eichmaß zu verwenden“, erläutert Joachim Zeune.

Überraschung nach zehn Jahren

„Wir haben mit diesem Ergebnis überhaupt nicht gerechnet“, sagt der Archäologe, der schon seit zehn Jahren regelmäßig die Burg untersucht. Zumal der Becher nicht die einzige interessante Entdeckung ist, die er und sein Team bei der aktuellen Grabung machten. So befand sich in dem Füllmaterial auch das Stück einer Bodenfliese aus der Zeit zwischen 1250 und 1320. Auch Mauerreste, die die Archäologen freilegten, atmen einiges an Geschichte.

Eines der Bauwerksrelikte könnte aus der Zeit um 1100 stammen – und wäre damit einer der ältesten erhaltenen Teile der Burg. Ein weiteres stammt ziemlich sicher aus dem 1682 errichteten Juchhe-Bau, dem Wohnhaus für die kurmainzischen Beamten in der Osthälfte der Burg. „Wahrscheinlich war es der Küchenboden“, vermutet Zeune. Allerdings müssen die Funde nun noch genauer ausgewertet werden.

Burgschauspieler planen um

„Möglicherweise kann ein Teil davon sichtbar bleiben“, hofft der Archäologe, der mit seinem Team noch bis Freitag weitergraben wird. Architekt Torsten Brod denkt schon über eine Glasplatte oder „etwas zum Aufklappen“ nach. Denn auf dem Areal soll bald ein neues Gebäude entstehen. Die Burgschauspieler wollen sich hier ihr Domizil errichten, in dem sie Kostüme und Requisiten unterbringen, aber auch Proben und Sitzungen abhalten können.

Die Vorsitzende Juliane Rödl sieht deshalb die archäologischen Entdeckungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn nun müssen sie ihre Pläne den aktuellen Gegebenheiten anpassen und wohl auch die kalkulierten 200.000 Euro Baukosten noch etwas aufstocken. „Aber es sind auch tolle Sachen zum Vorschein gekommen“, freut sich Rödl. Sie hofft, damit den ein oder anderen Sponsoren akquirieren zu können. Einen neuen Mitspieler jedenfalls haben die Burgschauspieler durch die Kooperation mit den Archäologen schon gewonnen: Falko Lehmann vom Landesamt für Denkmalpflege hat zugesagt, im kommenden Jahr bei der Jubiläumsvorstellung zu 100 Jahren Burgfestspiele eine kleine Rolle zu übernehmen.

„Außerdem bekommen die Besucher der Burg nun zusätzlich etwas zu sehen“, sagt die Leiterin des Burgmuseums, Monika Rohde-Reith. Denn von dem 1819 abgerissenen Juchhe-Bau ist außer einer Außenmauer heute nur noch wenig übrig. Das dreigeschossige Gebäude hatte seinen Namen wegen seiner beträchtlichen Höhe. Es ersetzte ein anderes Wohnhaus, das die Herren von Eppstein 1350 errichten ließen.

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